Vogelzucht: Benjamin Erler ist Weltmeister - als erster Sachse

Das Sieger-Team hatte folgende Aufstellung: Ein junger Mann aus Hohendorf, dazu ein Halsbandsittich-Hahn und eine Mönchsittich-Henne. Die drei Zweibeiner haben sich den Titel aller Titel geholt. Doch wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Hohndorf.

Nur mal angenommen, Benjamin Erler aus Hohndorf dürfte ab sofort keine Vögel mehr züchten, dann würde er als Alternative gerne Fußball spielen. "Vielleicht beim SSV Hohndorf. Ich kann zumindest ganz gut gegen den Ball treten", sagt Erler. Doch genauso schnell sagt er auch: "Naja, ein Leben ohne meine Vögel, das ist eigentlich undenkbar."

Zumal es einen ganz kleinen Unterschied gibt. Im Fußball würde Benjamin Erler wohl niemals in seinem Leben Weltmeister werden. Aber mit seinen Vögeln hat der gerade mal 20-Jährige jetzt den Titel aller Titel geholt.

Den Erfolg holte sich der junge Mann in Holland. In Zwolle. Zur COM-Schau des Weltverbandes der organisierten Vogelzüchter. Ausgestellt waren 25.000 Vögel - vom Kanarienvogel bis zum Kakadu, in verschiedenen Schauklassen und Kategorien. Es beteiligten sich 3000 Aussteller aus 24 Ländern. Es waren nur die Besten der Besten dort. Doch Benjamin Erlers Halsbandsittich-Hahn und die Mönchsittich-Henne waren die Allerbesten.

"Benjamin war einer von zwei sächsischen Ausstellern bei der Weltmeisterschaft. Und er ist der erste sächsische Züchter, der es geschafft hat, einen Weltmeistertitel zu erringen", sagt Sven Pukat. Er ist der stolze Vater des Weltmeisters, Vereinschef von Kanaria 1883 Oelsnitz - und zudem Vorsitzender vom Sächsischen Kanarien- und Vogelzüchter-Verband. "In der 136 jährigen Geschichte unseres Vereins und auch immerhin 29 Jahren unseres sächsischen Landesverbandes gab so einen Erfolg noch nie."

Vor etwa zehn Jahren hat alles begonnen. Sein Vater hat ihn zur Exota nach Chemnitz mitgenommen. Dort gab es Papageien. "Die waren richtig zahm. Solche wollte ich auch", so Erler. Doch das mit dem Zähmen hat nie so recht geklappt. Dafür aber mit den Jahren das immer erfolgreichere Züchten kleiner und großer Piepmätze. "Mittlerweile habe ich 140 Papageien und Sittiche - von den großen Rotrücken-Aras bis zu kleinen Rußköpfchen." Nun der Riesen-Erfolg. Mit dem Halsbandsittich hat er gewonnen, weil dieser dieses aalglatte, glänzende Gefieder hat, ein selbstbewusstes Auftreten auch in großen Hallen wie in Zwolle, dazu richtige Farben. Erler: "Sein Halsband ist tiefschwarz, im Nacken aber rosa abgesetzt." Und beim Mönchsittich-Weibchen war es vor allem dieses satte Lutino-Gelb, welches jeden anderen Vogel dieser Kategorie blass aussehen ließ.

Doch wie geht es jetzt weiter? "Ganz klar: Meinen Weltmeister-Titel will ich im kommenden Jahr in Portugal verteidigen. Wenn ich dann auch wieder Sachsenmeister werde und zudem die Deutsche Meisterschaft holen könnte, hätte ich das Triple", sagt der Hohndorfer. Und das meint er durchaus ernst.

Aber er will auch eines Tages zur BVA-Meisterschaft. Hier treffen sich aus aller Welt die besten der besten Züchter von Liebesvögeln, die in der Fachsprache Agaporniden heißen - die putzigen Rosenköpfchen sind die in Deutschland beliebtesten Vertreter. Da hat Benjamin Erler auch einige, aber noch sei er nicht konkurrenzfähig. "Aber in ein paar Jahren will ich auch da angreifen."


Hintergründe zur Weltmeisterschaft - und der unerwartete Erfolg und seine Folgen

Die verschiedenen Vogelarten werden in Schauklassen getrennt nach Art und Farbe ausgestellt und bewertet. Die Bewertung erfolgt durch internationale Zuchtrichter. In Zwolle waren es 120 Zuchtrichter aus fast allen Teilnehmerländern. Jeder Zuchtrichter begutachtet dabei etwa 100 bis 120 Vögel pro Tag und entscheidet dabei über die jeweils schönsten Vögel Ihrer Klasse. Bewertungskriterien sind vor allem Artenreinheit, Gesundheit, Farbe und Zeichnung, Form und Größe sowie das Gefieder.

Sven Pukat erzählt: "Unser Landesverband war mit einer Gruppe von 24 Züchtern das gesamte Wochenende in Zwolle. Dort wurde dann auch der Erfolg an der Hotelbar hinlänglich gefeiert. Die offizielle Siegerehrung fand im Rahmen einer großen Gala im Festsaal der Ausstellungshalle statt." Und dann grinst er: "Leider haben wir dafür nicht mehr genug Karten bekommen können. Der Erfolg kam doch etwas zu unerwartet für uns."

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