In 77 Minuten von Chemnitz über Thalheim bis nach Aue

Die Strecke von Chemnitz ins Erzgebirge wird modernisiert. Noch ist unklar, wann die erste Straßenbahn rollt. "Freie Presse" warf dennoch einen ersten Blick in den Fahrplan.

Chemnitz/Thalheim.

Noch haben die Bauarbeiter alle Hände voll zu tun. Bis die neue Strecke des Chemnitzer Modells von der Chemnitzer Innenstadt über Thalheim nach Aue betriebsbereit ist, müssen Brücken erneuert, Haltestellen gebaut und Gleise verlegt werden. Schwerpunkt der Arbeiten im Chemnitzer Stadtgebiet sind momentan die Erneuerung der Brücken über die Werner-Seelenbinder-Straße und die Olbernhauer Straße. Laut dem Bauherrn, das ist der Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS), gehe es bei dem 70-Millionen-Euro-Vorhaben derzeit planmäßig voran.

Jetzt wurden mithilfe eines Krans neue Brückenteile in das Bauwerk über die Seelenbinder-Straße eingehoben, so der Sprecher des VMS, Falk Ester. Voraussichtlich im Mai nächsten Jahres ist der Einhub der neuen Brücke über die Olbernhauer Straße geplant, so Ester. Zunächst soll zu Jahresbeginn der letzte noch gleislose Abschnitt der insgesamt 47Kilometer langen Strecke nach Aue zwischen der Haltestelle Technopark und der Brücke an der Seelenbinder-Straße Schienen erhalten.

Seit dem Baustart im Herbst 2019 wurde einiges fertiggestellt. Die Strecke zwischen der Brücke an der Seelenbinder-Straße und dem Bahnhof Reichenhain, wo Fahrgäste von der Bahn in den Bus wechseln können, erhielt zwei Gleise. Die Verknüpfungsstelle für den Nahverkehr selbst ist weitestgehend fertig, so Sprecher Ester. Es wurden Parkplätze und Haltestellen errichtet. Auch die Arbeiten für die neuen Haltepunkte in Erfenschlag und am August-Bebel-Platz in Einsiedel sind nahezu beendet. Die alte Haltestelle am Gymnasium wurde zurückgebaut, der neue Haltepunkt soll 2021 errichtet werden, so Ester. Begonnen haben die Arbeiten am neuen Haltepunkt nahe der Einsiedler Brauerei. Dort wird unter anderem ein Weg zum Gleis errichtet. Ab Januar soll dann auch die Straße am Einsiedler Bahnhof saniert werden, kündigt Ortsvorsteher Falk Ulbrich an.

Diese Bauarbeiten sind nicht die einzigen Voraussetzungen, damit die Strecke 2021 ans Netz gehen kann. Der Start von Testfahrten, die für die Inbetriebnahme unerlässlich sind, hänge maßgeblich von der Errichtung, der Funktion und der Abnahme der Sicherheitstechnik, wie etwa Schranken und Lichtsignale, ab, so der VMS-Sprecher. Auch deshalb könne man keinen genauen Termin für die Aufnahme des Verkehrs nennen. Die Testfahrten sollen zwei Monate vor der Eröffnung der Trasse beginnen. Ein weiterer sensibler Punkt bei den Bauarbeiten ist der Tierschutz. Ein Teil der Bahntrasse verläuft entlang der Zwönitz. Bei Arbeiten an dem Gewässer muss die Einhaltung der Fischschonzeiten beachtet werden, so Falk Ester.

Genügend Fahrer für den Betrieb der Strecke gibt es bereits, erklärt er. Die Citybahn, die die Route betreiben wird, habe in den zurückliegenden Monaten 16 Fahrerinnen und Fahrer für die Fahrten zwischen dem Chemnitzer Hauptbahnhof und Aue ausgebildet. Die Flotte von zwölf Citylink-Bahnen hatte das Unternehmen schon früher mit Blick auf den Betrieb der Strecke angeschafft, so Ester. Die Fahrerinnen und Fahrer werden die Wagen im Halbstundentakt von Chemnitz nach Thalheim steuern, nach Aue fährt stündlich ein Zug. Die erste Bahn aus Chemnitz wird laut VMS in Thalheim 5.45 Uhr und in Aue 6.15 Uhr ankommen. Start an der Zentralhaltestelle: 4.58 Uhr. 35 Haltestellen bedient der Zug bis zum Bahnhof Aue, so Falk Ester. In der Erzgebirgsstadt startet die erste Bahn um 3.58 Uhr. An der Zentralhaltestelle wird sie um 5.14 Uhr erwartet. Die letzte Bahn aus Chemnitz fährt 0.35 Uhr in den Auer Bahnhof ein. Insgesamt werden Montag bis Freitag täglich 33 Züge zwischen Chemnitz und Thalheim fahren. Von Thalheim bis Aue sind 19 Zugpaare unterwegs, so Falk Ester. An den Wochenenden wird der Fahrplan ausgedünnt. "Sonntags gilt auf der kompletten Strecke ein Stundentakt, samstags gibt es lediglich punktuell Verstärkerfahrten für einen kurzzeitigen 30-Minuten-Takt zwischen Chemnitz und Aue", erklärt der VMS-Sprecher.

