Landwirtschaft sorgt sich um Nachwuchs

Auch die grüne Branche spürt den demografischen Wandel. Das ist bei einem eigentlich freudigen Anlass in Schönbrunn deutlich geworden.

Schönbrunn/Brünlos.

28 junge Frauen und Männer aus Landwirtschaftsbetrieben des Erzgebirgskreises sind nach ihrer dreijährigen Ausbildung freigesprochen worden. Im Ambrossgut in Schönbrunn haben sie ihre Facharbeiterzeugnisse entgegengenommen. Gelernt haben sie Land- und Tierwirt, Fachkraft für Agrarservice oder auch Landwirtschaftswerker. Die besten Absolventen waren Henry Seerig vom Landwirtschaftsbetrieb Fritzsch aus Marienberg, Lea Klemm vom Olbernhauer Landwirtschaftsbetrieb und Susann Morgenstern von der Bauernland Agrar AG Großolbersdorf.

"Es wurden 16 Landwirte geprüft, von denen 15 bestanden haben. Von zehn geprüften Tierwirten haben acht die Prüfung erfolgreich abgeschlossen, ebenfalls eine Fachkraft Agrarservice und vier Landwirtschaftswerker", sagte Steffen Reuter, Bildungsberater des Erzgebirgskreises für die Landwirtschaft.

Gut ausgebildete Nachwuchskräfte seien wichtig für die Landwirtschaft, betonte Mirko Mauersberger vom Regionalverband. Statistisch gesehen würden in den nächsten zehn Jahren sachsenweit jährlich etwa 500 Frauen und Männer altersbedingt in der Landwirtschaft aufhören, während nur je 350 Nachwuchskräfte nachrücken.

Ein großes Problem seien die Verdienstmöglichkeiten. "Gut ausgebildete Leute zieht es deshalb oft aus der Landwirtschaft weg in andere Branchen, beispielsweise in die Metallindustrie", so Mauersberger. Zwar würden hin und wieder Quereinsteiger aus anderen Berufen in die Landwirtschaft wechseln, dies sei aber eher die Ausnahme. Um junge Menschen für die sogenannten grünen Berufe zu begeistern seien modern ausgestattete Betriebe im Vorteil. Durch den Einsatz von hochmodernen Erntemaschinen, die per Bordcomputer oder GPS gesteuert werden oder von Melkrobotern, die die Milchgewinnung vereinfachten, wären mehr Jugendliche bereit, diesen Beruf zu erlernen.

Die Zahlen der Lehrlinge im landwirtschaftlichen Bereich waren in den vergangenen Jahren einigermaßen stabil. "Im nächsten Jahr haben wir aber ein Tief. Aktuell gibt es 20 Lehrlinge im dritten Lehrjahr. Das ist der niedrigste Stand, den wir je hatten", sagte Steffen Reuter. Im zweiten Ausbildungsjahr befinden sich 31 Lehrlinge. 36 junge Menschen haben mit einer Lehre angefangen. "Trotz dieser Steigerung decken die Lehrlinge mit bestandener Prüfung nur ein Drittel des Bedarfs an neuen Arbeitskräften in der Landwirtschaft", bedauert Reuter.

Neben den drei Jahrgangsbesten wurden zur Feierstunde auch drei hervorragende Ausbildungsbetriebe geehrt. Die Agrargenossenschaft Dorfchemnitz, die Bauernland Agrar AG aus Großolbersdorf und die Zwönitzer Agrargenossenschaft stechen besonders durch ihr Engagement in der Lehrausbildung hervor.


Traktorfahren weckte Liebe zur Landwirtschaft

Anton Georgi aus Brünlos gehört zu denen, die ihre Ausbildung zum Landwirt erfolgreich abgeschlossen haben. "Ich habe schon mit 13 Jahren angefangen, mit dem Traktor Silo auf dem Betriebsgelände festzufahren", berichtet der 18-Jährige. Durch das Traktorfahren sei auch seine Liebe zur Landwirtschaft geweckt worden.

Der junge Mann hat seine Ausbildung im Landwirtschaftsbetrieb Windisch in Brünlos absolviert, wo er nach seinem Berufsabschluss bleiben kann. Geregelte Arbeitszeiten sowie freie Wochenenden oder Urlaub seien kein Problem, da in dem Landwirtschaftsbetrieb mit neuer Technik und modernen Maschinen gearbeitet wird. "Wir haben beispielsweise einen Melkroboter mit Laser", sagt Georgi. Dadurch müsse man nicht mehr um 5 Uhr morgens am Melkstand stehen. "Ich arbeite in der Regel von 7 bis 16 oder 17 Uhr. In der Erntezeit geht es aber auch schon mal bis Mitternacht". (cdo)

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