Unesco adelt das Drechslerhandwerk

Die Freude über den Kulturerbe-Titel ist groß, die Erwartungen sind es auch. Betriebe der Region hoffen auf mehr Anerkennung.

Annaberg-Buchholz/Olbernhau.

Mit der Aufnahme in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Unesco ist das Drechslerhandwerk nun eine von 97 aufgeführten "lebendigen Kulturformen". In der Region ist die Freude groß. Jahrelang haben sich Vertreter des Handwerkes um einen solchen Eintrag bemüht.

"Diese Auszeichnung wertet das Handwerk auf", sagt Martin Steinert, verantwortlich beim Drechselzentrum Erzgebirge für den Bereich Marketing. Dies sei besonders wichtig, da vor einigen Jahren die Meisterpflicht abgeschafft wurde. Zwar gebe es nun etwa bei Firmengründungen weniger Bürokratie, gleichzeitig habe jedoch in der Branche mitunter die Qualität nachgelassen, so Steinert. Das Olbernhauer Unternehmen fertigt und vertreibt unter anderem Drechselbänke.

Initiiert wurde die Bewerbung vom Verband des Deutschen Drechsler- und Holzspielzeugmacherhandwerkes mit Sitz im bayerischen Fürth. So wurde das Handwerk zunächst in die Liste Bayerns aufgenommen und nun in die bundesdeutsche. Damit dürfen sich rund 1000 deutsche Betriebe freuen. Unter ihnen: Ingbert Drechsel, der in Olbernhau etwa Treppengeländer, Schalen und Vasen fertigt. Massenproduktion sieht er kritisch. Es müsse mehr Wert auf das Zeitlose, Natürliche und Künstlerische gelegt werden. Thomas Schalling aus Seiffen spricht sich dafür aus, dass das Drechslerhandwerk erlebbar sein sollte. Mit seinen sechs Mitarbeitern stellt er Pyramiden, Räuchermänner, Tischdekoration und vieles mehr her. Kunden, die einmal in der Werkstatt gewesen seien, hätten eine ganz andere Einstellung zu dem Handwerk als bei einem reinen Internetkauf, so Schalling.

"Die Neuaufnahme in Deutschlands Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes freut uns sehr, würdigt sie doch die Handwerkstechnik, mit der die Entstehung all unserer Figuren ihren Anfang nimmt", sagt Lena Sabotta, Sprecherin von Wendt und Kühn. Dass dies nun offiziell bekundet werde, sei eine wunderbare Wertschätzung. Bei Thomas Müller, dem Leiter des Beruflichen Schulzentrums für Ernährung, Technik und Wirtschaft, ist ebenfalls die Freude groß. Drechsler sowie Holzspielzeugmacher werden am Standort Seiffen ausgebildet. Dafür brauche es genügend Interessenten. Der Titel könne helfen.

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