Neue Räte haben keine lange Schonfrist

5249 Wahlberechtigte können aus 21 Kandidaten den neuen Stadtrat wählen. Natürlich ist das Erzgebirgsbad eines der wichtigsten Themen. Doch auch andere Fragen werden gestellt - etwa die nach der Straßenausbaubeitragssatzung.

Thalheim.

Rolf Brückner könnte die Straßenausbaubeitragssatzung der Stadt Thalheim - die Kommune beteiligt Anwohner an den Kosten - egal sein. Der fast 70-Jährige hat sie schon bezahlt, als die Äußere Bergstraße saniert wurde. Vor Gericht aber holte er sich das Geld von der Stadt fast vollständig zurück. "Erst habe ich 5000 Euro entrichten müssen, aber die Stadt hat dann nach einem Vergleich 4000 Euro zurückerstattet", so Brückner.

Insgesamt seien etwa ein Dutzend Anwohner verschiedener Straßen wegen der Gebühr, die in der Region nur die Stadt Thalheim von den Bürgern fordert, vor Gericht gezogen. Brückner: "Das Thema sorgt immer wieder für Unmut in der Stadt. Der neue Stadtrat muss sich unbedingt damit befassen, denn die Regelung steht Thalheim nicht gut zu Gesicht." In Thüringen etwa würden diese sogar landesweit abgeschafft, argumentiert der Thalheimer.

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Auffällig: Was Brückner will, wollen nicht alle der angetretenen Kandidaten - oder es steht nicht ganz oben auf der Liste. Genannt werden vor allem folgende Themen: ein solider Haushalt etwa, mehr Ökologie, bessere Förderung der insgesamt 44 in der Stadt ansässigen Vereine, Investitionen in Schulen und Kita. Oder bessere Freizeitangebote für die Thalheimer - hier wird oft und vor allem das Erzgebirgsbad genannt.

Die viele Jahre geschlossene Einrichtung hat aus Sicht von Thalheims Bürgermeister Nico Dittmann eine sehr hohe Priorität, er will das drängende Thema aber in die Verantwortung des neuen Stadtrates geben. Dieser könne dann die wichtigen Entscheidungen treffen und das Projekt - wie es auch immer aussehen mag - die ganzen Jahre begleiten. "Die Rathausspitze hat schon mal kurz vor einer Wahl den alten Stadtrat noch Wichtiges zum Bad entscheiden lassen, was dann ungünstig verlaufen ist. Dies sollten wir diesmal besser machen", so Dittmann. Er spielt auf die Vergabe an, vor nunmehr zehn Jahren das Erzgebirgsbad an die Betreiberfirma Oewa zu geben - damals unter der Ägide von Dittmanns Vorgänger René Kühn. "Wir werden in Kürze dem neuen Rat eine Matrix vorlegen, welche Varianten für das Bad denkbar sind und was diese kosten", so Dittmann. Derzeit werde dies von einem Raumplanungsbüro erstellt.

Rudi Tauer wohnt an der Stadtbadstraße, er kann das Bad von seiner Wohnung aus sehen. Dass in der Nähe der Spielplatz errichtet wird, findet er gut. Aber auch aus seiner Sicht sei das Bad ein wichtiges Vorhaben in der Drei-Tannen-Stadt. "Da muss sich das Rathaus dringend etwas einfallen lassen. Sonst muss das Bad abgerissen werden. Aber der Abriss kostet ja auch viel Geld."

Da stellt sich die Frage: Wie steht Thalheim derzeit finanziell da - noch immer auf schwachen Füßen wie früher? Fakt ist: Die Stadt hat aufgeholt - die derzeitige Pro-Kopf-Verschuldung von 790 Euro kann sich sehen lassen, liegt grob im Landesdurchschnitt aller Kommunen. Im Jahr 2008 lag dieser Wert noch bei etwa 1300 Euro - vor zwei Jahren bei 860 Euro. Das aufgenommene Kreditvolumen steht bei etwa 4,8 Millionen Euro.

Auch weil die Stadt besser aufgestellt sei, würden viele andere Projekte, so Bürgermeister Dittmann, mit Hilfe des noch amtierenden Stadtrates bereits anlaufen oder stünden vor dem Abschluss. Ob Hochwasserschutz oder Straßenbau, der Kita-Hortanbau, die Ertüchtigung der Schulen. Fragen an den neuen Stadtrat seien unter anderen auch die: Wie geht es weiter mit dem ehemaligen Berufsschulzentrum, wie geht es weiter mit neuen Gebieten für Wohnraum?

Und was sagen die beiden Thalheimer Bürger noch? Während Rudi Tauer meint, dass der Stadt noch mehr Veranstaltungen gut tun würden, sagt Rolf Brückner: "Beim Einkaufen in der Innenstadt geht der Trend nach unten." Er selbst würde bald 70, könne noch gut laufen. Aber andere seien schlechter zu Fuß. Doch gerade Waren des täglichen Bedarfs seien im Stadtzentrum nicht zu finden. Da nütze es nichts, wenn die großen Einkaufsmärkte nahe der Ortsausgangsschilder seien.

Sicher ist: Beide Männer werden wählen gehen. Brückner, weil er es immer macht. Tauer sagt, weil er mal wieder die Veranlassung sieht.


