Neue Suche nach Schatz vom Poppenwald

Nach Jahren des Stillstandes gibt es jetzt wieder Arbeiten im Gelände. Nach einem ersten Einsatz im Herbst sind für dieses Jahr weitere Aktionen geplant. Nicht immer an den richtigen Plätzen, wie Akteure früherer Kampagnen glauben.

Wildbach.

Stellt man sich die Schatzsuche im Poppenwald als Checkliste vor, so sind da jetzt einige neue Häkchen hinzugekommen. Erddepots, die ein Zeitzeuge im April des Jahres 1945 gesehen haben will: Check, Check, Check, Check, Check. Fünfmal Check. Aber es waren fünf rote Häkchen, die der Grabungsleiter der Wissenschaftlichen Arbeitsgruppe Poppenwald, Norbert Conrad, im zurückliegenden Herbst setzen musste. Fünf Mal nichts. "Nur heiße Luft, schade um die Zeit", sagte Conrad nach dem Einsatz.

Die Arbeitsgruppe unter dem Dach der Gemeinde Bad Schlema - jetzt der Stadt Aue-Bad Schlema - ist angetreten, um die ungeklärten Rätsel des Waldes bei Wildbach zu untersuchen. Seitdem Ende der 1990er- Jahre der Bernsteinzimmer-Detektiv Dietmar Reimann († 2011) hier Bagger und Bohrer aufgefahren hatte, wird im Poppenwald ein Kunstgutversteck aus dem Zweiten Weltkrieg vermutet. Die Arbeitsgruppe hat einen Vertrag mit der Nikolaikirchgemeinde Zwickau geschlossen, die Eigentümerin des Waldes ist. Nachdem sich die Verhandlungen über rund fünf Jahre hingezogen hatten und dann oftmals Sponsorengelder fehlten, ist jetzt wieder Bewegung in die Schatzsuche gekommen.

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Jetzt wurde eine weitere Theorie untersucht. Auf einem Luftbild, aufgenommen von einem alliierten Aufklärungsflugzeug im April 1945, ist am Fuße des Poppenwaldes ein ominöses Gebäude zu sehen. Zwei Monate später war dieses eingeebnet worden. Heutige Luftaufnahmen zeigen einen kahlen Streifen in der Belaubung des Hanges. Gleichzeitig sackte die Straße (K 9115) an der Stelle mehrfach ab. Grund, das Gelände in Augenschein zu nehmen, fand Frank Thiele, ein Forscher, der sich seit Jahren mit dem Poppenwald befasst. Unterstützt von den Wasserwerken Westerzgebirge, auf deren Grundstück die verdächtige Stelle liegt, und der Baufirma FSL aus Schwarzenberg, bekam er nun Gelegenheit, der Sache nachzugehen. Der dabei gezogene Suchgraben offenbarte mehrere übereinander geschüttete Erdschichten und in einer Tiefe von zwei Metern Trümmerteile, die Reste des fraglichen Gebäudes sein könnten. Der Bodenkundler Willi Eckert aus Chemnitz vermochte aber keinerlei Hinweise auf einen in Richtung Poppenwald abgehenden Gang zu entdecken. Eine weitere verdächtige Stelle, an der 1945 Stromleitungen in einem Schuppen verschwanden, muss noch untersucht werden. "So lange wir nichts finden, ist alles nur Fantasie", so Thiele.

Die Poppenwald-Arbeitsgruppe hat für dieses Jahr ebenfalls mehrere Arbeitseinsätze geplant. Dazu gehört die Untersuchung eines Geländeeinschnitts am Stollenweg im unteren Teil des Waldes. Das Areal ist mit Schutt bedeckt, unter dem seit langem ein Stolleneingang vermutet wird. Um mit einem Bagger heranzukommen, muss dieser durch die Zwickauer Mulde fahren. Die Genehmigung der Unteren Wasserbehörde dafür liege vor, sagte Arbeitsgruppenleiter Jens Müller.

An einer für schwere Technik unzugänglichen Stelle am Muldehang soll ein Schreitbagger zum Einsatz kommen, um eine künstliche Geröllaufschüttung zu untersuchen, die Bodenkundler Eckert als auffällig eingestuft hat. Eine Firma hat den wie auf Stelzen laufenden Bagger zum Freundschaftspreis angeboten, momentan fehlen der Arbeitsgruppe aber noch rund 1000 Euro, um den Einsatz zu finanzieren.

Mit diesen beiden Vorhaben wird die Suche in den unteren Teil des Poppenwaldes verlagert, den Bernstein-Detektiv Reimann stets gemieden hatte, wofür er kritisiert wurde. Aber auch an den Vorhaben der heutigen Schatzsucher wird Kritik laut.

So gilt das Gebiet um den von Reimann favorisierten Felsen bei der Arbeitsgruppe als nicht mehr aussichtsreich. Frühere Reimann-Mitstreiter verweisen darauf, dass es dort noch nicht untersuchte Stellen gibt. Alexander Burkel aus Stuttgart glaubt, auf den alliierten Aufklärungsfotos vom April 1945 eine Stelle zu erkennen, an der sich mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Mundloch befunden hat, vor der eine ebenfalls auf den Bildern zu sehende Kiste lag. "Dort muss endlich mal nachgeschaut werden", sagt er.

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