Fotografieren war einst nichts für ungeübte Hände

Rund 60.000 Exponate zählt die Sammlung des Bergbaumuseums in Oelsnitz, nur ein Bruchteil davon ist in der Ausstellung zu sehen. Darum werden einzelne Stücke als "Objekt des Monats" vorgestellt. Aktuell ist es eine Fotokamera.

Oelsnitz.

Schon früh wurde damit begonnen, den Bergbau im Revier fotografisch zu begleiten. Die älteste Fotoaufnahme, die sich im Bergbaumuseum befindet, stammt von 1857 und zeigt den Carl-Schacht in Lugau, erklärt Mitarbeiterin Jenny Johne. Über die Jahre seien eine Vielzahl an Aufnahmen sowohl auf Betreiben der Gewerkschaften als auch aus privatem Interesse heraus entstanden. Johne: "Oftmals kamen dabei sogenannte Plattenkameras, auch Laufboden- oder Kastenkameras, zum Einsatz, die typisch für die Frühzeit der Fotografie waren." Das Objekt des Monats August zeigt eine kleine Variante einer solchen Plattenkamera der Firma ICA (Internationale Camera Actiengesellschaft).

Als Trägermaterial der licht- empfindlichen Schicht dienten Fotoplatten aus Glas. Später konnten von den Glasplatten-Negativen maßstabsgetreue Fotoabzüge hergestellt werden. Handhabung, Transport und Entwicklung waren bisweilen umständlich und nichts für ungeübte Hände. Die Sirene-Reihe, zu der die ausgestellte Kamera gehört, wurde von 1914 bis 1926 gefertigt und von ICA im eigenen Katalog im Jahr 1925 als "bewährt" und in "niedriger Preisklasse, für Jugend- liche und Anfänger im Photogra- fieren bestens zum empfehlen" angepriesen. Tatsächlich handelt es sich um ein kompaktes Modell, das einfach zusammengefaltet und in einer handlichen Box transportiert werden konnte, so Johne. Dabei wurde der lichtundurchlässige Balg, der Gehäuse und Objektiv miteinander verbindet, über den Laufboden zurück geschoben und gefaltet. So waren Faltenbalg und Objektiv in geschlossenem Zustand geschützt.

Zahlreiche Fotografien im umfangreichen Fotobestand des Bergbaumuseums dürften bis in die 1930er-Jahre hinein mit dieser oder ähnlichen Kameras aufgenommen worden sein, so Johne. So sei beispielsweise der Bau des Förderturms "Kaiserin Augusta" in Neuoelsnitz 1922/23 fotografisch gut begleitet und dokumentiert worden.

Das in diesem Beitrag abgebildete Foto gehört zu den Aufnahmen aus dieser Zeit. Es zeigt einen Bergarbeiter unter Tage bei der Arbeit mit einer Kohlebohrmaschine - einer sogenannten "Hummel" - um 1920. Jenny Johne: "Die Aufnahme zeigt bereits die Schwierigkeiten, die man zu dieser Zeit mit dem Fotografieren unter Tage hatte: Vor allem fehlte oftmals Licht."

Begleitend zum Objekt des Monats wird es morgen eine Familien-Erlebnisführung geben, erläutert die Museumspädagogin. Der Titel: "Blitzlichtgewitter". "Wir sprechen über alte Fototechnik, schauen uns seltene Original-Fotos aus dieser Zeit und der hiesigen Grube an und werfen bei einer Kurzführung unter Tage einen Blick auf die besonderen Herausforderungen an einen Fotografen im Steinkohlenbergbau", erklärt Johne. Am Ende können sich Besucher, die Lust haben, noch einmal als Bergmann verkleiden und gegenseitig fotografieren.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...