Letzter Schliff für Sommernachtstraum

Bei einem zweitägigen Probenlager haben sie Mimen des Amateurtheaters Thea(l)ternativ ihr neues Stück am Aufführungsort geprobt. Für Simon Hollenbach war das eine besondere Herausforderung.

Stollberg.

In knapp drei Wochen hat das neue Stück des Amateurtheaters Thea(l)ternativ seine Premiere. Beim Probenlager am Wochenende sollte es deshalb vor allem um Details gehen. Von wo kommen die Darsteller auf die Bühne? Wann genau beträufelt der Elf Puck (Tina Zeidler) den Demetrius (Christian Schreier) mit dem Saft des Ackerveilchens, um ihn in Liebesraserei zu versetzen? Wie viel Bühnennebel wird für die verwunschene Stimmung im Zauberwald benötigt?

Wenn die Proben so weit vorangeschritten sind, sollte keiner der 23 Darsteller mehr mit Textbuch auf der Bühne stehen. Einzig Simon Hollenbach ging hinter der Bühne noch eifrig seinen Text durch, während seine Mitspieler vorn schon am Durchlauf feilten. Denn der 29-Jährige hat sich erst vor drei Wochen für die Zweitbesetzung für den Theseus, Herzog von Athen, verpflichten lassen.

Doppelbesetzungen sind nicht so außergewöhnlich. "Wir machen das, wenn es mehr interessierte Darsteller als Rollen gibt. Oder manchmal bei Schichtarbeitern oder bei bestimmten Berufen", erklärt Regisseurin Silke Hollenbach. Deren Sohn Simon hat früher schon bei den Theas gespielt. So stand er bei "Der Biberpelz" und "Pension Schöller" auf der Bühne. Danach war Schluss, denn der Mime hat zuletzt fünf Jahre als IT-Administrator in Trier gearbeitet. Erst zu Ostern dieses Jahres ist er in die Heimat zurückgekehrt. Zu spät für eine Rolle im Sommernachtstraum, die waren bereits vergeben. Trotzdem ist er wieder beim Stollberger Theater eingestiegen, als Techniker. Die Technik hat in dieser Spielsaison nämlich viel zu tun: Es sind umfangreiche Lichteffekte geplant, es gibt etliche Musikeinspielungen, Schwarzlicht und Bühnennebel. Genug Arbeit also. Doch als vor drei Wochen die Anfrage kam, ob er neben Denny Utzmann als Zweitbesetzung für den Theseus bereitsteht, konnte Simon Hollenbach nicht widerstehen: "Ich freue mich, dass ich noch reingerutscht bin. Es fühlt sich super an. Es ist aber auch gut, dass ich nicht zwingend jeden Auftritt bestreiten muss. Es ist lange her, dass ich zuletzt gespielt habe."

Insgesamt gibt es drei Doppelbesetzungen: Die Rolle des Schreiners Schnock teilen sich Ines Rau und Gabi Lengsfeld. Wenn Ralf Müller in der Rolle des Kesselflickers Schnauz ausfällt, kann Ines Rau einspringen. Auffallend: Gleich zwei Mal muss sich Ines Rau eine Rolle teilen. Das hat allerdings nichts mit ihrem Stand im Ensemble zu tun, sondern mit ihrem Beruf: Als Rettungssanitäterin kann sie einfach nicht für jeden Auftritt frei nehmen. Außerdem sind einige Darsteller in verschiedenen Rollen zu erleben. So ist Anett Oesterreich als Elfe Senfsamen zu sehen, sie mimt aber auch die Regisseurin einer Laienspielgruppe, die es in dieser Form im Original von Shakespeare nicht gibt: Kay Haberkorn hatte den Text vor 18 Jahren für die damalige Inszenierung durch Thea(l)ternativ umgeschrieben.

Nun kommt er noch einmal auf die Bühne. Am Wochenende hat das ganze Ensemble mitgezogen. Bis zum abschließenden Komplettdurchlauf der Shakespeare-Komödie hatten die Mitwirkenden vor und hinter der Bühne fast 20 Stunden Probenarbeit in den Knochen. Und Simon Hollenbach? Der hat seinen Text inzwischen auch fast drauf.

Für die ersten Aufführungen des Sommernachtstraums am 17./18. November im Bürgergarten Stollberg sind nur noch Restkarten erhältlich. Weitere Aufführungen gibt es an selber Stelle am 2. Februar und 16. März 2019, jeweils 19.30 Uhr und am 17. März, um 15 Uhr. Tickets sind erhältlich im Buch + Kunst Laden auf der Herrenstraße und in der Lindenklause Mitteldorf.

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