So war es nicht geplant: Handarbeit im Schacht

Die Arbeiten zur sicheren Verwahrung des Vertrauenschachtes in Lugau werden aufwendiger und dauern damit länger als gedacht. Wegen zahlreicher Rohre und Stahlbetoneinbauten ist für einen hydraulischen Schachtgreifer schlicht kein Platz.

Lugau.

Geplant war die sichere Verwahrung des Vertrauenschachtes, einem Bergbaurelikt in Lugau, anders: Nachdem der Bagger den Schacht bis auf eine Tiefe von sechs Metern aufgewältigt, also sämtliches Material herausgeholt hatte, sollten es Arbeiter mit einem hydraulischen Schachtgreifer weiter abbauen. Aber, sagt Falk Seliger, Projektleiter des Oberbergamts Freiberg: "Der Teufengreifer war unerwartet noch gar nicht im Einsatz." Der Grund: In dem Schacht befinden sich neben Leitbäumen - das sind Vierkanthölzer zur Führung der Fördergefäße - und Stahlbetoneinbauten auch noch zahlreiche unerwartete Rohrleitungen, sodass der Platz für den Einsatz des Greifers schlichtweg fehlt. Die Konsequenz: Die Männer legen den Raum zwischen den Einbauten mit dem Presslufthammer und Schaufeln in 30-Zentimeter-Abschnitten frei, um dann in diesem Bereich die Einbauten zu entfernen. "Alles Handschachtung", sagt Seliger beim Blick durch den Teufentisch nach unten. "Hätten wir nicht Pressluft, wäre es wie im Mittelalter."

Zumeist arbeiten zwei Männer unten im Schacht, einer bleibt oben und holt das abgebaute Material in einem Kübel per Haspel und Seil ans Tageslicht. An diesem Vormittag sind alle drei unten, denn sie haben die Wetterschlotte erreicht, ein Kanal, der schräg nach oben abzweigt. Diese ist vollständig verfüllt, erklärt Seliger. Damit die Massen nicht in den Schacht drücken, werde eine Vorpfändung aus Stahlblech angebracht - die könne man sich so ähnlich vorstellen wie die Spundwände in Häfen. Auch ein Lüfter- und ein Fluchtkanal, die weiter oben abzweigten, wurden bereits auf diese Weise gesichert.

Die Männer arbeiten sich in kleinen Schritten nach unten. Sobald ein Meter Masse in der Höhe aufgewältigt ist, werden die Schachtwände mit einem Stahlrahmen und Spritzbeton gesichert. Aktuell sind sie in einer Tiefe von zwölf Metern angekommen, das Ziel sind 25 Meter. Falk Seliger geht davon aus, dass die im Frühjahr erreicht ist.

In dieser Tiefe soll der Schacht dann dauerhaft sicher verwahrt werden - mit einem konischen Betonpfropfen, der fest mit dem Gebirge verbunden ist. "Dann kann drunter passieren, was will", sagt der Projektleiter. Ein Nachrutschen sei dann nicht mehr möglich.

Die Sanierung des Schachtgeländes - dazu gehört unter anderem auch die Erneuerung einer Stützmauer - gehört zum EU-Projekt "Präventionen von Risiken des Altbergbaus". Für die Verwahrung sind Kosten in Höhe von 1,41 Millionen Euro geplant. Neben der Risikoprävention geht es bei dem Projekt laut Oberbergamt auch um Entwicklungsmöglichkeiten für den Gewerbestandort, denn der Komplex ist heute Unternehmens- und Wohnsitz. Die über dem Schachtauge befindliche Halle war bislang aber nur sehr eingeschränkt nutzbar.

Hintergrund: Der Vertrauenschacht gehörte zum Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenrevier und wurde in den Jahren von 1869 bis 1938 als Förder- und dann bis 1971 als Wetter- und Versorgungsschacht genutzt. 1973/74 wurde der 583 Meter tiefe Schacht verfüllt, aus heutiger Sicht aber nicht sicher verwahrt.

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