Stadträte diskutieren über Verlegung der B 180

Ein Medienbericht über das Projekt hat Unruhe in Brünlos erzeugt. Auch aus Thalheimer Sicht war am Donnerstagabend noch einiges zu klären.

Thalheim.

Wer den TV-Bericht über die geplante Verlegung der B 180 zwischen Stollberg und Thalheim gesehen hat, könnte glauben, dass alles zu spät ist: Die Route steht fest, den Brünlosern wird eine dreispurige Bundesstraße vor die Nase gesetzt, und die Planung ist im fortgeschrittenen Stadium.

Stimmt das? "Da wird über Sachen geredet, die noch gar nicht feststehen", sagte Nico Dittmann, Thalheims Bürgermeister, am Donnerstagabend vor dem Stadtrat. Demnach wurden zwar neue Untersuchungen aufgenommen. Aber wo genau die Trasse entlangführen soll, sei noch längst nicht geklärt. Das Projekt ist Dittmann zufolge in einer sehr frühen Phase und könnte noch fünf bis zehn Jahre dauern.

Die List GmbH, ein Tochterunternehmen des Freistaats, prüft derzeit verschiedene Varianten innerhalb eines Korridors, der mehr als 300Hektar einnimmt. Ingenieure untersuchen die Umweltverträglichkeit, wobei mehrere Faktoren eine Rolle spielen: die Belastung durch den Straßenverkehr, der Anteil an Autos und schweren Fahrzeugen, die Betroffenheiten der Anlieger, Lärm- und Naturschutz und nicht zuletzt die Sicherheit. Im Thalheimer Rat wurde bereits Ende 2018 über die neuen Ansätze informiert, die "Freie Presse" berichtete.

Bis Mai 2021 wollen die Planer eine Vorzugsvariante erarbeiten. Dann beginnt das sogenannte Planfeststellungsverfahren. Dabei werden, wie Dittmann erklärte, private und öffentliche Interessen gegeneinander abgewogen. Allerdings sei nichts falsch daran, wenn sich Anlieger in den Prozess einmischen. Im Gegenteil: Noch hätten sie die Chance, Einfluss zu nehmen. Dittmann machte auch deutlich, dass das Verfahren nicht geheim sei. "Es steht im Bundesverkehrswegeplan." Dort ist nachzulesen, dass die B 180 im jetzigen Zustand als unsicher gilt. Fahren, Überholen und Abbiegen sind nur eingeschränkt möglich. Und da die Straße durch ein Trinkwassergebiet führt, dürfen sehr schwere Fahrzeuge die B 180 nicht nutzen.

Aus diesen Gründen war die Verlegung bereits in den 1990er-Jahren im Gespräch, verschiedene Ideen wurden geprüft. Die Untersuchungen liegen nach Angaben der List GmbH jedoch so lange zurück, dass sie heute unbrauchbar sind. Die alten Pläne sind hinfällig. "Wir müssen bei Null anfangen", sagte Abteilungsleiter Mathias Mehn 2018 in der Stadtratssitzung.

Einige Räte stellen das Projekt nun infrage. "Ich sehe den Nutzen nicht", sagte Julia Nebel (CDU). Das Gebiet, in dem die neue Straße entstehen soll, diene der Erholung und werde von Wanderern genutzt. Gerd Kinder (FWU) wies darauf hin, dass viele Brünloser Waldbesitzer seien, was zu Konflikten führen könne.

Auf einer Einwohnerversammlung will Dittmann bald über den aktuellen Stand informieren. Trotz der Pläne für die Verlegung wird die B 180 zwischen Thalheim und Stollberg zurzeit aufwendig saniert. Ein paradoxer Umstand, für den die Thalheimer Verwaltung das Landesverkehrsamt kritisiert hat.

11 Kommentare

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  • 4
    0
    Feig
    05.09.2020

    Als Anwohner der Brünloser Hauptstraße wünschen wir uns eine Umgehungstraße so schnell wie möglich! Der Verkehr auf unserer "Dorfstraße" ist autobahnähnlich, bereits ab 4 Uhr in der Nacht beginnt der LKW Verkehr mit entsprechender Lärmbelastung, in der Hauptverkehrszeit kommt man nur mit Mühe aus seinem Grundstück. Darüber, dass viele Kraftfahrer die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit innerhalb der Ortschaft maximal als Empfehlung betrachten, braucht man nicht zu reden. Die Benutzung des Fußweges sorgt regelmäßig für beklemmende Gefühle, da LKW durch die geringe Straßenbreite im Ort unmittelbar am Bord fahren müssen. Dies gilt natürlich besonders auch für die zahlreichen Kinder auf ihrem Schulweg. Ganz davon abgesehen, dass aufgrund der schnellen Fahrweise vieler Auto- und LKW-Fahrer und dem hohen Verkehrsaufkommen ein gefahrloses Überqueren der Straße besonders für Kinder und ältere Menschen immer schwieriger wird.