Mieter sind bei Hausverkauf als Erste am Drücker

Der Gemeinderat von Auerbach hat festgezurrt, wie die Wohnungsgesellschaft WGA ihre Grundstücke verkaufen soll. In der Folge bahnt sich allerdings ein Rechtsstreit an.

Auerbach.

Nach dem Willen des Gemeinderates sollen beim Verkauf von Wohngebäuden der Wohnungsgesellschaft Auerbach (WGA) zunächst mehrjährige Mieter zum Zug kommen können. Sie werden vom beabsichtigten Verkauf informiert, erfahren den Grundstückswert und einen Submissionstermin. Bei mehreren Geboten entscheidet ein Ranking, wer ein Vorkaufsrecht bekommt, allerdings muss derjenige sein Gebot auf das abgegebene Höchstgebot aufstocken. Beim Ranking spielen die Zahl der Kinder und vor allem Schwerbeschädigte in der Familie eine maßgebliche Rolle. Auf diese Verfahrensweise haben sich die Räte am Montagabend mehrheitlich - es gab eine Gegenstimme und eine Enthaltung - geeinigt.

Unmittelbar nach diesem Beschluss gab der Rat dem Verkauf der WGA-Objekte Burkhardtsdorfer Weg 14 sowie Mühlweg 7 sein Okay. Im Burkhardtsdorfer Weg 14 wohnt nur noch ein Mieter, im Mühlweg 7 gibt es zwei Mietparteien, außerdem nutzt der Bauhof hier Räume - ebenfalls auf Basis eines Mietvertrages. Dieser könne mit dem neuen Eigentümer fortgesetzt werden, sagte Fachbereichsleiter Jörg Spiller auf Nachfrage eines Rates. Der Verkauf sei nur komplett möglich, weil das Wohnhaus bautechnisch nicht vom Bauhof zu trennen ist.

Nach der Sitzung kündigte Sophie Höfer, die das Wohnhaus Burkhardtsdorfer Weg 14 gemeinsam ihrem Lebensgefährten Sven Maak kaufen und eine dort leerstehende Wohnung nutzen wollte, rechtliche Schritte an. Höfer und Maak hatten nach einer Ausschreibung im Frühjahr für das Haus das höchste Kaufgebot abgegeben, unmittelbar nach der Submission am 7. Mai beschloss der Rat dann auch, das Haus an den wirtschaftlichsten Bieter zu verkaufen. Später wurden aber alle im Zusammenhang mit dem Verkauf stehenden Beschlüsse wieder aufgehoben, weil im Zuge des Verfahrens Beschlüsse widerrechtlich nichtöffentlich gefasst worden waren. Außerdem hatte der Rat nach der Submission unzulässigerweise die Bedingungen für die Vergabe ändern wollen. Wenn der Verkauf nun entsprechend des jetzt beschlossenen Verfahrens realisiert wird, kämen Höfer und Maak gar nicht zum Zug. "Wir haben aber bereits viel Zeit und auch Geld in die Sache investiert", sagte Sophie Höfer. Darüber, dass der Gemeinde Schadenersatzansprüche drohen, hatte ihr Anwalt diese bereits informiert. Sie verstehe auch nicht, dass der Rat in Kauf nimmt, dass die WGA auf Einnahmen verzichtet. Denn durch das neue Verfahren ist kein höherer Kaufpreis als der Grundstückswert zu erwarten.

Der Verkauf ihrer insgesamt rund 40 Wohngebäude ist Bestandteil eines Konzepts zur strategischen Neuausrichtung der WGA, das der Rat beschlossen hat.

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