Geldfund: Paar erhält nun doch eine Prämie

Auf einem alten Bahnhofsgelände hatten Chemnitzer 20.000 Euro entdeckt. Erst hieß es, fürs Abgeben bei der Polizei erhalten sie keine Belohnung - weil es das Geld eines Dealers war.

Chemnitz.

Diese Geschichte hatte für Aufsehen und Empörung gesorgt. "Ehrlichkeit lohnt sich nicht mehr", lautete ein Kommentar, "Ehrlich geht die Welt zugrunde", ein anderer. Ein Leser schrieb an "Freie Presse": "Unfassbar! Es ist die Aufforderung an künftige Finder: Behaltet euer gefundenes Geld."

Was war passiert? Ein junges Paar, beide 28 Jahre alt, fand am 21.August 2015 bei einem Spaziergang am stillgelegten Güterbahnhof in Altendorf eine seltsam ausgestopfte Socke. Darin befand sich ein dickes Bündel Banknoten. Bei 10.000 Euro hörte das Paar - die Frau bezog damals Hartz IV - mit dem Zählen auf, weil es ihm zu unheimlich wurde. Sie brachten das Geld sofort zur nächsten Polizeidienststelle. Dort wurde bis zum Ende gezählt. Insgesamt waren es 20.000 Euro. Seitdem machten sich die zwei Hoffnung auf einen Finderlohn.

Die Polizei ermittelte, wie das Geld an den Fundort kam. Während eines Prozesses gegen einen Drogendealer kam schließlich raus, dass der Mann, der an der Limbacher Straße, unweit des alten Güterbahnhofs wohnte, dort sein Versteck hatte. Er gab zu, dass die 20.000 Euro aus seinen Drogengeschäften stammen. Der Dealer erhielt eine Haftstrafe von vier Jahren. Er war damit einverstanden, dass die 20.000 Euro ersatzlos vom Freistaat Sachsen eingezogen werden.

In Sachen Finderlohn sah es indes schlecht aus. Die Regeln dafür sind im Bürgerlichen Gesetzbuch festgelegt. Eine wichtige Voraussetzung war in dem Fall nicht gegeben: Das Geld war nicht verloren, sondern versteckt, erklärte im Januar eine Sprecherin des Amtsgerichts. Auch müsste die Fundsache an den Eigentümer zurückgegeben werden. Dieses Kriterium wurde ebenfalls nicht erfüllt. Da das Geld aus kriminellen Geschäften stammt, war der Dealer nie rechtmäßiger Eigentümer. Das Paar hätte theoretisch den Freistaat als neuen Besitzer auf Zahlung von Finderlohn verklagen können. Doch auch das hätte nur wenig Aussicht auf Erfolg gehabt, so die Gerichtssprecherin.

Die Empörung unter den Zeitungslesern war groß. Nun hat die Staatsanwaltschaft bekannt gegeben, dass das Paar doch eine Prämie erhalten wird. "Der Freistaat Sachsen würdigt das vorbildliche und redliche Verhalten der Finder", heißt es in der Mitteilung. Der Betrag, der dem Paar bereits überwiesen worden sei, beläuft sich auf 600 Euro. Das ist genau so viel, wie das Gesetz als Finderlohn vorgesehen hätte.

Wie viel das Paar, das anonym bleiben will, davon am Ende behalten kann, ist unklar. Sollte die Frau noch immer HartzIV beziehen, müsste die Prämie bis auf eine Pauschale von 30 Euro auf die Leistung angerechnet werden. Steuerpflichtig ist die Belohnung jedoch nicht.

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