Jugendputzteufel verbessern Stadtklima

Fünf Jugendliche der Altstadtschule sorgen für Ordnung in der Stollberg und zeigen, dass man nie zu jung ist, um etwas zu verändern. Dabei beseitigen sie vor allem den Müll der eigenen Mitschüler.

Stollberg Wenn Julia, Katrin, Moritz, Marlene und Laura in ihrer Schule unterwegs sind, kann es vorkommen, dass sie von anderen Schülern blöde Sprüche an den Kopf geworfen bekommen. Da hören sie Bemerkungen wie: "Und, wann kommt ihr denn mal wieder putzen?" Die Siebtklässlern lassen sich mittlerweile davon nicht mehr stören. Seit einigen Wochen nennen sich die Fünf die "Stollberger Jugendputzteufel" und sorgen für eine sauberere Stadt.

Angefangen hat alles damit, dass sie beobachteten, wie Mitschüler achtlos ihren Müll auf dem begehbaren Aldi-Dach liegen ließen. "Viele haben Melonen umhergeworfen oder ihre Getränkedosen einfach in die Büsche geschmissen", so Julia Autrem. Kurzerhand besorgten sich die Schüler Mülltüten und sammelten das Plastik und Essen ihrer Mitschüler auf.

Der Stollberger Oberbürgermeister Marcel Schmidt bekam Wind von der Aktion und lud die Schüler für eine Würdigung ins Rathaus ein. "Wir waren vorher schon sehr nervös", gesteht Laura Polzim, die wie die vier anderen noch nie vorher bei einer Stadtratsitzung war. Katrin Hambura ergänzt: "Dadurch, dass wir sozusagen die einzigen Kinder waren, wurden wir schon ziemlich offensichtlich angestarrt." Trotzdem fasste Julia Autrem Mut und ergriff im Namen der Gruppe das Wort. Sie bat bei der Stadt um Unterstützung, damit die Gruppe weitermachen könne. "Wir haben jeden der Jugendlichen mit einem Eis-Gutschein belohnt", berichtet Marcel Schmidt. "Außerdem sponsert die Stadt ihre Gruppen-T-Shirts und versorgt sie mit Material für ihre Putzaktionen." Schmidt betont, er schätze das Engagement der Schüler sehr. "Ich bin froh, dass die Jugend die derzeitige Situation nicht einfach hinnehmen will und selber mit anpackt." Der Oberbürgermeister hofft, es begeistern sich noch mehr junge Leute für die Arbeit im Freien.

Jede Woche, meist ein bis zwei Mal, machen sich die Jugendputzteufel nun auf den Weg durch die Stadt, um den Müll anderer zu beseitigen. "In letzter Zeit waren wir nur auf dem Aldi-Dach, aber wir wollen auf jeden Fall noch auf den Walkteichspielplatz und auch in den Seminarpark", erklärt Marlene Batz. Auf die Frage, was die Schüler so finden, wenn sie unterwegs sind, antwortet Moritz Weiß: "Von Pizzakartons bis hin zu leeren Chips-Tüten ist alles dabei. Manchmal bekommen wir drei bis vier Mülltüten damit voll." Zudem fänden sie oft mit Edding beschmierte Bänke sowie Glasscheiben vor.

Obwohl die Arbeit der Jugendlichen oft anstrengend ist, macht sie ihnen Spaß. "Wir bringen meistens unsere Musikbox mit und hören dann leise Musik", erzählt Katrin Hambura. Und Julia Autrem ergänzt, wohlgemerkt mit einem sehr untypischen Satz für eine Siebtklässlerin: "Unser Ziel ist es, der Stadt auch einfach mal etwas zurückzugeben, indem wir sie sauber halten". "Ein paar Mülleimer mehr in die Stadt zu stellen, wäre in diesem Fall aber auch sehr hilfreich", schlägt Laura Polzim zudem vor.

Die Gruppe würde sich sogar noch mehr freuen, wenn von vornherein alle besser auf ihre Umwelt achten und sie wertschätzen würden. Vielleicht hätte es dann auch ein Ende mit den fragwürdigen Sprüchen der Mitschüler.

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