Mit Rückenschmerzen in die Klinik?

Im Stollberger Krankenhaus wird ein neues Bereitschafts-Modell praktiziert. Um die Notaufnahme zu entlasten, kümmern sich nieder- gelassene Ärzte um minder schwere Fälle. Was haben die Patienten davon?

Stollberg.

Der Elektriker, der Büroarbeiter, die Malermeisterin spüren ihn seit Tagen im Hintergrund: Rückenschmerz. Aber statt zum Hausarzt zu gehen, ackern sie weiter. Dann kommt das Wochenende. Der Stress lässt nach, der Schmerz nimmt zu. Doch jetzt ist ihre Stammpraxis geschlossen. Also fahren die Schmerzgeplagten ins Krankenhaus - und belasten die Notaufnahme, obwohl sie dort eigentlich nicht hingehören.

André Eichelkraut kennt das. "Das ist ein klassisches Beispiel", sagt der Chefarzt des Stollberger Kreiskrankenhauses. Um solche Fälle zu vermeiden, praktiziert die Einrichtung seit Oktober ein neues System: Eine Bereitschaftspraxis wurde eingerichtet. Am Wochenende und an Feier- sowie Brückentagen arbeiten dort niedergelassene Ärzte aus der Region, je einer im Wechsel. Sie kümmern sich um Patienten mit Rückenschmerzen oder anderen minder schweren Leiden - und entlasten so die Notaufnahme.

An einer gemeinsamen Rezeption wird anfangs entschieden, wer wo hin muss. Gebrochener Fuß? Ab in die Notaufnahme. Anzeichen auf Harnwegsinfektion? Ein Fall für die Bereitschaftspraxis. Laut Eichelkraut lassen sich dadurch Zeit, Geld und Ressourcen sparen. Für die niedergelassenen Ärzte ergibt sich der Vorteil, dass sie auf die Ausstattung der Klinik zugreifen können. Während sie sonst tagelang auf das Ergebnis eines Bluttests warten, liegen die Befunde nach kurzer Zeit vor. Und falls sich bei der Untersuchung herausstellt, dass der Patient doch in die Notaufnahme muss, lässt sich auch das schnell regeln.

Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) hat das neue Modell entwickelt, weil die Mediziner in der Region tendenziell weniger und älter werden. Zuvor hatten niedergelassene Ärzte den Bereitschaftsdienst abwechselnd in ihren Praxen angeboten. Patienten mussten sich informieren, wer wann wo zu Verfügung steht. Nun gibt es eine zentrale Anlaufstelle. Kliniken im Raum Annaberg und im Mittlerem Erzgebirge testen das System bereits seit über einem Jahr - mit guten Ergebnissen, wie die Leiter berichten.

Das Angebot werde auch in Stollberg gut angenommen, sagt Eichelkraut, ohne Zahlen zu nennen. Bislang dauert der Bereitschaftsdienst von 9 bis 13 Uhr, aber der Chefarzt würde ihn gern ausdehnen, ideal wäre von 9 bis 19 Uhr. In diesen Zeiten sei der Zustrom der Patienten erfahrungsgemäß am größten. Ob die Dienste in Zukunft erweitert werden, entscheidet die KVS. In größeren Städten wie Chemnitz sind die Bereitschaftspraxen auch an Wochentagen geöffnet. Ein Service, den Eichelkraut für die Region Stollberg ausschließt. "Die Personaldecke ist nicht so groß", sagt er.

Auch die niedergelassenen Kollegen sind laut Eichelkraut überzeugt vom neuen Modell. Petra Weilbach kann das bestätigen. Sie führt eine Hausarzt-Praxis in Gornsdorf und koordiniert nun zusätzlich die Bereitschaftspraxis am Stollberger Klinikum. Bevor das neue System etabliert wurde, seien die Hausärzte bei Bereitschaftsdiensten meist auf sich allein gestellt gewesen, ob bei Hausbesuchen oder in der Praxis. In der Klinik werden sie nun von einer Schwester unterstützt, die administrative Aufgaben übernimmt, beispielsweise Formulare ausfüllt. Und aus der Zusammenarbeit mit den Ärzten im Krankenhaus ergibt sich ein Nebeneffekt, den alle Beteiligten hervorheben: Die Mitarbeiter der Klinik und die niedergelassenen Kollgen lernen sich besser kennen. (mit svw/af)

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