Debatte um dreckiges Stollberg: Stadt lässt absichtlich Müll liegen

Im Schlachthof haben sich Kandidaten für die anstehende Kommunalwahl vorgestellt. Ein Bürger kritisierte die schlimme Verschmutzung im öffentlichen Raum. Ist es ein tatsächliches Problem - oder doch nur ein gefühltes?

Stollberg.

Der Mann hat sich viel Zeit genommen. Erst sprach er noch ganz ruhig, doch dann redete er sich mehr und mehr in Rage - gespickt mit viel Kritik. Eine davon: "Ich war jüngst in Zwönitz. Da ist es sauber. Dagegen ist Stollberg wirklich dreckig. Manchmal muss ich mich schämen." Der Mann nannte Beispiele - von den großen, offensichtlichen Problemen bis hin zu den kleinen, die ein Bürger nur noch bei genauem Hinsehen bemerke, weil es schon alltäglich sei. "An der Citybahn nahe Schlachthof, da liegt der Müll massenweise rum, sind zudem verbrannte Bungalows. Oder waren Sie mal am Nachmittag an der Altstadtschule? Alles voller Kippen."

Hat die Große Kreisstadt Stollberg ein Dreck-Problem - oder sind es Einzelfälle, die auffallen, weil es Einzelfälle sind? Und was sagen die anwesenden Kandidaten für die Kommunalwahl? Ute Müller von der AfD gab dem Bürger recht: Da müsse unbedingt was getan werden, etwa weitere Leute für die Stadtreinigung eingestellt werden. Auch ihr sei aufgefallen, das Stollberg sauberer sein könnte. Gunter Weißbach, der für die CDU wieder in den Stadtrat will, merkte an: "Wir haben ja den Bauhof umstrukturiert, um ihn besser zu machen. Aber, es muss auch gesagt werden, es liegt an uns Bürgern, dass die Stadt lebenswert bleibt." Früher habe es etwa auch Patenschaften für Pflanzkübel gegeben, was wieder eingeschlafen sei.


Siegfried Opitz, Linken-Fraktionschef fragte provokativ: "Was wollen wir? Wollen wir alles geleckt?" Er verwies darauf, dass die zwei städtischen Unternehmen - Kommunaldienstleistungsgesellschaft Stollberg (KGS) und Dienstleistungsgesellschaft Stollberg (DGS) - sich zusammen um weit mehr als 120 Hektar kümmern müssten. Er sprach das Wort Reinigungsgebühren an - und das Wort Subbotnik, also den freiwilligen und unentgeltlichen Einsatz der Bürger für die eigene Kommune. Jüngst wurde ja diese in der DDR oft praktizierte Aktion etwa in Thalheim organisiert. Ob das auch in Stollberg machbar wäre?

Dabei habe die Stadtverwaltung schon reagiert, so Oberbürgermeister Marcel Schmidt - er tritt als Kandidat für die Stadtratswahl an, wird aber ein Mandat gar nicht annehmen. Er verwies darauf, dass man bereits als Stadt die Firma Weidauer übernommen habe, die quasi als Verstärkung fungieren soll. Sieben Angestellte gehen zur KGS. Die Frage ist: Reicht das aus? "Wir wollen dieses Jahr sehen, wie es funktioniert. Gegebenenfalls müssen wir noch Leute einstellen."

Schmidt sagte aber auch, dass eine Stadt den Bürgern nicht jeden Dreck immer hinterherräumen müsse. "Manchmal lassen wir an manchen Stellen auch welchen liegen, um zu zeigen: Was macht ihr da?" Andernorts, etwa am Skaterpark, würden die Jugendlichen sehr gewissenhaft die Anlage sauber halten, sagten einige Abgeordnete.

Auf der anderen Seite greife die Stadt auch auf Sicherheitsleute zurück, die die Parks kontrollieren, so Schmidt weiter. Denn Dreck sei das eine, die Parks zu verschandeln - etwa mit Fahrrädern Wiesen kaputt fahren - ein weiteres Problem. Die Stadt könne sich aber nicht um alles kümmern, schon weil sie nicht für alle Flächen zuständig sei. Beispiel: Dreck an Gleisen der Citybahn müsse die Bahn wegräumen, an Autobahnauffahrten die Autobahnmeisterei.

Der eingangs erwähnte kritische Bürger nickte. Dies wisse er auch. Aber ihm fehle das Wollen der Stadt, sich mehr einzusetzen. "Am Telefon hört man oft, dass die Stadt für dieses oder jenes Problem nicht zuständig sei." Er wolle aber hören: "Wir sind zwar nicht zuständig, aber wir geben das mal weiter."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...