Männerchor feiert mit frisch gebackenem Bergliedermeister

Kurz vor seinem 130-jährigen Chorjubiläum ist dem Neuwürschnitzer Männergesangsverein Sachsentreue eine Ehre zuteil geworden: Sein Chorleiter hat einen besonderen Titel erhalten.

Oelsnitz.

Das Repertoire des Männerchores Sachsentreue kann mit Fug und Recht als vielseitig beschrieben werden. Deutsche und internationale Volkslieder werden ebenso gesungen, wie erzgebirgische Weisen, Trinklieder und geistliche Titel. In jüngerer Vergangenheit jedoch hat eine musikalische Richtung besonderes Gewicht erhalten: Seit der Chor 2015 in den Sächsischen Landesverband der Bergmanns- Hütten- und Knappenvereine eingetreten ist, pflegt er noch bewusster als vorher die klassischen Bergmannslieder. Mit durchschlagendem Erfolg: Vor wenigen Wochen ist Chorleiter Harald Strietzel vom Landesverband zum Bergliedermeister ernannt worden. Das ist nicht nur für den 82-Jährigen eine Ehre. "Das ist auch für uns als Chor eine Auszeichnung, wenn vor uns ein Dirigent steht, der diesen Titel trägt", bekennt Wolfgang Arnold, der zweiter Vereinsvorsitzender ist.

Für Harald Strietzel ist es der verdiente Erfolg einer langen Chorkarriere. 1963 hatte er als Sänger bei der Sachsentreue angefangen, zwischen 1980 und 2004 war er zweiter Vereinschef. Ebenfalls seit 1980 hat er als stellvertretender Liedermeister gewirkt, ist immer wieder ersatzweise als Chorleiter eingesprungen. Für den musikalischen Autodidakten war das eine Herausforderung. Als offizieller Chorleiter begann er 2001. Damals hatte Strietzel den gemischten Niederwürschnitzer Volkschor Glück Auf übernommen, dessen Leiter er bis heute ist. Bei der Sachsentreue übernahm Strietzel den Dirigentenstab schließlich 2014. Sein Engagement ist umso höher einzuschätzen, als die Zeiten für Chöre schwierig sind. Die 28 aktiven Sänger der Sachsentreue sind zwischen 56 und 87 Jahre alt. Nachwuchs ist kaum zu begeistern. Wolfgang Arnold, der seit 1984 bei der Sachsentreue singt, erinnert sich: "In den 1980er Jahren konnten wir stimmlich aus dem Vollen schöpfen. Inzwischen müssen wir manchmal sogar überlegen, ob wir einen Auftritt stemmen können." Doch die lange Chortradition verpflichtet.

Gegründet wurde der Männergesangsverein Sachsentreue 1888 von 17 Sängern aus der Sängerabteilung des Kreuz-Bruder-Vereins. 1913 gab es bereits 60 aktive Sänger. Nachdem der Verein 1933 zwangsweise aufgelöst worden war, wurde er im Frühsommer 1945 wiederbelebt, ein halbes Jahr später gab es schon das erste öffentliche Konzert. In den nächsten Jahren führten Auftritte den Chor nach Wernigerode, in den Spreewald und nach Kärnten. Zu den prägenden Chorleitern gehörten Martin Baumann (bis 1969) und Günter Brautzsch (1970 bis 1998).

Trotz wechselvoller Zeiten gibt es bis heute eine Konstante: Wie schon die ersten Singstunden im Jahr 1888 wird in der Neuwürschnitzer Landgaststätte Viehweger geprobt. Neue Sänger sind dazu immer montags 19 Uhr gern gesehen. Aber wirklich nur Männer. Zwar gab es zu DDR-Zeiten wegen Sängermangels schon einmal das Bestreben, den Chor zu einem gemischten Ensemble umzugestalten, doch diesen Weg will man nicht wieder gehen. Wolfgang Arnold: "Wir sind stolz darauf, der einzige singfähige Männerchor der Region zu sein." Um auch jüngere Leuten zu begeistern, geht die Sachsentreue andere Wege. Harald Strietzel: "Wir verehren das alte deutsche Liedgut. Aber mit neueren Titeln wollen wir dem Chor auch ein modernes Gesicht geben."

Das Festkonzert zum Jubiläum findet am 16. September, ab 15 Uhr in der Lutherkirche Neuwiese statt.

www.mgv-sachsentreue.de

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