Das wollen die Parteien und Wählervereinigungen in Thalheim erreichen

Christlich Demokratische Union: Unser Anliegen ist es, gemeinsam mit unseren Thalheimern Politik für Thalheim zu machen. Wichtig ist uns, die finanzielle Lage der Stadt zu optimieren. Wir sehen eine der Hauptaufgaben der kommenden Jahre darin, eine sinnvolle und langfristige Lösung für die Nutzung des Badgeländes zu finden. Es ist uns bewusst, dass sich viele Thalheimer wieder ein Bad wünschen. Ebenso werden wir uns dafür einsetzen, die Infrastruktur zu verbessern. Eine Herzensangelegenheit ist auch die Fortsetzung der Sanierung unserer Schulen. Die Vereine und die Feuerwehr wollen wir weiterhin unterstützen. Weitere Aufgaben sehen wir in der Erhaltung traditioneller Feste und Förderung kultureller Veranstaltungen sowie den Erhalt und die Pflege der städtischen Grünanlagen.

Die Linke:

Erstens: Für alle Thalheimer: Unsere Stadt muss attraktiv und lebenswert für alle Altersgruppen sein. Dazu gehören neben der Vielfalt an Angeboten von Freizeit- & Sporteinrichtungen auch ein gut ausgebautes Netz an medizinischen und sozialen Einrichtungen. Zweitens: Für Mobilität: Ein sicheres Netz an Rad- & Fußwegen sowie ein guter öffentlicher Nahverkehr sind unerlässlich. Wir setzen uns für mehr verkehrsberuhigte und barrierefreie Bereiche entlang der Hauptverkehrsstraßen und an Geschäften ein. Drittens: Für Nachhaltigkeit: Jede Entscheidung in der Stadt sollte unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit betrachtet werden. Ob Hochwasserschutz oder Fassadenbegrünungen - Entscheidung sollten so getroffen werden, dass der Klimaschutz bedacht ist.

Alternative für Deutschland:

Wichtigstes Ziel ist die Belebung der Innenstadt, wie es sich die Bürger seit Jahren wieder wünschen. Zusammen mit den Laden- bzw. Immobilieninhabern bedarf es einer Erschließung von Möglichkeiten, um Leerstehendes für Händler, Lokalitäten oder Dienstleister attraktiv zu gestalten, damit die Thalheimer nicht länger an leeren Schaufenstern vorübergehen.

Daher braucht es ein plausibles Verkehrskonzept zur bestmöglichen Entschleunigung sowie Entlastung der Innenstadt, aber auch zur besseren und für Busse einfacheren Anfahrt der Schulstandorte. Eine neuerliche und zeitnahe Anbindung des öffentlichen Verkehrs Richtung Aue ist unabdingbar. Ebenso die Belebung Thalheims als Touristenmagnet des Zwönitztals, einerseits durch Vorhandenes, wie unsere Rentnersruh oder beliebte Wanderziele. Andererseits durch neue Überlegungen und Ideen für familiär gelenkte Ereignisse.

Wir nehmen die städtischen Kommunalabgaben in den Fokus - etwa die dauerhafte Abschaffung der Straßenanliegerbeiträge, welche sich erübrigen, je besser die Stadt finanziell dasteht. Im Hinblick auf die Reform der Grundsteuer muss Augenmaß bei den Hebesätzen einziehen.

Freie Wähler Union Thalheim:

Folgende Prioritäten stehen oben auf der Liste: Umgestaltung des Badgeländes zu einem Naherholungsgebiet für die Bevölkerung sowie - nach Möglichkeit - eine Fuß- und Radverbindung vom Ortsausgang Richtung Eisenweg/Tabakstanne zu schaffen. Zudem soll es eine zentrale Rolle spielen, die Straßenausbaubeiträge darzustellen, um diese zu senken oder gar ganz auszusetzen. Weiter Punkte: Die Sanierung der Kindertagesstätten und der Schulen

voranzutreiben, um für alle Kinder gute Bedingungen zu schaffen. Die Vereine zu unterstützen, um der Bevölkerung weiter so ein reichhaltiges Angebot an sportlichen und kulturellen Veranstaltungen zu bieten - sowie den Kindern eine Freizeitmöglichkeit zu schaffen.


Die Kandidaten

Christlich Demokratische Union:

Johanna Stampfer (Lehrerin, Jahrgang1993), Christian Claus (Bankfachwirt, 1990), Julia Nebel (Lehrerin, 1990), Bolko Vogel (Teilezurichter, 1961), Bernd Zückmantel (Möbelmonteur, 1960), René Gruner (Selbstständig, 1974), Thomas Harte (Polizeibeamter, 1967)

Freie Wählerunion e.V. Thalheim - FWU:

Steven Oesen (Justizfachwirt, 1980), Gerd Kinder (Instandhaltungs-Ingenieur, 1954), Martin Glaske (Selbstständiger Monteur,1980), Ronny Braun (Selbstständiger Monteur, 1976), Sascha Georgi (Webredakteur, 1980), Sebastian Löper (Kaufmännischer Angestellter, 1978), Mirko Herpich (Selbstständig, 1971), Maik Nobis (Maler- und Lackierer-Meister, 1975), Sabine Brosch (Selbstständig, 1971)

Die Linke:

Karoline Loth (Regionalkoordinatorin, 1991), Wolfgang Haehnel (Lehrer, 1953), Frank Trippel (Ausbilder, 1977)

Alternative für Deutschland:

Sylvia Vodel (Trauerrednerin, 1963), Torsten Gahler (Beamter, 1973)

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