Körbeweise Riesenpilze - Aber fürs Sammeln gibt es Regeln

Manche Glückspilze schleppen in der Region derzeit ordentlich was nach Hause. Doch dafür gibt es Regeln. Und nicht überall ist die Suche von Erfolg gekrönt.

Bockau/Zwönitz.

Auf die Pilze, fertig, los! Das dachte sich in dieser Woche Michael Koch und machte sich im Wald zwischen Bockau und Jägerhaus auf die Suche. Kurze Zeit später kehrte er mit einem wahren Riesenexemplar in den Händen zurück: einen mehr als 1,6 Kilo schweren Riesen-Steinpilz. Die Kappe bringt es auf einen Durchmesser von rund 25 Zentimetern. "Als ich den Pilz zunächst aus der Ferne unter ein paar kleinen Fichten entdeckt habe, dachte ich: Was ist das denn? Dann sind die Augen und der Mund aufgegangen", erzählt der Erzgebirger (41). "Wahnsinn, was für ein großes Geschoss." Der Pilz sei kerngesund gewesen und noch am gleichen Abend in der Pfanne gelandet. "Wir haben zu dritt daran gegessen", so Michael Koch.

Marone, Goldröhrling und Co: Alle Welt geht derzeit in die Pilze und holt sie zum Teil körbeweise aus dem Wald. So konnte eine Frau in Bernsbach in der vergangenen Woche bei ihrer Tour durch den Wald stolze 9,4 Kilogramm an Steinpilzen einsammeln. Immer wieder machen auch Meldungen von Riesenpilzen die Runde. Der Zwönitzer André Lang fand erst Ende vergangenen Monats in der Nähe von Lößnitz einen gut 1,3 Kilogramm schweren Steinpilz, der einen Hutdurchmesser von 32 Zentimetern hatte. Der Pilz wurde zu einer leckeren Mahlzeit verarbeitet.

Die einen staunen, andere sind neidisch und wiederum andere werfen die Frage nach den Spielregeln auf - wenn Erzgebirger öffentlich ihr Pilzglück feiern, dann gibt es mitunter ein großes Echo. Bei der Frage nach Erlaubtem schwirren manchmal sogar Gewichtsangaben durch soziale Netzwerke. Fakt ist: Konkrete Angaben, die nicht überschritten werden dürfen, lassen sich in deutschen Gesetzen nicht finden.

Karin Bernhardt vom Landesamt für Umwelt und Geologie erklärt, dass es in der Natur zuallererst maßvoll zugehen sollte. "Der gepflückte Blumenstrauß für den Küchentisch ist nicht zu beanstanden", sagt sie. "Genauso wenig wie ein Körbchen Pilze für ein Familienabendbrot."

Im Sächsischen Waldgesetz heißt es dazu im Paragraf 14: "Wild wachsende Blumen, Gräser und Farne können für den persönlichen Bedarf entnommen werden. Entsprechendes gilt für das Entnehmen von Leseholz, Pilzen, Kräutern, Moosen, Beeren und anderen Wildfrüchten."

Nach der Bundesartenschutzverordnung darf das bei Pilzen aber nur in geringen Mengen zum eigenen Bedarf passieren. Aber was ist eine solche geringe Menge? "Eine Angabe in Kilogramm zu nennen, ist schwierig", erklärt der Pilzberater Bernd Schaller aus Rittersgrün. "Es sollte eine Menge sein, die für den eigenen Verzehr geeignet ist. Und die Pilze dürfen nicht gehandelt werden." Ähnlich äußern sich die Pilzberater Sandra Heymann und Lothar Roth aus dem Vogtlandkreis: "Als geringe Menge gilt, was für ein bis zwei Mahlzeiten ausreicht. Auf maximal acht Personen am Tisch und pro Tag bezogen, ergibt das ein bis zwei Kilogramm pro Kopf", erklären die Fachleute.

Speisepilz ist dabei jedoch nicht gleich Speisepilz. Nach der Bundesartenschutzverordnung sind einige der beliebtesten Pilze besonders geschützt. Dazu zählen etwa Pfifferlinge, Birkenpilze und Rotkappen, alle Arten von Morcheln sowie der Steinpilz. Dass diese nur "in geringen Mengen gesammelt" werden dürfen, hebt Karin Bernhardt vom Landesamt besonders hervor. Verstöße können dabei geahndet werden. Zuständig dafür sei der Landkreis. In Baden-Württemberg gab es beispielsweise im Vorjahr einen Fall, der Schlagzeilen machte. Hier hatten zwei Rentner 19Kilogramm Steinpilze gesammelt. Ein Zeuge rief die Polizei. Laut Medienberichten hatten sie daraufhin 1700 Euro Strafe zu zahlen. Jeder der beiden durfte nur ein Kilo Steinpilze behalten. Dass im Erzgebirge Pilzmengen gefunden wurden, die Strafen nach sich ziehen, kann sich Pilzberater Bernd Schaller allerdings nicht vorstellen. Ihm sei bisher kein einziger Fall im Landkreis bekannt.

Dass derzeit mancherorts viele Pilze sprießen, ist vor allem dem Regen und der hohen Feuchtigkeit zu verdanken. Laut Bernd Schaller lassen sich oberhalb von 600 Metern in einer Stunde bis zu 60 Steinpilze finden. Unterhalb dieser Grenze habe man aber mitunter weniger Glück. Der Pilzberater sagt dazu: "Im Sommer ist es in der Höhe nicht ganz so trocken gewesen wie im Flachland." Das wirke sich auf das Pilzwachstum aus.

Wo sich die Pilzsuche lohnt, weiß auch Michael Koch. Wie er berichtet, fanden sich direkt neben dem Riesenpilz im Wald bei Bockau auch noch weitere Exemplare. "Da waren acht, neun weitere große Steinpilze." Wo er genau die Entdeckung gemacht hat, will der Sammler dann aber doch lieber für sich behalten. (mit tb/eso/tjm)


Bei Pilzvergiftung ist schnelle Hilfe gefragt

Vor dem Genuss von Pilzen sollten sich unerfahrene Sammler bei einem Pilzberater informieren. Das empfiehlt die Johanniter-Unfallhilfe. Die wichtigste Regel sei, nur das zu sich zu nehmen, was man genau kennt.

Kommt es dennoch zu einer Verwechslung, ist rasches Handeln geboten. Bereits geringe Mengen können Vergiftungserscheinungen hervorrufen. Typische Symptome, die auch erst Stunden oder sogar Tage nach der Mahlzeit auftreten können, seien Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schweißausbrüche oder eine Gelbfärbung der Haut".

Bei Verdacht auf eine Vergiftung sollte sofort der Rettungsdienst gerufen werden. Außerdem sollten Pilzreste oder Erbrochenes für eine spätere Analyse durch einen Arzt aufbewahrt werden. (juef)

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