Klaus Hoppe - ein Lehrer zwischen zwei Welten

Kaum einer hat die Schullandschaft in Hohenstein-Ernstthal seit dem Mauerfall so mitgeprägt wie Klaus Hoppe. Jetzt berichtet er über die Zeit, in der es möglich war, von Eltern und Schülern zum Schulleiter gewählt zu werden.

Hohenstein-Ernstthal.

Das Zimmer von Klaus Hoppe hat eine große Fensterfront, es ist hell hier und freundlich. Hoppe trägt ein weißes, legeres Poloshirt. Auf dem Schrank hinter seinem Schreibtisch hat er die Abschiedsgeschenke seiner Abiturienten platziert. So sitzt Hoppe Yoda im Nacken, ein grünes, seltsames Plüsch-Gesicht aus dem Star-Wars-Imperium.

Es ist Ruhe eingekehrt im Lessing-Gymnasium Hohenstein-Ernstthal. Die Ferien haben begonnen, und auch der 62-jährige Schulleiter sitzt quasi auf gepackten Koffern. Er will mit seiner Frau nach Südtirol. Doch die "Freie Presse" will von ihm noch wissen: Herr Hoppe, wie war das damals vor reichlich 25 Jahren, als sie Leiter der Schule wurden?

Vor genau 40 Jahren wurde Klaus Hoppe Lehrer. Vielleicht hat keiner die Schullandschaft in der Stadt seit dem Mauerfall so mitgeprägt wie er. Dass die Lessing-Schule heute ein Gymnasium ist, der Schulstandort Hohenstein-Ernstthal dadurch erheblich aufgewertet wurde, ist auch sein Verdienst. "Ich stamme aus Quedlinburg, habe meine heutige Frau beim Studium in Halle kennengelernt", erzählt Klaus Hoppe. 1976 waren die beiden mit dem Studium fertig, Hoppe kam als Mathematik- und Physiklehrer wenig später nach Hohenstein-Ernstthal an die Lessing-Schule. Er erinnert sich noch gut an die Zeit, als die Lehrer Eltern-Besuche durchführen mussten. "So schlecht war das nicht", erzählt Hoppe. "Wir Lehrer haben das Umfeld der Kinder kennengelernt, somit manche Verhaltensweise besser verstanden." Hoppe gehörte zu den wenigen Lehrern, die nicht in die SED eintraten. Ihm gefiel das Drumherum nicht. Im Herbst 1989, da war er schon 35, musste er noch zur Nationalen Volksarmee, eine sinnlose Zeit. Als er Weihnachten wiederkam, war nichts mehr, wie es vorher war: Die Mauer war gefallen und viele Eltern schickten in Hohenstein-Ernstthal ihre Kinder einfach nicht mehr zur Schule. Dafür verbrannten sie die Schulbücher. Hoppe: "Es ging drunter und drüber. So konnte es nicht weitergehen."

Eine neue Welt tat sich auf. Im Postgut traf sich der neugegründete Lehrerbeirat, zu dem auch Hoppe gehörte, und im Schützenhaus hielt Hoppe seine erste große Rede vor den Eltern. "Ich habe ihnen gesagt, wir können doch jetzt nicht einfach die Bildung wegschmeißen", kann sich der Lehrer heute noch erinnern. Er erarbeitete ein Konzept und dann passierte etwas, was heute undenkbar wäre: Eltern, Schüler und Lehrer wählten ihn unter mehreren Bewerbern zum neuen Schulleiter. Erst zwei Jahre später wurde er vom Kultusministerium offiziell berufen.

Und schließlich wurde aus der Lessing-Schule das Lessing-Gymnasium. Es war Hoppes Idee. Der Stadtrat beriet erstmals im November 1990 über das Thema. Später gab das Kultusministerium grünes Licht, sodass die ersten Leistungsklassen entstanden. Die Schülerzahlen kletterten in kurzer Zeit von 400 auf weit über 1200. Zum ersten Abi-Jahrgang gehörte 1995 mit einem Durchschnitt von 2,2: Oberbürgermeister Lars Kluge.

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