Wie aus der "Oberen Schmiede" das lebendige Vereinshaus wurde

Der Oberoelsnitzer "Anker" feiert Jubiläum. Das ist Anlass für eine Reihe interessanter Ein- und Rückblicke.

Oelsnitz.

Das heutige Vereinshaus "Zum Anker" in Oberoelsnitz ist 1719 als Gaststätte "Zur oberen Schmiede" von Familie Schaufuß erbaut worden. Nach einem verheerenden Brand knapp 160 Jahre später wurde das Gasthaus an gleicher Stelle wieder aufgebaut.

Mit der Wiedereröffnung 1879 erfolgte die Umbenennung in Gaststätte "Zum Anker". "Warum man diesen Namen gewählt hat ist für uns heute nicht mehr nachvollziehbar. Es gibt durchaus verschiedene Ansichten. Aber eine sichere, urkundlich erwähnte Version haben auch umfangreiche Recherchen nicht ergeben", so Jürgen Metzler, Vorsitzender des Erzgebirgischen Heimatvereines Oberoelsnitz. Der Verein zählt derzeit 206 Mitglieder, davon 56 Kinder. Überliefert ist, dass die damaligen Verantwortlichen großes mit dem Haus vorhatten. "Es existiert eine komplette Baugenehmigung aus dem Jahr 1929. Es sollte unter anderem ein großes Sport und Kulturzentrum für das damalige Dorf entstehen", erzählt Jürgen Metzler. "Wäre das alles verwirklicht worden, hätte man aus meiner Sicht in Oelsnitz kein weiteres Kulturhaus gebraucht. Warum aus den Plänen nichts wurde wissen wir leider nicht."


Mitte der 1950er-Jahre sollte etwas für das kulturelle Leben getan werden. Der Saal des Anker wurde zur Kulturstätte des Ortsteiles Oberoelsnitz und der Klub der Werktätigen richtet eine Klubgaststätte ein. Dieses Projekt war gleichzeitig die Geburtsstunde des ersten Wohngebietsfestes, dass unter dem Motto "Oberoelsnitzer singen und spielen für Oberoelsnitzer" als Straßenfest begann und seit 65 Jahren jährlich ein Höhepunkt im Wohngebiet ist.

In den vergangenen 300 Jahren hat das Gebäude eine wechselvolle Geschichte erlebt. Neben der Möglichkeit zum Einkehren und Tanzen wurde das Haus unter anderem von Umsiedlern und Oelsnitzern bewohnt. Die Räume sind als Unterbringung für Erholung suchende Mädchen und Jungen im Rahmen der Kinderlandverschickung und als Fabrik zur Motorenfertigung genutzt worden. Im Saal konnte man Mittag essen. Bis 1990 wurde die Unterstufe unterrichtet, auch der Schulhort befand sich hier.

Im Jahr 2000 kaufte der Erzgebirgische Heimatverein Oberoelsnitz den Gasthof "Zum Anker" von der Stadt Oelsnitz und verpflichtet sich, im Rahmen seiner Möglichkeiten, zur Sanierung des Gebäudes. "Unsere erste Maßnahme war die Wiederherstellung der alten Gaststätte", erinnert sich Jürgen Metzler. "Als wir dann 2014 den Saal in Angriff nehmen wollten, kam das böse Erwachen. Die Schäden am Dach waren so drastisch, es drohte Einsturzgefahr." Inzwischen ist mit Unterstützung von Sponsoren und vielen Helfern die Sanierung des Vereinshauses abgeschlossen. Die Gaststätte betreibt ein Pächter, drei Räume können gemietet werden. Nach Schätzungen von Jürgen Metzler hat das Projekt "Zum Anker" etwa eine halbe Million Euro gekostet.


Auszüge aus dem Festprogramm

Freitag: 14 bis 16.30 Uhr Tag der offenen Tür in der Goethe-Schule; 19 Uhr Bergmännischer Aufzug zu Ehren des 300-jährigen Jubiläums des Vereinshauses "Zum Anker" mit der Knappschaft des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlereviers, dem Erzgebirgischen Heimatverein Oberoelsnitz und den Oelsnitzer Blasmusikanten.

Samstag: Jubiläumsvolleyballturnier in der Turnhalle der Goethe-Schule.

Sonntag: Musikalischer Frühschoppen im Außengelände mit den "New Meadows".

Dienstag: Jubiläumsskatturnier im Saal des Vereinshauses. (wö)

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