Sänger aus der Region nehmen Abschied von Kathrina Kucera

Sopran, Alt, Tenor, Bass: Sie liebte das gemeinsame Singen. Kathrina Kucera war als Chorleiterin so viele Jahrzehnte in Stollberg und Thalheim aktiv. Jetzt ist die engagierte Musikerin mit 85 Jahren gestorben. Uta Loth kennt sie schon vier Jahrzehnte.

Thalheim.

Und wenn der Kloß im Hals steckt, die Stimme versagt? "Dann ist es eben so. Dann wird sie schon mal ein Auge zudrücken, die Kathrina", schmunzelt Uta Loth mit einer Träne im Auge. "Sie hat ja immer von uns allen Qualität eingefordert: Bloß kein Wald- und Wiesenchor, war ihre Devise. Aber an diesem einen Tag wäre es kein Drama, wenn es nicht so klappt wie sonst." Uta Loth ist die Leiterin des Thalheimer Chors. "Ja, wir alle werden für Kathrina Kucera singen", sagt sie dann noch. Alle des Thalheimer Stadtchores, des Stollberger Volkschores, des Männergesangsvereins Neuwürschnitz, des Gymnasiumschores und sicher viele andere, die sich an dem Tag frei nehmen können. Alle. So gut es eben geht. Am Grab von Kathrina Kucera. Heute in einer Woche in Gornsdorf.

Kathrina Kucera ist mit 85 Jahren gestorben. Die Leute in der Region, die diese Frau nicht kennen, sind womöglich in der Unterzahl. Sie hat so viele Jahrzehnte das Singen in der Region gefördert und gefordert, organisiert, geleitet, darum gekämpft - und dies alles natürlich geliebt. Sie selbst machte das Abi an der Oberschule Stollberg, war Chorsängerin und Solistin im landesweit bekannten Oberschulchor unter Professor Hans Stange, dann folgte das Musiklehrerstudium an der Humboldt-Universität in Berlin. 1955 stellte sie als Leiterin der Thalheimer Schule einen Kinderchor auf die Beine, übernahm 1969 den Chor von Hans Stange in Stollberg und gründete 1990 den Thalheimer Chor. "Der damalige Bürgermeister Martin Vogler hat sie solange bekniet, bis sie zugesagt hat", erinnert sich Uta Loth.

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Was war passiert? Kurz nach der Wende wollte Thalheim das T(h)alheim-Treffen organisieren. Doch ohne eigene Kultur? Ein Chor musste her. Am besten mit Kathrina Kucera! Am 24. Oktober 1990 gründete sie mit 14 Sängerinnen und Sängern aus Thalheim und Gornsdorf den gemischten Thalheimer Volkschor. Die Leitung gab sie nach zwanzig Jahren ab - an Uta Loth. Diese sagt: Ohne ihre Vorgängerin seien die weiteren Erfolge des Chores undenkbar: 2. Platz beim MDR-Chorwettbewerb, gemeinsame Auftritte mit dem Ural-Kosakenchor, Kathy Kelly oder den Chambers aus Köln. "Ich habe zudem viel von ihr gelernt. Etwa, das auswendige Dirigieren, damit die Augen nicht auf dem Notenblatt liegen, sondern mit dem Chor kommunizieren."

Loth denkt gerne an 1975 zurück. 9. Klasse, Erweiterte Oberschule Stollberg. Sie singt erstmals als Jugendliche im Chor von Kathrina Kucera. "Wir sind alle freiwillig einen Bus früher zur Schule gefahren, weil wir bei ihren allmorgendlichen Chorproben vor dem Unterricht unbedingt dabei sein wollten", erzählt Uta Loth. Noch im selben Schuljahr ging es ins bulgarische Varna, als Chor. Zwei Tage Zugfahrt, Metallbetten im Klassenzimmer - aber vor allem: Viel Freude am Singen. Uta Loth: "Es war eine Ehre, schon mit 15 Jahren dabei sein zu dürfen."

In einer Woche wird es erneut eine Ehre sein, für Kathrina Kucera zu singen. Zum Abschied. Loth leise: "Wir haben noch kein festes Programm. Aber ich denke, wir tragen unter anderen das Dona Nobis Pacem vor." Dieser Kanon sei zwar etwas traurig, aber einfach zu singen. "Falls uns der Kloß im Hals steckt."


Kathrina Kucera sympathisch

Zur Chorprobe: "Wir üben jetzt das ,Ich liebe dich' vom Mittelteil abwärts."

Bekannt ist, dass Kathrina Kucera wahnsinnig gerne gestrickt hat. Uta Loth: "Sogar im Bus hat sie es getan."

Zur Chorprobe: "Diese Melodie ist sowas von einfach, aber schwer."

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