So entsteht aus zartem Garn ein Bild

Bilder aus Merinowolle sind seit Ende Februar in der Ausstellung Woolart im Kulturbahnhof Stollberg zu sehen. In Workshops werden die Bilder zum Erlebnis - wie ein Selbstversuch zeigt.

Stollberg.

Der große Tisch im Ausstellungsraum des Kulturbahnhofes ist an diesem Dienstag reich gedeckt - mit sehr dünner, flauschiger, ungesponnener Merinowolle. Ein Traum für Handarbeitsfans, die vielen, akkurat sortierten Farben. Unter Anleitung von Woolart-Hobbykünstlerin Barbara Haubold sollen in einem Workshop Wollbilder entstehen. "Am Ende des Nachmittags kann jeder ein eigenes Bild mit nach Hause nehmen", verspricht Barbara Haubold. Seit zehn Jahren ist die Wollkunst ihre Leidenschaft. Wissen und Erfahrung gibt sie gerne in Workshops und Kursen weiter.

Aber ob das auch in kurzer Zeit wirklich zu schaffen ist? Davon wollte ich mich als "Freie Presse"-Reporterin überzeugen und wagte mit dem Projekt "Wollbild für Anfänger" einen Selbstversuch.

Schritt Nummer eins ist die Auswahl des Motives. Anregungen gibt es genug, in zwei prall gefüllten Fotoalben und natürlich an den Wänden der Ausstellungsräume. Ob Sonnenuntergang, Leuchtturm am Meer, Neue Landschaften, Blumen, Käfer oder Krabbeltiere - aber bei aller Euphorie, nicht jedes Modell ist für Neueinsteiger geeignet. Barbara Haubold macht Mut: "Blumen, Blüten, Gräser eignen sich besonders gut zum Ausprobieren, denn in der Natur wächst auch nicht alles akkurat nach Vorlage." Die Entscheidung fällt mir trotzdem nicht leicht, da ist es ganz hilfreich wenn Frau (Männer sind beim Workshop nicht dabei) schon vorab eine Idee hat. Ich entscheide mich für ein kleines Herz, das erscheint mir machbar.

Genau wie ich ist auch Uta Felber auch zum ersten Mal bei einem solchen Workshop dabei. Sie sucht sich als Vorlage ein Bild mit verschiedenen Gräsern aus und bei Marina Schneider sollen weiße Margeriten "blühen". "Ich habe die Technik schon einmal bei einem Workshop von Barbara Haubold probiert. Es hat mir sehr gut gefallen, deswegen bin ich heute gerne noch einmal gekommen", so die Chemnitzerin.

Im nächsten Schritt beginne ich den von Barbara Haubold vorbereiteten Untergrund mit weißer Wolle zu belegen. Wichtig für ein sauberes und akkurates Endergebnis: die Fäden so gerade wie möglich auflegen. Wenn die Farbe der rosa Unterlage nicht mehr zu sehen ist, wird alles noch sehr dünn, das heißt nur mit einzelnen Fasern hauchzart in einem gelblichen Ton abgedeckt. "Damit wirkt das Weiß nicht so hart und eintönig" erklärt die erfahrene Woolart-Künstlerin.

Nun kommt das Hauptmotiv dran. Aus verschiedenen Rottönen versuche ich ein Herz zu formen. Klingt simpel, ist es aber nicht. Denn immer wieder bleiben die dünnen Fädchen an meinen Fingern "kleben". Da braucht man wirklich Geduld, Ausdauer und im wahrsten Sinne Fingerspitzengefühl. Noch liegen alle Fäden locker übereinander. Bisher wurde nichts fixiert. Dieser finale Schritt wird von Barbara Haubold übernommen. Sie bringt dabei das Kunstwerk ganz vorsichtig in einem Bilderrahmen unter Glas.

Es ist geschafft. Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis und überrascht, was unter fachgerechter Anleitung und mit Fantasie und Kreativität aus zartem Garn entstehen kann.

Die Ausstellung von Barbara Haubold ist bis zum 31. Maiim Stollberger Kulturbahnhof zu sehen. Geöffnet ist dienstags bis donnerstags von 14 bis 17.30 Uhr. Ein weiterer Workshop findet am 25. April statt.

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