Guter Geist wirbelt auch mit 70 noch jede Menge Aktenstaub auf

Die sparkassenhistorische Sammlung der Erzgebirgssparkasse ist in ihrer Art einmalig in Deutschland. Der Mann, der sich in dem Archiv auskennt wie kein anderer, ist ein Unikum - und feierte in dieser Woche einen runden Geburtstag.

Schwarzenberg/Annaberg.

Wer auf der Welt hat wohl so einen Wunsch? Eigentlich wollte Horst Möckel bis zu seinem 70. Geburtstag 999 laufende Meter Akten im historischen Archiv der Erzgebirgssparkasse aufbereitet haben. Dass er das bis zu seinem Ehrentag am 28. Oktober nicht ganz geschafft hat - 950 Meter stehen zu Buche -, sieht der Schwarzenberger gelassen: "Das war schon ein sehr ehrgeiziges Ziel. Aber der Aufwand beim Sichten, Katalogisieren, Digitalisieren und Archivieren ist groß."

Das wissen auch die Verantwortlichen der Sparkasse. Ebenso, was sie am Unikum Horst Möckel haben. Der kennt sich nicht nur im Archiv bestens aus. Der Bücher- und Eisenbahnfreund, versiert in der Regionalgeschichte, ist gut vernetzt, hat für Probleme immer Lösungsideen parat und kann sein Wissen anekdotenreich an die Leute bringen. Seit 2007 beim Kreditinstitut angestellt, wurde er 2016 als Rentner freier Mitarbeiter. Er hat entscheidenden Anteil daran, dass Deutschlands umfangreichstes historisches Sparkassenarchiv jetzt zu einem großen Teil für die Forschung erschlossen ist. "Vor zehn Jahren hatten wir einen Aktenbestand von etwa 1000 laufenden Metern. Mittlerweile sind wir bei mindestens 1600", erklärt der nun 70-jährige gute Geist des Archivs. "Da ist also noch viel zu tun."

Schon Aufbereitetes findet man in 7400 Aktenordnern und 2300 Archivschachteln. 11.000 Fotos wurden digitalisiert, in der Adressdatei sind bisher 65.000 Namen erfasst. Die Bestände auch zu nutzen, liegt Möckel sehr am Herzen. "Wir haben aus 180 Jahren erzgebirgischer Sparkassengeschichte Belege, die gesellschaftliche Ereignisse und Entwicklungen dokumentieren." So werden auf Antrag Studenten und Doktoranden unterstützt, Historiker und Ortschronisten, bald vielleicht auch Ahnenforscher - alles bei nachweisbarem Interesse sowie unter Wahrung von Datenschutz und Bankgeheimnis. Ausstellungen zu gestalten, im Haus selbst und auswärts, ist ebenfalls Anliegen. "Als die Sparkasse Berlin zu ihrer 200-Jahr-Feier eine Ausstellung hatte, waren wir größter Leihgeber", sagt Möckel stolz.

Der bevorstehende Umbau der Sparkassenfiliale an der Grünhainer Straße in Schwarzenberg zu einem S-Beratungs-Center wird auch die Möglichkeit schaffen, weitere Teile der historischen Sammlung öffentlich zu zeigen. "Im Herbst 2021 jährt sich die Gründung der Stadtsparkasse Schwarzenberg zum 155. Mal. Das wäre ja gleich ein guter Anlass."

Schon immer hat Horst Möckel viel gelesen, beim Recherchieren vor Veröffentlichungen, die er verantwortet oder unterstützt hat, in alten Unterlagen gestöbert, Aktenstaub aufgewirbelt. Das machte der gelernte Werkzeugmacher im Archiv dann auch beruflich, und das will er gern fortsetzen. So fand er schon viele Ansätze, die ein Überarbeiten der Schwarzenberger Wirtschafts-Chronik notwendig erscheinen lassen. Und er will sich im Verein einbringen, der die sparkassenhistorische Sammlung künftig betreuen soll.

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