Freude über den Glücksgriff zieht Trauerspiel nach sich

Mit dem Erwerb einer Starterbatterie der Firma Friemann & Wolf gelang es, ein rares Exponat für das Bergbaumuseum zu ergattern. Als das Paket in Oelsnitz ankam, gab es eine böse Überraschung.

Oelsnitz.

"Ich war schon alarmiert, als ich gesehen habe, dass die DHL das Paket nachverklebt hatte", so Heino Neuber. Als der Vorsitzende der Knappschaft des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlereviers die Sendung vorsichtig ausgepackt hatte, sah er die Bescherung: Die für 75Euro ersteigerte Starterbatterie der Zwickauer Firma Friemann & Wolf war stark beschädigt. Trotz sorgfältiger Verpackung. "Der Verkäufer ist kein unbedarfter Mensch. Er hatte das sehr gut und mit Luftpolster verpackt", sagt Neuber.

"Möglicherweise wurden solche Batterien für Notstromaggregate verwendet. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass dies das Muster einer Batterie ist", erklärt der Museologe. Dafür spreche zum einen das sechs Millimeter starke Gehäuse aus Pressglas, welches den Blick ins Innere gestattet. Zum anderen lasse der Zustand darauf schließen, dass die Batterie nie mit Säure befüllt, also nie im Einsatz war.


Mit Bergbau hat diese Batterie vermutlich nichts zu tun. Für Neuber ist das 12,5 x 11,5 x 18 Zentimeter große Exponat vor allem wegen des Herstellers interessant. Vor reichlich einem Jahr haben Knappschaft und Sparkassenstiftung dem Museum eine wertvolle Sammlung von 300 Geleuchten der Firma Friemann & Wolf als Dauerleihgabe übergeben. "Diese Batterie soll in diese Geleuchtsammlung integriert werden."

Doch zunächst muss sich Neuber um den Schaden kümmern. Zwar hat er die Batterie günstig erstanden, für vergleichbare Raritäten bezahlen Liebhaber oft mehrere hundert Euro. Doch es geht um Knappschaftsgelder. Neuber fuhr auf die Postfilialen Oelsnitz, Niederwürschnitz und Stollberg. Aufgrund der Verpackung und Nachverklebung geht der Knappschaftsvorsitzende von einer Beschädigung durch die DHL aus. Doch in den Postfilialen ist man dafür nicht zuständig, also füllte er eine Schadensanzeige aus. Die Reaktion: Das beschädigte Gut müsse zur Begutachtung nach Marburg geschickt werden. Schriftlich und telefonisch erhob Neuber Einspruch. Begründung: Ein nochmaliger Versand führt zur vollständigen Zerstörung der Rarität. Doch immer wieder endeten seine Bemühungen am selben Punkt: Die Batterie sollte eingeschickt werden. Das aber will er unbedingt vermeiden. Er beabsichtigt eine Sicherung und Restauration, die den vorsichtigen Transport und das Ausstellen der Batterie ermöglicht. Eine Herausforderung: Denn zum Beispiel ist auf einer Seite die Glasummantelung auf ganzer Länge gesprungen. Am Haltegriff ist das Glas ausgebrochen. Neuber: "Der Schaden ist ideell und an sich nicht schätzbar."

Nachdem alle seine Bemühungen ins Leere gelaufen waren, wandte sich der Knappschaftsvorsitzende an "Freie Presse". Er betont: "Es geht gar nicht so sehr um die Entschädigung selbst. Es geht mir ums Prinzip. Was mich wirklich ärgert, ist die Diskrepanz zwischen der Werbung mit angeblicher Kundenfreundlichkeit und der Praxis." Auf Nachfrage von "Freie Presse" erklärt Mattias Persson, Pressesprecher von DHL Hub Leipzig: "Ich kann den Ärger durchaus nachvollziehen, aber anhand der Sendungsverfolgung sehe ich das Paket glatt durchgegangen." Dennoch beteuert er: "Wir streben eine Kulanzregelung an. Es ist klar, dass wir etwas anbieten. In der Regel sollte eine Lösung gefunden werden." Seit März kämpft Neuber nun um solch eine Lösung. Beim Gespräch am Donnerstag letzter Woche versicherte Persson gegenüber "Freie Presse", dass sich der Kundendienst mit Neuber in Verbindung setzt. Bisher ist das nicht passiert, doch noch hofft der Vereinschef: "Schön wäre eine kleine finanzielle Entschädigung, mit der wir wenigstens einen Teil der Sicherung und Restauration bezahlen können."

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