Ein ganzes Jahr Vorbereitung für zwei Stunden Rennen

Simon-Peter Fröhlich ist Buchbindermeister. Doch der 52-Jährige hat eine Leidenschaft, die derzeit viel seiner Freizeit bindet: die Organisation der Erzgebirgsrallye, die dieses Jahr durch Stollberg führt.

Stollberg.

Tonnen von Sperrzäunen und Verbotsschildern sowie Kilometer von Absperrbändern lagern in einer Halle in Jahnsdorf. In zwei Wochen holen Simon-Peter Fröhlich und seine Mitstreiter vom Chemnitzer Automobil- und Motorradclub (AMC) - der harte Kern sind etwa 20 Leute - diese heraus und verteilen sie in Stollberg, Jahnsdorf und der Region. Am letzten September-Wochenende findet hier die 55. Erzgebirgsrallye statt. Doch die diesjährige wird eine besondere sein: Einer der Läufe führt als Stadtkurs durch Stollberg. "Wir haben uns das von den Formel-Eins-Rennen abgeguckt. Stadtkurse üben immer einen besonderen Reiz aus", sagt Fröhlich. Der Verein rechnet am Abend des 28. Septembers mit 5000 Zuschauern an der Strecke.

Mit 14 Jahren stand er das erste Mal an der Strecke, als Fan. Nun wird es die 38. Rallye sein, die Simon-Peter Fröhlich, der in Mitteldorf eine Buchbinderei betreibt, miterlebt. Bis vor drei Jahren saß er noch als Co-Pilot im Wagen und hat nebenbei mit organisiert. Das ging irgendwann nicht mehr. Die Organisation frisst Zeit, viel Zeit. Seit einem Jahr sitzt Fröhlich daran, die zwei Stunden Stadtkurs von Stollberg auf die Beine zu stellen. Das ging los bei den Genehmigungen und endet noch lange nicht beim Sicherheitskonzept, für das Fröhlich zum Beispiel jede Brücke ausmessen musste.

Los geht am Freitag gegen 18 Uhr auf dem Simmel-Parkplatz. Jede Minute fährt ein Auto los. Dann geht es für die Autos zunächst nach Niederdorf, wo im Wald ein Wertungslauf absolviert wird. Zurück in Stollberg fahren die Autos langsam zum Postplatz, dort startet der Stadtkurs. Dieses Rennen führt die Autos drei Mal unter anderem über den Roßmarkt, um die Altstadtschule herum und über den Friedhof und die Obere Mühlenstraße und die Bachgasse zurück. Die Ecke Schneeberger Straße/Obere Mühlenstraße gilt wegen der Spitzkehre als besonders schwierige Stelle. "Eine Firma aus Mitteldorf wird als Absperrung extra Betonbarrieren anfertigen."

Anderthalb Stunden haben die AMC-Leute an jenem Freitagabend Zeit, die Strecke abzuriegeln. "Das Material fahren wir schon vorher breit." Abklären mussten die Organisatoren zum Beispiel, dass an dem Abend im Bürgergarten oder in den Kirchen kein Konzert stattfindet, Pflegedienste informiert sind und dass die Anlieferung für die Firma Murr gewährleistet bleibt.

Feuerwehr, Rettungsdienst, Abschleppdienste, die Ölwehr - alle seien für den Abend in Bereitschaft, so Fröhlich. "Gut 1000 Leute werden im Einsatz sein. So ein Rennen in der Größe, das gab es in Stollberg noch nie." Am nächsten Morgen, wenn für die Fahrer weitere Wertungsläufe bei Schneeberg und in Oberdorf anstehen, rollt durch Stollberg eine Kehrmaschine. Zudem steht ein 20-köpfiges Team fest, das mit Besen anrückt. "Wir haben sogar eine Baufirma auf Abruf, die kleine Reparaturen schnell erledigen könnte", erläutert Simon-Peter Fröhlich, was er natürlich nicht hofft. Mehr als 60.000 Euro kostet dem Verein die Organisation der Rallye. "Allein 4500 Euro fließen zum Beispiel in die Fressbeutel für die Streckenposten."

Doch auch abseits des Stadtkurses am Freitag wird man die Rallye überall in Stollberg spüren. Das Fahrerlager wird auf dem Schiller- und dem Fahrschulübungsplatz errichtet. Insgesamt rechnet der AMC mit 80 Teams, bestehend aus Pilot und Co-Pilot. Dazu kommen pro Team vier bis sechs Mechaniker. Die Rallye wird auch Teil des Internationalen Opel-Rallye-Cups sein, deren Fahrerlager entsteht auf dem Gelände des Logistikparks Stollberg an der Auer Straße. "Wir haben quasi jedes Hotel, jeden Gasthof und jede Pension in Stollberg und Umgebung besetzt", lacht Simon-Peter Fröhlich.

www.erzgebirgsrallye.de

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