Namenlose Helfer aus Holz brauchen eine Schönheits-Kur

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Auf Schatzsuche Die Erzgebirgsregion ist reich an Kulturgütern. Die einen sind öffentlich zu sehen, andere schlummern in Depots. Doch um viele Exponate ranken sich spannende Geschichten. Heute: Zwei geschnitzte Porträts von Sanitätern geben Rätsel auf.

Beierfeld.

Ein Trödler habe sie einst dem Chef vom Rot-Kreuz-Museum in Beierfeld "günstig überlassen". Das erzählt André Uebe über die Schnitzfiguren, die schon geraume Zeit im Fundes seines Museums schlummern. Zu den beiden Figuren gehört auch ein altes Foto, das genau jene beiden Rot-Kreuz-Helfer zeigt, die ein bislang unbekannter Schnitzer in Holz verewigt hatte.

"Wir gehen momentan davon aus, dass die beiden, von denen wir leider auch die Namen nicht wissen, zu ihrer Hochzeit diese, ihre geschnitzten Abbilder geschenkt bekamen", vermutet Uebe. Einziger Hinweis ist bislang der Stempel jenes Fotografen, der das Brautpaar verewigt hatte. Demnach entstand das Bild im Atelier von Paul Klaus, damals an der Reitbahnstraße in Chemnitz gelegen. Die Uniform gibt den Hinweis darauf, dass die Hochzeit um 1915 gewesen sein kann.

Die Beierfelder sind daran interessiert, dass die Figuren, deren Historie noch Rätsel aufgibt, fachmännisch restauriert werden. Denn genau das ist dringend nötig. "Der Zahn der Zeit hat seine Spuren hinterlassen. Die Figur der Krankenschwester durchzieht ein massiver Riss, der Fuß ist abgebrochen und der Sockel lose", beschreibt der Museumschef die Schäden an der Schnitzarbeit. Er habe diesbezüglich bereits einen Antrag auf Unterstützung bei der Landesstelle für Museumswesen gestellt und im Vorfeld mit einer Restauratorin gesprochen. Der Kostenvoranschlag hierfür belaufe sich auf gut 2000 Euro.

"Doch selbst wenn wir den beantragten Zuschuss für die Restaurierung bekommen, so benötigen wir dennoch 20 Prozent Eigenanteil", erklärt er. Und weil es durch den Lockdown bedingt derzeit keinerlei Einnahmen gibt, wollen die geschichtsinteressierten Beierfelder sogenannte Exponat-Paten finden. Heißt, wer mit seiner Spende eine solche Restaurierung ermöglicht, kann Exponat-Pate werden. Im Fall der Figuren belaufe sich der Eigenanteil auf etwa 400 Euro, schätzt Uebe, der mit seinen Mitstreitern derzeit voll in den Vorbereitungen für das 25-Jährige Bestehen des kleinen, aber ersten und bislang einzigen Rot-Kreuz-Museums in Sachsen ist. "Dieses Jubiläum wollen wir eigentlich am 1. Mai würdig begehen", sagt André Uebe. Da er aber selbst Krankenpfleger ist, weiß er, dass all diese Festvorbereitungen vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie derzeit noch mit etlichen Fragezeichen behaftet sind. "Ob dies alles so stattfinden kann, wie wir uns das wünschen, ist noch offen. Fakt ist aber, die Einladungen an die DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt und an Barbara Klepsch, Sachsens Staatsministerin für Kultur und Tourismus, sind raus."

Zu den Besonderheiten, die der Besucher im Rot-Kreuz-Museum bestaunen kann, gehören unter anderem etliche Suchdienstbücher des Roten Kreuzes, die nach dem Krieg geführt wurden und über die vermisste oder verschollene Personen gesucht wurden. Zudem werden in den Räumen unzählige Rettungsmittel sowie historische Krankenhaus- und Medizintechnik gezeigt.

Für die geplante Sonderschau zum 25. haben sich die Mitstreiter des Beierfelder DRK-Ortsvereins natürlich etwas Spezielles einfallen lassen. Diese sei zweigeteilt konzipiert: Zum einen wird der Werdegang des kleinen Museums dargestellt und ein Überblick über die Vielfalt der Exponate gegeben. Und zum anderen sollen 25 Exponate in den Mittelpunkt gerückt werden, die mit einer skurrilen oder ungewöhnlichen Geschichte verknüpft sind. "Da ist auch etwas zum Schmunzeln dabei", macht der Museumschef schon jetzt neugierig. Denn viele Ausstellungsstücke des Museums sind mit spannenden Geschichten verbunden, zum Teil aufgrund der Zeit, aus der sie stammen, oder auch den Umständen, wie sie ins Museum gelangt sind. "Es wird auf alle Fälle interessant", so Uebe.

Bezüglich der einen Geschichte, nämlich der des Hochzeitsfotos und der Figuren, hofft der Museumschef noch auf ein Happy End: "Vielleicht gibt es ja irgendwo jemanden, der etwas über diese beiden Rot-Kreuz-Helfer weiß, die offenbar in Chemnitz gelebt haben." Dahingehend sei er für jeden Hinweis dankbar.

Rot-Kreuz-Museum Beierfeld ist an der August-Bebel-Straße 73 zu finden; Ruf 03774 509333. Geöffnet ist dienstags und donnerstags von 9 bis 17.30 Uhr, mittwochs 9 bis 12 Uhr sowie jeden ersten Samstag im Monat 13 bis 17.30 Uhr. www.drk-beierfeld.de

Alle Beiträge der Seriefinden Sie unter: www.freiepresse.de/schatz

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