Landkreis will Einhaltung der Corona-Regeln stärker kontrollieren

In den Kliniken des Erzgebirgskreises werden immer mehr Covid-19-Patienten behandelt. Mehr als 100 sind es aktuell. Die Personalsituation sei angespannt, aber nicht besorgniserregend. Derweil versucht das Gesundheitsamt weiterhin, Kontakte nachzuverfolgen. Doch Kritik wird lauter.

Annaberg-Buchholz.

Wie rasant sich die Corona-Situation im Erzgebirgskreis entwickelt hat, macht ein Blick in die Vergangenheit deutlich. In der Woche vom 21. bis 27. September wurden im Schnitt rund 13 Personen pro Tag positiv auf das Virus getestet. Eine Woche später waren es rund 16, dann 31, 78 und in der vergangenen Woche schließlich täglich mehr als 108 im Schnitt. Am Mittwoch wurden 106 neue Fälle und fünf weitere Todesfälle gemeldet. Der Inzidenzwert beträgt damit 188,1 und liegt etwas unter den Vortagen. 823 Erzgebirger befanden sich am Mittwoch in angeordneter Quarantäne.

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Zahlen der Kliniken wieder. Aktuell werden in den sechs Krankenhäusern in Aue, Annaberg, Olbernhau, Stollberg, Zschopau und Erlabrunn 110 Covid-Patienten behandelt. Bei 13 davon handele es sich um schwere Verläufe (Stand 27. Oktober). Allerdings verändern sich diese Zahlen täglich. Doch eine Entwicklung ist abzulesen: Die Belastungen in den Kliniken nehmen zu. Unter anderem seien Mitarbeiter selbst infiziert. Die Krankenhäuser reagieren auf solche Fälle sehr schnell und ergreifen die notwendigen Maßnahmen, sagte Landrat Frank Vogel. Hinzukomme, dass derzeit Ferien sind und sich Mitarbeiter im Urlaub befinden. Auch Krankschreibungen, die nicht coronabedingt sind, gebe es. Die Personalsituation in den Krankenhäusern sei angespannt, aber nicht besorgniserregend. Die Betreuung von beatmeten Patienten erfordere allerdings eine Eins-zu-Eins-Betreuung, was mehr Mitarbeiter binde. Auch zusätzliche Hygienemaßnahmen binden Personal. Auf den nicht intensivmedizinischen Isolierstationen sei kaum mehr Personal als auf normalen Stationen notwendig, so Frank Reißmann, Abteilungsleiter für Soziales und Ordnung.

Wie ist die Situation im Gesundheitsamt? Nach wie vor stellt die Kontaktnachverfolgung die Behörde vor große Aufgaben. Rund 2500 Erstkontakte von positiv Getesteten kommen Tag für Tag hinzu. "Wir schieben einen Berg an Aufgaben vor uns her", so Reißmann. Prioritär würde derzeit die Kontaktierung der positiv-getesteten Personen erfolgen, um dort die Kontakte der vergangenen Tage zu erfragen. Der Amtsleiter stellte in diesem Zusammenhang klar, dass das Gesundheitsamt nur die Laborergebnisse dann direkt erhalte, wenn das Gesundheitsamt die Testungen selbst in Auftrag gegeben hat. Werden Tests in Arztpraxen vorgenommen, erhält zunächst der Mediziner das Ergebnis. Von dort aus werde es an das Gesundheitsamt weitergegeben, was allerdings zu Verzögerungen führen könne. Immer mehr Erzgebirger berichten von Fällen, in denen sich das Gesundheitsamt erst nach Tagen und manchmal auch erst nach mehr als einer Woche gemeldet hat. Die Corona-App bringe dem hiesigen Gesundheitsamt keine Entlastung.

Um die Einhaltung der Allgemeinverfügung des Erzgebirgskreises, die derzeit unter anderem Feiern mit maximal zehn Personen, Mindestabstand und Mund-Nasen-Bedeckung für einen Kirchenbesuch, bei Versammlungen und Veranstaltungen im öffentlichen Raum sowie eine Sperrstunde ab 22 Uhr für Bars und Restaurants vorsehen, zu kontrollieren, setzt der Kreis auf verstärkte Kontrollen. Das geschehe bereits seit einigen Wochen vor allem an den Wochenenden. Auch am kommenden Wochenende soll es wieder Kontrollen geben, kündigte Landrat Frank Vogel an. Zwar seien religiöse Gemeinschaften und Kirchgemeinden nach derzeitigen Erkenntnissen keine Schwerpunkte bei den Infektionen, aber auch dort seien Kontrollen möglich.

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