Die Fahrten zwischen Chemnitz und dem Erzgebirge werden in die Linien C13 Chemnitz - Burgstädt und C14 Chemnitz - Mittweida der Chemnitz-Bahnen integriert und entsprechend verlängert. So kommt etwa die Bahn, die 3.58 Uhr am Auer Bahnhof startet, um 5.54 Uhr in Mittweida an.

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55 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    1
    Bahn524
    13.01.2021

    Der Expressbus hat doch nur noch bis Dezember 2021 eine Konsession. Also wird das Angebot gekürzt (war ja schon im Dez. 2020 im Gespräch) und schon ist der Zug gefüllt. Ganz einfach.

  • 3
    0
    Bär53
    19.12.2020

    Ich bin gespannt, wie diese Verbindung angenommen wird. Für Pendler zwischen den Endstellen Aue und Chemnitz ist die Fahrzeit sicher zu lang, sie entspricht etwa der in den 70er Jahren. Damals, mit Diesellok V110 und 4 zwei- oder dreiachsigen Waggons, bin ich die Strecke regelmäßig zum Studium gefahren. Besonders die Serpentine zwischen Zwönitz und Lössnitz u.Bf. ist mir im Gedächtnis geblieben. Da standen wir manchmal im Lössnitz ob.Bf. und beobachteten wartend einen langen Güterzug, der uns schnaufend aus dem Tal entgegen kam. Nostalgie!
    Schon deshalb freue ich mich auf die Wiederinbetriebnahme dieser schönen Bahn.

  • 3
    0
    FelixS
    18.12.2020

    Ich habe auch nochmal geschaut. Die Fahrtzeit Aue - Chemnitz beträgt von Bahnhof zu Hauptbahnhof insgesamt 84 min ( Abfahrt 11:39 Uhr - Ankunft Hbf: 13:03 Uhr). also 1:24 h! Vor dem Umbau waren es ca. 1:15 h. Wer aus Aue zum Hbf will ist der Ausbau (aller Jubelmeldungen zum Trotz) in mehrfacher Hinsicht eine Verschlechterung (Reisezeit und Anschlüsse).

  • 2
    0
    FelixS
    18.12.2020

    ...
    Ich befürworte grundsätzlich den Ausbau der Strecke. Ich denke aber, dass man der Strecke durch die etlichen Zugangsstellen keinen Gefallen getan hat. Für die Flexibilität der Strecke wäre auch der ein oder andere zweigleisige Streckenabschnitt von Vorteil gewesen.

    Auch die Anschlussbeziehungen in Chemnitz an die Expresslinien in Richtung Hof und Dresden (zu mindestens für die Züge aus Aue) sind nicht vorhanden. Das gleiche gilt übrigens auch für die Züge von Aue nach Zwickau.

  • 5
    0
    FelixS
    18.12.2020

    Die angebotenen Anschlüsse in Aue auf die Strecke in Richtung Johanngeorgenstadt sind nicht kundenfreundlich und kosten Fahrgäste. Übergänge von ca. 15 bis 20 min sind daher meiner Meinung nach die Schmerzgrenze.

    Beispielsweise:

    Ankunft Bahn aus Richtung Johanngeorgenstadt über Schwarzenberg: 11:09 Uhr
    Abfahrt Bahn in Richtung Chemnitz: 11:39 Uhr
    Umsteigezeit: 30 min

    Ankunft Bahn aus Richtung Chemnitz: 11:15 Uhr
    Abfahrt Bahn in Richtung Johanngeorgenstadt über Schwarzenberg: 11:41 Uhr
    Umsteigezeit: 26 min

    Durch die Wartezeit in Aue werden die Reisezeiten unnötig verlängert. Da überlege ich mir schon ob ich den Expressbus nehme oder in die Bummelbahn steige.

    Auch werden die Reisezeiten durch etliche Halte ab Einsiedel unnötig verlängert. Die Halte befinden sich in sehr kurzen Abständen. Das mag für die Anwohner schön sein, wirkt sich erheblich auf die Reisezeit aus. Insbesondere vier! Halte in Einsiedel.

    ....