Performance bringt Oelsnitzer ins Heinrich-Hartmann-Haus

Zwei Künstler sind für ein Projekt in ihre Heimatstadt zurückgekehrt und bereiten derzeit eine ungewöhnliche Ausstellung in der Galerie vor. Dafür haben sie vor allem spontane Interviews mit Bürgern und Amtsträgern gesucht. Eine Aktion wäre fast aus dem Ruder gelaufen.

Oelsnitz.

Sind Sie in den letzten Wochen in Oelsnitz von zwei eigenartigen Typen angesprochen worden? Im Bürgerpark vielleicht? Oder vorm Supermarkt?

Wer diese Fragen mit "Ja" beantworten kann, könnte sich demnächst innerhalb der nächsten Ausstellung im Heinrich-Hartmann-Haus wiederfinden, denn die beiden Typen sind nicht von ungefähr eigenartig: Es sind Künstler, die mit ihren Touren durch Oelsnitz eine Darbietung - englisch Performance - vorbereiten. Diese ist innerhalb der nächsten Ausstellung im Heinrich-Hartmann-Haus zu sehen.


Unter dem Titel "Zueinander. Zeiterkundung_Landvermessung" zeigen ab 23. August Jo Siamon Salich, bürgerlich Jörg Sonntag, und Andreas S. Berndt ihre Arbeiten in der Galerie. Kennengelernt haben sich die Künstler 1988 in ihrer Wahlheimat Dresden. Der Journalist Berndt hatte damals einen Artikel über Sonntags Ausstellung "Goldige Zeiten" geschrieben. "Er war eine Entdeckung für mich. Seither sind wir uns immer wieder über den Weg gelaufen." Dabei stellten die beiden Männer auch fest, dass es eine Parallele in ihren Leben gab, denn beide sind in Oelsnitz aufgewachsen.

Das Elternhaus des 1955 als Jörg Sonntag geborenen Jo Siamon Salich steht auf dem Eichberg in Oberoelsnitz. Er hatte zunächst den inzwischen ausgestorbenen Beruf des Chemiegraphen gelernt und im Haus der Presse in Chemnitz gearbeitet, eher von 1979 bis 1983 Malerei und Grafik in Dresden studiert hat. Neben seiner Tätigkeit als freiberuflicher Mediengestalter arbeitet Sonntag inzwischen als Dozent in Berlin.

Der acht Jahre jüngere Andreas Berndt (das S. ist als Pseudonym dazugekommen) ist an der Hofjägergasse im Oelsnitzer Stadtzentrum groß geworden. "Mit 16 bin ich abgehauen, habe später in Dresden unter anderem als Journalist und Nachtportier gearbeitet." Inzwischen ist Berndt im Pressebüro der Landeshauptstadt angestellt.

Die Ausstellung in Oelsnitz ist das erste gemeinsame Kunstprojekt der beiden Künstler. Es wird eine zweigeteilte Ausstellung werden: Zum einen werden unter dem Titel "Schürfen auf Glück" ältere Werke gezeigt, oder wie es Sonntag flapsig ausdrückt: "Flachware". Zum zweiten gibt es eine Medieninstallation, die mit Performance-Aktionen verbunden wird. Für diesen zweiten Teil wollen sich Sonntag und Berndt ihrer einstigen Heimat auf künstlerische Weise nähern. Und das ist wohl auch nötig, denn Sonntag räumt ein: "Ich hatte durchaus Vorbehalte, in Oelsnitz auszustellen. Die ersten Interviews haben mich dann total runtergeholt."

Dabei nimmt er seine Wahlheimat keineswegs als maßgebliche Metropole der modernen Kunst wahr: "Dresden ist ein desillusioniertes Dorf." Sonntag dagegen steht für radikal Neues. In den letzten DDR-Jahren war für ihn die Karl-Marx-Städter Künstlergruppe Clara Mosch maßgeblich. Bis heute sieht er sich als experimentellen Künstler. Das verbindet ihn mit Berndt. Und so wollen beide mit ihrer gerade entstehenden Installation als Künstler zueinander aber auch zum Ort ihrer Kindheit und Jugend finden. Mit Aufnahmegeräten, 360- Grad-Videokamera und einer sogenannten VR-Brille (steht für virtuelle Realität) gehen sie auf Erkundungstour durch Oelsnitz. Sie haben Amtsträger verschiedener Einrichtungen getroffen, vor allem aber spontane Interviews mit Bürgern gesucht.

"Im Bürgerpark war nicht viel los, dafür waren viele Menschen vor den Supermärkten sehr aufgeschlossen." Eine Ausnahme bildete eine fast aus dem Ruder gelaufene Aktion vorm Leitermann. Berndt: "Ich wollte die Oelsnitzer herausfordern, bin dort als Bettler aufgetreten." Da wurde nicht nur geschimpft, sondern auch mit der Polizei gedroht. Inzwischen ist das meiste Material im Kasten. Vieles davon soll linear innerhalb einer Video- und Klanginstallation im Heinrich-Hartmann-Haus gezeigt werden. Zudem will Berndt das Material in Segmente teilen und neu sortiert in eine Performance einbauen. Man darf gespannt sein auf die Wirkung dieser modernen Kunst. Und darauf, wer innerhalb dieses Projektes in der Galerie zu sehen ist.

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