Witwe weiß hölzerne Figur im Museum in guten Händen

Bis zum 24. April 2020 ist das Bergbaumuseum Oelsnitz wegen Umbaus geschlossen. Einige Exponate der künftigen Dauerausstellung stellt "Freie Presse" als "Objekt des Monats" vor. Aktuell ist es ein geschnitzter Bergmann.

Oelsnitz.

Ein Geschenk zum 65. Geburtstag eines Steinkohle-Kumpels ist das Objekt des Monats Dezember. Recherchiert dazu hat diesmal nicht einer der Museumsmitarbeiter, sondern Melissa Vieweger, die das Team des Oelsnitzer Bergbaumuseums eine Woche lang als Praktikantin unterstützt hat. "Der abgebildete Bergmann wurde auserkoren, da er nach Meinung der Schülerin sehr gut in den Monat Dezember passt", erklärt Museumsmitarbeiterin Deborah Weise. Die frühere Besitzerin des Stückes, Gertraude Seifert aus Mülsen St. Micheln, habe den hölzernen Kumpel selbst jahrelang zu Weihnachten im Fenster stehen gehabt.

Der im Jahr 2010 verstorbene Ehemann von Gertraude Seifert, Johannes Seifert, war selbst Bergmann, er fuhr auf Martin Hoop IV in Zwickau ein und hatte die Auszeichnung "Verdienter Bergmann" der DDR erhalten. Später, als er im Ruhestand war, bekam er das schöne Erinnerungsstück von einem Kumpel zum 65. Geburtstag geschenkt. Bei diesem handelte es sich wiederum um den Schwiegervater des Sohnes der Seiferts, Manfred Friebel aus Zwickau. Der war, laut der Aussage von Gertraude Seifert, selbst Mitglied im Zwickauer Steinkohlenbergbauverein und widmete sich in seiner Freizeit leidenschaftlich gern dem Schnitzen.

Die Schnitzerei aus dem Jahr 2001 ist ein gutes Beispiel des nach wie vor lebendigen bergmännischen Brauchtums, sagt Deborah Weise und erklärt Details der 42,5 Zentimeter großen Figur aus unbehandeltem Nadelholz. "Der Bergmann trägt eine nicht spezifizierte Uniform. In der linken Hand hält er eine Barte und in der rechten einen Kelch, der zugleich Halterung für eine Kerze ist. Die Figur steht auf einem Sockel und vor ihr liegt eine Erzmulde mit verschiedenen Steinen. Außerdem trägt er die typische Tzscherpertasche mit einem Tzscherpermesser um den Bauch. Auf seinem Schachthut mit Federstutz ist das sächsische Wappen zu sehen." Tzscherper ist eine alte Bezeichnung aus der Bergmannssprache, die der Bergmann für sein Messer gebrauchte, das er als universelles Werkzeug immer mit sich führte.

Der Kontakt zu Frau Seifert sei durch einen Artikel in der Stollberger "Freien Presse" entstanden, erklärt Deborah Weise. "Sie meldete sich auf unseren Aufruf zur Kumpelgalerie." Dieser geplante Bereich der neuen Dauerausstellung wird sich mit den Menschen im sächsischen Steinkohlenbergbau beschäftigen. Hierzu waren Leser, vor allem ehemalige Arbeiter und Arbeiterinnen der Steinkohlenwerke, um Mitwirkung gebeten worden. Weise: "Die Absicht der Kuratoren ist es, bekannte und unbekannte Bergarbeiter zu zeigen und zu würdigen." Gertraude Seifert übergab dem Museum schließlich den geschnitzten Bergmann sowie Dokumente und Fotos, um diese Erinnerungsstücke an ihren vor neun Jahren verstorbenen Mann in guten Händen zu wissen. In der künftigen Dauerausstellung des dann erneuerten Oelsnitzer Bergbaumuseums wird die Figur in neuem Licht strahlen und einen festen Platz einnehmen, blickt Deborah Weise voraus.


Öffnung nur vorübergehend

Der Erzgebirgskreis saniert und modernisiert das Bergbaumuseum derzeit umfassend. Inklusive Museumsausstattung werden dafür rund 22 Millionen Euro investiert.

Weil die Arbeiten bis zur Landesausstellung nicht abgeschlossen sein können, wird das Museum zwar am 24. April 2020 für die Landesausstellung öffnen, aber danach erneut schließen.

Voraussichtlich im Juni 2023 soll dann die Wiedereröffnung der neuen Ausstellung stattfinden. (vh)

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