Marie gibt nur noch hobbymäßig Vollgas

Rennfahrerin Marie Mende aus Gersdorf hat den Motorradhelm nicht ganz an den Nagel gehängt, aber die Prioritäten neu gesetzt. Sie studiert an der Westsächsischen Hochschule in Zwickau Maschinenbau.

Gersdorf.

Von Kindheit an hat sich Marie Mende gern im sportlichen Wettstreit mit Jungs gemessen. Inzwischen ist sie auch im Berufsleben in eine Männerdomäne eingestiegen.

Ganz kann und will die 21-jährige Rennsportlerin vom Motorradfahren nicht lassen. Bei einem der wenigen möglichen Rennen in diesem Jahr sattelte Marie Mende zwar mal wieder ihre knapp 50 PS starke 250er-Honda-Rennmaschine, doch inzwischen spielt der Motorsport bei ihr eine eher untergeordnete Rolle. Das hielt die 21-jährige Gersdorferin allerdings nicht davon ab, vor ein paar Tagen auf dem Lausitzring mal wieder in ihre Rennkombi zu steigen. Im sogenannten Honda Talent Cup mischte sie nicht nur mit, sondern bügelte als jeweils Dritte der beiden Rennen ein paar Knaben, denen in diesem Sport noch Großes vorschwebt, ordentlich platt. "Mich hat es einfach mal wieder gereizt zu fahren. Andere oder mehrere Wochenenden haben sich bei mir in diesem Jahr nicht angeboten", sagt sie. Dann juckte es wieder mal in der Gashand. Ihre starke Leistung aus der Kalten heraus kommentierte sie so: "Nun, man verlernt es ja nicht. Man braucht nur etwas Zeit, um wieder reinzukommen. Trotzdem will ich das nur noch ab und an hobbymäßig machen."

Früher jagte Marie Mende beim Fußball dem runden Leder hinterher - erst in Jungs-, später in Mädchen- beziehungsweise Damenmannschaften beim VfL 05 Hohenstein-Ernstthal. 2015 wich dies ihrer Liebe zum Motorradrennsport, auch dabei machte sie bald eine recht gute Figur.

Eine große Karriere erkennt sie inzwischen nicht mehr für sich, hat aber sehr wohl ziemlich konkrete Vorstellungen zu ihrem beruflichen Werdegang. Wenngleich sie es nach wie vor kann, hat sie inzwischen andere Prioritäten - natürlich ebenfalls in vermeintlichen Männerdomänen. Sie sieht sich selbst als Praktikerin. Ein Bürojob käme für sie nicht infrage. Auch wenn es inzwischen keine Seltenheit mehr ist, ein typischer Frauenberuf ist Zerspanungsmechaniker auch nicht. Doch Marie Mende ist nicht eine von vielen. Normalerweise dauert diese Lehre dreieinhalb Jahre. Doch wegen ihrer sehr guten Leistungen wurde sie Ende Juli ein halbes Jahr früher zur Abschlussprüfung zugelassen. Mit 94 von 100 möglichen Punkten bestand sie diese mit Bravour. Jetzt könnte es für sie eigentlich ans Geld verdienen gehen. Doch die junge Frau hat ihre Ziele höher gesteckt. Der vorzeitige Abschluss der Lehre hat ihr ermöglicht, dass sie am 1. Oktober ihr Maschinenbaustudium an der Westsächsischen Hochschule Zwickau beginnen konnte. Ansonsten hätte sie den Winter über warten und den Leerlauf überbrücken müssen. So kann sie gleich in die höheren Gänge schalten.

Ihr Vater hatte ihr zu der Lehre vor dem Studium geraten. Er selbst führte einst eine große Metallfirma in Stollberg. "Wenn man erst eine praktische Lehre macht und danach studiert, bringt man zum Studium eine ganz andere Fachkompetenz mit", sagt die angehende Diplom-Ingenieurin mit Hang zur Konstruktion.


Sportlicher Werdegang

Die sportliche Karriere von Marie Mende begann beim VfL 05 Hohenstein-Ernstthal. Dort spielte sie Fußball. Der Umstieg in den Motorsport brachte ihr 2015 den Start im ADAC Junior Cup, wo sie auf Anhieb in der Gesamtwertung Platz 12 von 25 Startern erreichte.

Dann der Umstieg auf eine richtige Rennmaschine, 48 PS starken 250-ccm-Viertakt-Moto3-Rennmaschine. Sie startete damit in dem aus der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft herausgelösten ADAC Northern Europe Cup Moto3. Der Moto3-Cup wurde allerdings wieder eingestellt.

Nach einem Sturz im Mai 2018 laborierte sie eine Weile an einem Schlüsselbeinbruch, der aber nicht operiert werden musste. Später startete sie im Honda Talent Cup im Rahmen der Alpe Adria International Motorcycle Championship, fuhr bei den ersten drei Doppelveranstaltungen dreimal aufs Podest. Bei ihrem einzigen Auftritt in diesem Jahr bei der Honda Talent Challenge auf dem Lausitzring belegte sie zweimal Rang drei. (th)

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