Ehrenamtliche Betreuerin: "Ich bin ja nicht die Einzige"

Stollenaktion Gudrun Baumann ist schon viele Jahre für die Oelsnitzer Sozialstation der Johanniter Unfallhilfe aktiv. Der fehlende direkte Kontakt zu den von ihr betreuten Senioren fehlt nicht nur den älteren Menschen - auch ihr.

Lugau/Oelsnitz.

Gudrun Baumann ist nicht nur überrascht, dass sie einen Dankeschön-Stollen für ihr Engagement erhalten soll, sondern auch darüber, dass ihr der sächsischer Ehrenamtspreis zuerkannt worden ist. Davon erfährt sie nämlich ebenfalls von der "Freie Presse". Das sächsische Sozialministerium hatte zwar die Pressemitteilung zur Auszeichnung der insgesamt 64 Ehrenamtler verschickt, aber der postalische Gruß an die Geehrten - als Ersatz für die coronabedingt weggefallene Feierstunde im Landtag - steht noch aus. Nichtsdestotrotz freut sich die Lugauerin über beides sehr, ist es doch eine Anerkennung dessen, was die 74-Jährige seit nunmehr fast 18 Jahren tut: sich um betagte Senioren kümmern.

Allerdings schiebt sie auch schnell nach: "Ich bin ja nicht die Einzige." Für die Johanniter-Sozialstation seien viele aktiv. Sie sehe das als eine Ehrung stellvertretend für alle. Das bestätigt Kerstin Bauersachs, die Leiterin der Sozialstation. "Die Ehrenamtlichen sind sehr aktiv und eine große Unterstützung", sagt sie. Etwa acht Ehrenamtler habe man, die vor allem im Besuchsdienst tätig sind - das heißt, sie überbringen allen, die 70 Jahre und älter werden, Grüße zum Geburtstag. Zudem seien sie eine wichtige Stütze bei der Vorbereitung und Ausgestaltung der jährlichen Höhepunkte - Sommerfest und Weihnachtsfeier. Dass sie gerade Gudrun Baumann für den Ehrenamtspreis vorgeschlagen habe, liege an deren langjähriger Mitarbeit und daran, dass sie sich auch mit vielen Ideen einbringt.

Die Oelsnitzer Sozialstation gibt es seit 1991, derzeit zählt sie 60 Mitarbeiter. Die Einsätze reichen von der ambulanten Krankenpflege über die Begleitung zu Ärzten und Behörden bis hin zur Unterstützung bei der Beantragung von Pflegeleistungen. Die Corona-Pandemie stelle für das gesamte Team, wie für alle in der Pflege und Altenbetreuung Tätigen, eine Herausforderung dar. Es sei ein großer Spagat, einerseits die pflegerische Betreuung abzusichern, andererseits den hygienischen Anforderungen gerecht zu werden, sagt sie. Auch für die Ehrenamtler ist die derzeitige Situation nicht einfach. Ist es doch eigentlich ihre Aufgabe, den Senioren mit den Geburtstagsbesuchen - die meist ein oder zwei Tage nach dem Ehrentag stattfinden - etwas Abwechslung zu bringen, mit ihnen zu sprechen und sich eventuelle Probleme anzuhören. Etwa 20 solcher Besuche absolviert die Lugauerin im Monat. "Das findet jetzt größtenteils über die Wechselsprechanlage statt, sagt sie. Der persönliche Kontakt fehle. Das sei nicht einfach - für beide Seiten.

Zu ihrem Ehrenamt gekommen war Gudrun Baumann im Übrigen eher zufällig: Bei einem Besuch in der Physiotherapie entdeckte sie 2002 einen Flyer zur "Aktion 55". Da die frühere Einkäuferin bei Textima zu dem Zeitpunkt nicht mehr berufstätig war, meldete sie sich - und blieb, als die Förderung auslief. "Irgendeine Aufgabe braucht man ja."

Wer soll für seinen Einsatz in dieser Coronazeit einen Dankes-Stollen bekommen? Vorschläge nimmt "Freie Presse" per E-Mail und telefonisch entgegen. Wir bitten, eine kurze Begründung sowie eine Telefonnummer als Kontakt mitzuteilen. E-Mail: red.stollberg@freiepresse.de

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