Dudelsack spielenden Zugführer zieht's ins Erzgebirge

Lucas Wielschs Leidenschaft gilt der Eisenbahn - und schottischer Lebensart. In Oberwiesenthal kann er beides vereinen.

Cranzahl.

Satte Dudelsackklänge mischten sich neulich in das imposante Schnaufen der Stahlrösser der Fichtelbergbahn. An den Bahnhöfen Cranzahl und Oberwiesenthal lauschten schaulustige Touristen verblüfft einem tongebenden Trio: Zum Dampfpfiff der Lokomotiven erklangen das Trillersignal des Zugleiters und der wohlgeformte Sound von Sackpfeifen. Lucas Wielsch gab an einem arbeitsfreien Tag an seinem Arbeitsplatz zur Freude seiner Bahnkollegen und der Reisenden eine kleine Kostprobe seines Hobbys ab. Zünftig mit Kilt und all den Accessoires eines Mitglieds des schottischen Clans McForbes bekleidet, zelebrierte er neben der technischen Sehenswürdigkeit ein Stück gälischer Lebensart.

"Als 14-Jähriger habe ich begonnen, mich für Land und Leute und speziell für den Dudelsack zu begeistern. Auch dank gutem Gehör habe ich mir die Spielweise selbst beigebracht. Viele Jahre gehörte ich zum Ensemble der Westerwald-Pipers", so der junge Mann. Denn er stammt aus Burbach im Siegerland in Nordrhein-Westfalen und zählt seit Februar dieses Jahres zur Belegschaft der Fichtelbergbahn. Neben der Begeisterung für die Musik erfüllt eine Leidenschaft den 27-Jährigen: die für Dampfeisenbahnen. Schon als Knirps gab es für ihn nur dieses Thema. Klar, dass zwischenzeitlich diverse Modelleisenbahnbretter von ihm gestaltet wurden und aktuell 300 Fahrzeuge zum heimischen Fuhrpark der Spur H0 zählen.


Sein Faible für das Verkehrsmittel ließ ihn nun sogar die Heimat wechseln. Mit seiner aus der Lausitz stammenden Frau Doreen hat er im Erzgebirge seinen Wohnsitz genommen. "Vordem war ich als ausgebildeter Triebfahrzeugführer selbst bei der Deutschen Bahn auf Lokomotiven unterwegs, bin beispielsweise zwischen Frankfurt am Main und Kassel gefahren." Doch all die Jahre stand für den angehenden Vater fest, bei passender Gelegenheit näher an und vielleicht auch auf ein Dampfross wechseln zu wollen. "Ich bin auf die Personalsuche der Oberwiesenthaler aufmerksam geworden. Hier bin ich dem Schnaufen und Pfeifen samt Feuer und Dampf schon mal näher gerückt."

Um überhaupt in den Stand einer Lokomotive zu kommen, habe er zunächst wie vom Ausbildungsbetrieb Bahn damals gefordert, einen Grundlagenberuf erlernt. "Bäcker, wie mein Vater. Im heimischen Geschäft wurde die Grundlage gelegt", so Lucas Wielsch. Gemeinsam mit ihm habe er auch den Dudelsack für sich entdeckt. Die Anfangsversuche bezeichnet er als kläglich, muss doch eine Reihe von Fertigkeiten erlangt werden. Um zu spielen heißt es zunächst, mächtig Puste in einen Luftsack zu drücken. An seinem aktuellen 2500-Euro-Instrument bedeute dies etwa, das Volumen von drei großen Ballons zu füllen. "Diese Luft wird durch Armdruck in die Spiel- und Bordunpfeifen geleitet, wo schwingende Rohrblätter die Töne erzeugen. Während ich die Grifflöcher am Spielrohr zum Spielen von Melodien nutze, sorgen die Bordunpfeifen für den gleichbleibenden Dauerton. Letztere sind die tiefen Töne, im Zusammenklang entsteht die Mehrstimmigkeit", erklärt Lucas Wielsch. Der Dudelsack zähle durch das zum Spielen verwendete Mundblättchen zu den Holzblasinstrumenten. "Mit dem Instrument ist es noch nicht getan. Ich habe mir die Bekleidung samt der Schmuckelemente angeschafft. Mein speziell angelegter Kilt bringt es mit 16 Metern Länge auf 13 Kilogramm Gewicht."

Lachend verweist Lucas Wielsch dabei auf die am meisten gestellte Frage des Publikums, die längst Kalauer-Qualität habe: "Was tragen Sie eigentlich unter dem Rock darunter?" Um die Antwort ist der Fachmann nicht verlegen und verweist beispielsweise auf den Vorteil der Frischluft an Hitzetagen und auf den Sgian dubh, einen Strumpf-Dolch, der in der Wadentextilie getragen wird. "Der ist ein Beispiel dafür, dass sich Dudelsackspieler einst für die Verteidigung ihrer Heimat einsetzten. Daher zeugt auch der Fakt, dass das Instrument mit 93 Dezibel sehr laut erklingt. Man stelle sich eine Gruppe von Musikanten vor, die damit früher den Gegner abschrecken wollten." In dem Zusammenhang verweist Lucas Wielsch darauf, dass landläufig der Ursprung des Dudelsacks nach Schottland verortet werde. "Das Instrument stammt aber aus dem Orient."

Gern würde der Zugleiter weitere Sounderlebnisse im Erzgebirge folgen lassen. "Früher habe ich im Siegerland zu Jubiläen und Geburtstagen ein Ständchen gebracht, auch auf Hochzeiten aufgespielt."

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