Hormersdorfer Original spielte und sang sich in viele Herzen

Fredi Richter ist als Mundartdichter, Musiker und Alleinunterhalter über die Grenzen seines Heimatortes hinaus bekannt gewesen. Er starb jetzt im Alter von 87 Jahren.

Hormersdorf.

"Eines Tags kimmt mol de Zeit, dann geht dr Vorhang sachte zu, stell in de Eck ich meine Schuh, un a dr Hut kimmt nei in Schrank. An meine Fans mein besten Dank ..." Mit jenem Lied hatte sich der Hormersdorfer Mundart- und Theatermusikant Fredi Richter 2009 aus gesundheitlichen Gründen von der Bühne verabschiedet. Jetzt ist Fredi Richter nach langer Krankheit im Alter von 87 Jahren gestorben. Drei Tage nach dem Tod seiner Ehefrau Gisela (82) hat auch sein Herz aufgehört zu schlagen.

62 Jahre waren beide verheiratet. Die gemeinsame Arbeit, Sohn Jens sowie Fredis Hobbys, die Musik und der Schrebergarten, bestimmten den Alltag und ließen sie fest zusammenhalten. Vielen Hormersdorfern und zahlreichen großen und kleinen Leuten aus den umliegenden Nachbargemeinden haben Gisela und Fredi Richter in ihrem Frisiersalon den Kopf gewaschen - und die ließen es sich gerne gefallen.

Christoph Ulrich

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In der Region bekannt wurde Fredi Richter als Mundartdichter, Musiker und Alleinunterhalter. Er verstand es, in seinen lustigen oder zum Nachdenken anregenden Texten mit einfachen Worten seine Ansichten und Gefühle auszudrücken. Besonders am Herzen lag ihm dabei stets die erzgebirgische Mundart. Deshalb ist vor drei Jahren sogar eine CD mit Kinderliedern in Mundart entstanden.

Egal ob er als Theatermusikant oder in der Heimatstube des Ortes, zum Tag der Sachsen oder zu den Mundarttagen in Annaberg die Bühne betrat, das Publikum war von den Auftritten des kleinen Mannes stets begeistert. Fredi Richter war immer bescheiden - aber den Applaus den genoss er durchaus. "Fredi war ein echtes Hormersdorfer Original, der sich mit seiner Rolle als Theatermusikant identifizierte", sagt der frühere Vorsitzende des Theatervereines Gerd Raubold.

Richter, der mit fünf Jahren seine erste Ziehharmonika bekam und nie eine Musikschule besuchte, hatte sich sein musikalisches Können selbst beigebracht. Er wäre gern Berufsmusiker geworden. Doch er übernahm mit seiner Frau, die extra den Beruf Damenfriseurin erlernte, den Salon seines Vaters. Seiner großen Leidenschaft, der Musik, ist er dennoch treu geblieben. Für sein Hobby bekam er von seiner Frau immer Unterstützung. Wenn er zu Auftritten unterwegs war, wurde er von ihr mit dem Auto hingefahren und wieder abgeholt. "Meine Mutter hatte sehr viel Verständnis. Sie hielt ihrem Fredi immer den Rücken frei", erzählt Sohn Jens Richter.

Als Fredi Richter das Akkordeon allmählich zu schwer wurde, lernte er mit 60 Jahren, Keyboard zu spielen. An diesem sind späterhin mehr als 20 Eigenkompositionen entstanden. "Ich finde es schade, dass Fredi viel zu spät damit begonnen hat, sich musikalisch zu entfalten. Es blieb ihm leider zu wenig Zeit, all seine Ideen zu verwirklichen", sagt Regine Seifert, Vorsitzende des Erzgebirgszweigvereines Hormersdorf.

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