Schlecht sichtbare Hausnummern rauben Rettern wertvolle Zeit

Notärzte und Feuerwehrleute suchen häufig nach den richtigen Eingängen. Dabei gibt es in vielen Kommunen sogar konkrete Vorgaben. Ein Ordnungsamtschef plädiert nicht nur für eine gut sichtbare Hausnummer, sondern hat noch eine weitere Bitte, was das schnelle Erreichen des Einsatzortes betrifft.

Stollberg.

Wenn Rettungskräfte den Einsatzort nicht gleich finden, kann das für die Betroffenen lebensgefährlich werden. Gerade jetzt in der dunkleren Jahreszeit mahnt Notarzt Dr. Hubert Eßbach,der viele Jahre am Kreiskrankenhaus Stollberg tätig war und als Notarzt regelmäßig auch im Erzgebirge unterwegs ist, deshalb gut auffindbare Hausnummernschilder an. "Im Dunkeln irren wir mit Taschenlampen und Notlichtern durch die Gegend", schildert der Mediziner, was seinen Kollegen und ihm immer wieder wertvolle Zeit auf dem Weg zu Patienten raubt. Denn Hausnummern fehlen oder sind nur schwer zu erkennen, weil sie zu klein, unbeleuchtet oder verdeckt sind.

Das Problem kennt auch Boris Altrichter, Geschäftsführer des Rettungszweckverbandes Chemnitz-Erzgebirge. "Es ist so alt wie die Einführung der Hausnummern und wird von uns bei jeder sich bietenden Gelegenheit angesprochen", sagt er. Mitunter, besonders in ländlichen Gebieten, sei die Nummerierung der Häuser auch nicht geordnet, sondern mit der Bebauung gewachsen. Dort können Suchende nicht darauf vertrauen, dass sich alle geraden und ungeraden Hausnummern fortlaufend jeweils auf unterschiedlichen Straßenseiten befinden, erklärt er.

Um den Einsatzkräften nächtliches Suchen zu erleichtern, rüste der Rettungszweckverband Rettungswagen, Notarzteinsatzfahrzeuge und auch Krankentransportwagen mit speziellen, schwenkbaren Arbeitsscheinwerfern aus, die auch während langsamer Fahrt eingeschaltet bleiben dürfen. "Außerdem sind immer Handscheinwerfer und starke Taschenlampen an Bord", sagt Altrichter. Er vertraue auf die Fahrzeugbesatzungen, deren Ortskenntnis mit jedem Einsatz zunehme, und auf immer präziser arbeitende Navigationsgeräte, die Rettungskräfte auch dann zum richtigen Eingang führen, wenn die Hausnummer fehlt.

"Notfalls können unsere Disponenten die Fahrzeugbesatzungen mithilfe unserer detaillierten Karten per Telefon zum Einsatzort leiten", sagt Ulf Wilhelm, 1. Lagedienstführer in der Integrierten Regionalleitstelle der Berufsfeuerwehr Chemnitz. Von dort aus werden alle Einsätze der Feuerwehren, Rettungswagen und Notärzte in Chemnitz, dem Erzgebirgskreis und dem Landkreis Mittelsachsen veranlasst.

Notarzt Eßbach sieht vor allem die Kommunen in der Pflicht, für gut erkennbare Hausnummern zu sorgen. "Dafür muss es doch rechtliche Grundlagen geben, deren Einhaltung genauso durchgesetzt werden muss wie bei der Straßenverkehrsordnung oder anderen Bestimmungen", findet er. Und tatsächlich gibt es diese Rechtsgrundlage. Eigentümer sind laut Paragraf 126 Baugesetzbuch nämlich verpflichtet, ihre Grundstücke mit der Nummer zu versehen, die von der Kommune festgelegt wurde. Und in vielen Orten regelt zudem die Polizeiverordnung, wie die Hausnummern anzubringen sind. In Lugau besagt das Regelwerk beispielsweise, dass sie in einer Höhe von nicht mehr als drei Metern an der der Straße zugekehrten Seite des Hauses unmittelbar über oder neben dem Eingang oder, wenn sich dieser nicht an der Straßenseite befindet, an der dem Grundstückszugang nächst gelegenen Gebäudeecke anzubringen ist. Der Paragraf sei erst 2013 in die damals neu formulierte Polizeiverordnung aufgenommen worden, sagt Ordnungsamtsleiter Holger Möckel. Denn wenn man Eigentümer auf schlecht sichtbare Nummern aufmerksam gemacht habe, sei oft die Frage gekommen, wo das stehe.

In Marienberg, Annaberg-Buchholz,Zschopau, Oelsnitz, Burkhardtsdorf, Gornsdorf und Auerbach hat "Freie Presse" ebenfalls angefragt, auch dort regelt die Polizeiverordnung das "Wie" des Anbringens. Vor einigen Jahren habe es diesbezüglich einige wenige Hinweise von Rettungskräften gegeben, erklärt Jens Barnickel, Beigeordneter in Oelsnitz. Die Hausbesitzer hätten, daraufhin angesprochen, dann sehr rasch reagiert. Jörg Spiller, Fachbereichsleiter der Gemeinde Burkhardtsdorf, erklärt, dass es nach seiner Kenntnis bisher wegen fehlender Hausnummern noch keine Probleme gegeben habe. Auch in Marienberg ist im Rathaus nichts bekannt, dass Rettungskräfte ihre Einsatzstellen aufgrund fehlender oder nicht sichtbarer Hausnummer nicht gefunden haben. Allerdings werde das Vorhandensein auch kontrolliert und gegebenenfalls ein Anbringen gefordert. Auch in der Kreisstadt sind keine Probleme bekannt, man sei aber dankbar für Hinweise, "gern auch von betroffenen Rettungsdiensten", erklärt Stadtsprecher Matthias Förster. Niederdorf hat die Regeln zum Anbringen von Hausnummern erst 2017 in seine Polizeiverordnung aufgenommen. Anlass war, dass etwa ein Dutzend Hausbesitzer damals gar keine Nummer angebracht hatte.

Lugaus Ordnungsamtschef Möckel hat neben fehlenden Hausnummern noch ein anderes Problem ausgemacht. Oft werde der Rettungsdienst gerufen und dann in der Wohnung auf ihn gewartet, sagt er. Besser wäre, man postiere jemanden draußen am Straßenrand, der die Rettungskräfte gleich heranwinke und einweise. "Das wäre in vielen Fällen sehr hilfreich."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...