Lugauer Kreuzkirche wird einer Schönheitskur unterzogen

Rund 300.000 Euro sollen in den nächsten Monaten in die Fassade des Gotteshauses investiert werden. Die Zeit drängt, denn Mitte 2017 steht ein Gedenktag an, der würdig begangen werden soll.

Lugau.

Von außen ist die Kreuzkirche in Niederlugau derzeit kein Hingucker: Es gibt keinen einheitlichen Putz, die Sandsteinsäulen am Portal sind von Witterungseinflüssen zerfressen, einst schöne Details komplett verschwunden oder nur noch rudimentär vorhanden. Das soll sich jetzt gründlich ändern. Putz und Fenster sollen erneuert, Natursteinelemente gereinigt, restauriert oder ersetzt und die Außentüren überholt werden. Die Kosten dafür sind auf deutlich mehr als 300.000 Euro veranschlagt. Jeweils 150.000 Euro stellen der Bund und der Freistaat Sachsen zur Verfügung. Obendrauf kommen Mittel der sächsischen Landeskirche und der Stadt Lugau. Zudem muss auch die Kreuzkirchgemeinde einen beachtlichen Teil weiterer Kosten stemmen.

Bei der Planung für die Erneuerung sind Kompromisse unumgänglich, denn es gibt nicht den einen, originalen Zustand der Kirche. So erklärt Wolfgang Frech, der sich intensiv mit der Geschichte des Bauwerkes beschäftigt hat: "Es geht hier nicht um absolute Originalität, sondern um den Gesamtkontext. Jede Bauphase hat an unserer Kirche ihren Beitrag geleistet." An den verschiedenen Außenputzen der Kreuzkirche ist die Historie teils noch sichtbar: Die 1843 erbaute Kirche wurde bereits 1883 um den östlichen Teil erweitert. 1906 wurden Vorhalle beziehungsweise Portal und zwei seitliche Treppentürme angebaut. 1953/54 schließlich wurde das Hauptgebäude mit einem groben Putz versehen, bei dem die vorherige Gliederung mit ausgearbeiteten Ecken, Putzsimsen und Traufe verschwand. Diese Details sollen nun nach dem Vorbild alter Fotos wieder hergestellt werden.

Die aus den verschiedenen Bauphasen noch erhaltenen originalen Bleiglasfenster bleiben erhalten. Statt der bisherigen Einfachverglasung ist jedoch eine Doppelverglasung vorgesehen, die für bessere Wärmedämmung und den Schutz der historischen Substanz sorgen soll.

Erhalten bleiben sollen auch einige originale, wertvolle Details. So gibt es am südlichen Treppenturm ein historisches Geländer, welches aufgearbeitet werden soll. Aber nicht überall ist die Entscheidung so einfach. So bereitet der Vorsitzenden des Kirchenvorstands, Sabine Bahner, das Geländer am Hauptportal Kopfzerbrechen: "Man kommt auch bei komplett geöffneter Tür nicht zum Geländer." Für ältere oder behinderte Menschen wurde deshalb mittig auf der Treppe bereits ein herausnehmbares Edelstahlgeländer gebaut. Die Ansicht ist damit verschandelt, eine Lösung noch nicht gefunden. Doch die Zeit drängt. Bis zum 1. Juli 2017 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, denn an diesem Tag jährt sich das Grubenunglück auf der "Neuen Fundgrube" zum 150. Mal. An der Kreuzkirche soll der 101 Toten in würdigem Rahmen gedacht werden, denn hier wurden sie beigesetzt und hier erinnert ein Obelisk an die tragischen Ereignisse.

Speziell wegen dieses Jubiläums initiiert die Kirche auch eine Spendenaktion: Mit dem so zusätzlich eingenommenen Geld soll das Außengelände auf Vordermann gebracht werden. "Je mehr wir zusammenbekommen, umso mehr können wir machen. Ein Betrag von 10.000 Euro wäre schon gut", sagt Sabine Bahner. Damit könnte der Wildwuchs zurückgeschnitten und ein parkähnlicher Charakter geschaffen werden, sodass auch der derzeit von dichtem Grün umgebene Obelisk wieder zur Geltung kommt.

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