Erneut tote Kälber - War es der Wolf?

Isegrim beschäftigt die Erzgebirger. Meldungen dazu gibt es nahezu regelmäßig aus verschiedenen Gebieten des Landkreises. Nicht alle lassen sich endgültig aufklären.

stollberg.

Die Erzgebirger reagieren sensibel, wenn es um den Wolf geht - umso mehr, wenn wieder ein totes Nutztier gefunden wird. Auf einer Weide bei Neudorf waren es in den vergangenen Wochen gleich drei. Erneut Wolfsrisse? Das ist in keinem der drei Fälle bisher abschließend geklärt. Zur Ermittlung der genauen Todesursache sind die toten Tiere in die Landesuntersuchungsanstalt nach Dresden gebracht worden. Von dort liegen nach Angaben von Landratsamtssprecher Stefan Pechfelder bisher noch keine Ergebnisse vor. Zumindest im ersten Fall gehen die Verantwortlichen des Landratsamtes - die Behörde ist noch bis Ende Juli für die Rissgutachten verantwortlich, dann übernimmt die neu gegründete Fachstelle Wolf - "dem äußeren Anschein nach" nicht von einem Wolfsriss aus. Vielmehr ist von einer Totgeburt die Rede.

Deshalb seien die vor Ort genommenen DNA-Proben noch nicht zur Untersuchung eingereicht worden. Das erfolge nur "bei einem bestätigten Verdacht auf einen Wolf als Schadensverursacher". Eine Verfahrensweise, die von betroffenen Tierhaltern und auch Jagdpächtern immer wieder kritisiert wird. Denn nur mit DNA-Analyse könne aus Sicht der Kritiker festgestellt werden, ob die Wölfe zu einem bereits registrierten Rudel gehören oder nur durch das Territorium ziehen.


Im Landratsamt beruft man sich auf den sächsischen Wolfsmanagementplan. Nach diesem seien DNA-Proben bei Nutztierrassen nur notwendig, wenn es aufgrund der äußerlichen Sichtung Zweifel gibt, ob als Verursacher des Risses der Wolf infrage kommt. Wörtlich heißt es dazu: "Dies war bislang nicht der Fall, entweder konnte ein Wolfsriss ausgeschlossen werden oder nach Inaugenscheinnahme bestätigt werden." Deshalb seien bisher keine DNA-Proben zur Untersuchung gesandt worden. Auch nicht, bei den bisher einzig offiziell bestätigten Wolfsrissen im April in Oberwiesenthal - dort hatten die Tierhalter privat eine DNA-Analyse in Auftrag gegeben. Deren Ergebnis liegt nun vor: "Es handelt sich um einen Nachkommen des Vysluni-Rudels." Und: Dasselbe Tier sei auch Anfang Mal bei einem Rotwildriss in Steinbach nachgewiesen worden.

Auf die Frage, wie ohne diese Analysen ein vollständiges Monitoring für den Erzgebirgskreis gewährleistet werden kann, heißt es seitens des Landratsamtes: "Bis zum 31. Mai war das Kontaktbüro Wölfe in Sachsen für das Monitoring insgesamt verantwortlich. Mit Inkrafttreten der Sächsischen Wolfsmanagementverordnung ist die Fachstelle Wolf des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie für alle Belange des Wolfsmanagements zuständig. Das Landratsamt Erzgebirgskreis arbeitet dahingehend beim Monitoring mit, dass mögliche Wolfsrisse oder andere Hinweise (Kot, Sichtungen) erfasst und gemeldet werden."

Dementsprechend ist zwar bekannt, dass sich das Territorium eines im tschechischen Vysluni festgestellten Rudels auch auf Oberwiesenthal und Hammerunterwiesenthal erstreckt. Erkenntnisse zur Größe des Rudels beziehungsweise zur Anzahl von Einzeltieren liegen dem Landratsamt aber nicht vor. Eine Zusammenarbeit mit tschechischen Partnern gibt es laut Behörde nicht. Unterdessen wird seitens der Fachstelle mittlerweile davon ausgegangen, dass sich Jungtiere des Rudels auch im sächsischen Erzgebirge niederlassen werden.

Gesicherte Daten über Vorkommen in der Region sind derzeit schwer zu finden. Denn auf der offiziellen Internetseite www.wolf-sachsen.de wird auf den Umbau der Strukturen hingewiesen und den damit verbundenen Neuaufbau einer Internetseite. Kontaktdaten der neuen Fachstelle werden aber wenigstens genannt.

Unterdessen liegt im Landratsamt zu dem Anfang Juni in der Nähe von Schwarzenberg gefundenen Kalbskadaver das abschließende Ergebnis der Untersuchung in der Landesuntersuchungsanstalt vor. Demnach "gibt es keine Schädigung, wie sie typischerweise bei einem Angriff durch einen Wolf zu erwarten sind". Vielmehr seien die vorgefundenen Verletzungen "postmortal" entstanden - also erst nach dem Tod.

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