Kreyssig-Klavier zeigt sich wieder fit für große Auftritte

Mit einem Konzert für die Sponsoren ist am Sonntagabend das restaurierte Instrument in der Tabakstanne in Thalheim eingeweiht worden. Eine Frau konnte besondere Erinnerungen an den Klavierbauer beisteuern.

Thalheim.

Ein Kleinod aus der Thalheimer Pianofabrik Max Kreyssig hat am Sonntag erstmals wieder mit seinem satten Klang begeistert. Die Stadt hatte das in der Schule stehende, aber lange ungenutzte Instrument im Frühjahr 2018 der Tabakstanne vermacht. Damals war es in einem so maroden Zustand, dass Bürgermeister Nico Dittmann bekennt: "Ich bin davon ausgegangen, dass es als Museumsstück hierher gestellt wird." Stattdessen hat sich Andreas Gruner, der Leiter der Tabakstanne, auf die Suche nach Sponsoren begeben, mehr als 40 Spender gefunden und das Instrument für 5000 Euro vom Mülsener Klavierbauer Andreas Sens restaurieren lassen.

Für Liane Kreußel war das Einweihungskonzert ein besonderes Erlebnis. Die Enkelin des Erbauers weiß einiges zur Historie des Instrumentes: "Meine Mutter, Else Kreyssig, hat früher in der Turnhalle der Schule die Rhythmische Sportgymnastik angeleitet. Mein Vater, Hans Kreyssig, hat dazu auf diesem Klavier gespielt." Ob das Instrument damals für die Schule oder für Hans Kreyssig gebaut wurde, weiß sie indes nicht: "Ich war damals ja noch ein Kind. Und ich hatte auch selbst ein Kreyssig-Klavier, aber nicht so ein schönes." Auch Tabakstannen-Chef Andreas Gruner ist von dem für die Bauzeit Ende der 1920er-Jahre ungewöhnlichen Design begeistert: "Das Klavier wirkt geradezu modern."

Inzwischen ist Liane Kreußel 86 Jahre alt, doch sie erinnert sich, dass schwarze Klaviere damals eher die Ausnahme waren. Die üblichere Farbe war braun. Ihr Vater hatte noch Klavierbauer gelernt. Auch nachdem die Fabrik aufgegeben werden musste, ist er der Musik treu geblieben: "Er hat noch Klaviere repariert und war Klavierstimmer." Dazu war er ein begnadeter Pianist, wobei er keine Noten lesen konnte. Stattdessen hat er immer alles nach Gehör gespielt. Kreußel: "Wenn wir falsch gesungen haben, dann hat er das eben auch so gespielt."

Zum Weihekonzert am Sonntag in der Tabakstanne wurde allerdings nicht falsch gesungen oder gespielt, denn Andreas Gruner hatte eine ganze Reihe fabelhafter Musiker zusammengetrommelt, die allesamt honorarfrei aufgetreten sind. Zu hören waren der Thalheimer Hobbypianist Sepp Vogel, Sven Kehrer von der Musikschule Fröhlich, Andreas Gruner und seine Frau Teresa und als krönender Abschluss Bodo Martin und Ralph Postleb, alias die Boogieknechte. "Das Äußere des Klaviers ist mir ja eigentlich egal, aber wenn hier der Deckel hochgeht, wird man von 88 Schmuckstücken angelacht. Das Instrument hat einen sehr guten Klang und einen Spitzenanschlag", lobt Ralph Postleb, der mit Witz und Spielfreude gezeigt hat, dass dieses Klavier auch das Zeug für richtig große Auftritte hat.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...