Welches Motiv schmückte einst den mittleren Fensterflügel?

Bis zum 24. April 2020 ist das Bergbaumuseum Oelsnitz wegen Umbaus geschlossen. Einige Exponate der künftigen Dauerausstellung stellt "Freie Presse" als "Objekt des Monats" vor. Aktuell ist es ein spezielles Fenster.

Oelsnitz/Niederwürschnitz.

Das Fenster ist unvollständig, der mittlere Flügel fehlt. Und so kommt es, dass noch einiges an Recherche notwendig ist, um es der Öffentlichkeit präsentieren zu können. Aber der Reihe nach. Deborah Weise, die am Museum als Projektmitarbeiterin für die 2020 stattfindende Landesausstellung tätig ist, hat als Objekt des Monats März das aus mehreren Teilen bestehende Bleiglasfenster ausgewählt, weil es in der künftigen Dauerschau Teil einer inszenierten Bergmannskneipe sein wird.

Denn "Gaststätten, Wirtschaften, Kneipen - das waren die sozialen Netzwerke, bevor Twitter, Facebook und Co Einzug hielten", sagt sie. "Hier traf man sich, tauschte sich aus, schloss man Verträge und vieles mehr." Diesen Teil des Bergmannsalltags will man widerspiegeln, und da passt das historische Fenster eines tatsächlich früher im Revier existenten Gasthauses natürlich bestens: Es schmückte einst die Gaststätte "Zum braven Bergmann" in Niederwürschnitz.

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Es handelt sich um ein dreiteiliges Segmentbogenfenster mit Oberlicht und Bleiverglasung. Die Fensterflügel sind mit in Blei gefassten Buntglasscheiben bestückt. Weise: "Ein besonderes Schmuckstück ist dabei der Segmentbogen mit einem Bergmann in Paradeuniform."

Genau der hat es Heino Neuber, Sammlungsleiter im Museum und Vorsitzender des Fördervereins, schon lange angetan - nämlich als es sich noch am früheren Gasthaus in der Lichtensteiner Straße in Niederwürschnitz befand. "Wenn ich dort vorbeigefahren bin, habe ich mir gern den Bergmann mit der herrlichen Uniform angeschaut", sagt er. Die Paradeuniform sei die gleiche, wie man sie im Förderverein - der Knappschaft des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers - heute trage. Als er dann schließlich feststellte, dass offenbar ein neuer Eigentümer "am Haus werkelte", habe er angehalten und sei mit ihm ins Gespräch gekommen. Und so erfuhr Heino Neuber, dass der Hauseigentümer das Gebäude Stück für Stück sanieren will und dabei auch den Ausbau des Fensters plant, aber noch keine klare Vorstellung von dessen weiterer Verwendung hatte. Sie kamen überein, dass die Knappschaft ihm das Fenster abkauft. Das war im Frühjahr 2017. "Wir planen, es dem Museum zu schenken", kündigt Heino Neuber an.

Leider fehlt der mittlere Fensterflügel. "Aus den vorhandenen Unterlagen geht nicht hervor, welches Motiv in der Mitte zu sehen war", sagt Deborah Weise. Deshalb recherchiert Heino Neuber auch schon intensiv, bislang aber ohne Ergebnis. Es gebe ein Foto aus den 1950er-Jahren, da ist der Gasthof drauf und auch das Fenster zu sehen, "aber verschwindend klein", sagt er. Und eine Postkarte aus den 1930ern, die er vor vielen Jahren mal im Internet gesehen hatte, ihm aber "damals nicht wichtig war", finde er nicht mehr.

Was die Zeit des Einbaus betrifft, so geht man von den 1920ern aus, sagt er. Seit wann das mittlere Fenster fehlt, sei aber unklar. "Ein Arbeitskollege meines Vaters im Schacht hat dort immer Skat gespielt", erzählt Neuber. Der habe ihm gesagt, dass das Buntglas- durch ein Klarglasfenster ersetzt worden sei, weil es im Raum immer so dunkel war. Ob das der richtige Zusammenhang ist, oder das Fenster einfach kaputt ging, weiß er nicht.

Auch die Zeit, in der sich in dem Gebäude an der Lichtensteiner Straße 66 die Gaststätte "Zum braven Bergmann" befand, kann Neuber noch nicht exakt benennen. Darum will er beispielsweise im Kreisarchiv Einblick in alte Bau- und Gewerbeakten nehmen. Bislang weiß er nur, dass der Gasthof "Zum braven Bergmann" zunächst etwas zurückgesetzt zwischen dem früheren "Sächsischen Hof" (heute befindet sich dort eine Tagespflege-Einrichtung) und dem "Fischer Schmied" stand. Irgendwann seien die sogenannte Schankgerechtigkeit und der Name dann aber an die zuvor als "Gastwirtschaft Anna" bekannte Restauration übergegangen. Neuber weiß, dass sie 1928 definitiv noch "Gastwirtschaft Anna" hieß, sich 1950 in dem Gebäude aber bereits die Strickwarenfabrik Wilhelm befand. Von dieser, so Neuber, gebe es im Übrigen eine Innenaufnahme mit dem fraglichen Fenster. "Aber im Gegenlicht, es ist kaum zu erkennen." Neuber und Weise hoffen aber, dass es vielleicht doch noch Aufnahmen von der Gaststätte beziehungsweise dem Fenster gibt. Weise: "Sollte jemand Hinweise, Wissenswertes oder gar Abbildungen der Gaststätte oder des Fensters zur Verfügung stellen können, so wäre das für uns von großem Interesse".

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