ZAS: Aus Ausnahme ist Regel geworden

Der Abfallentsorger nimmt neben den Blauen Tonnen abgelegte Pappen und auch Papier bei der Abholung nicht mehr mit. Diese Verfahrensweise erntet Kritik, hat aber einen Grund - allerdings kennen den viele nicht.

Stollberg.

Die blaue Tonne ist leer, aber die daneben abgelegte Pappe ist noch da. Diese Erfahrung haben viele Kunden des Zweckverbands Abfallwirtschaft Südwestsachsen (ZAS) mit Sitz in Stollberg in der jüngeren Vergangenheit machen müssen - und können nicht verstehen, dass nicht mehr praktiziert wird, was lange Usus war. "Das hat doch nichts mehr mit Entsorgung zu tun", sagt etwa Tobias Petzold aus Leukersdorf, der einen Karton mit Zeitungen auf die blaue Tonne gestellt hatte und diesen nach der Entsorgung neben der leeren Tonne abgelegt fand.

ZAS-Geschäftsstellenleiterin Ramona Uhlig weiß, dass es viel Unverständnis wegen der neuen Verfahrensweise gibt, aber für das Unternehmen gibt es Gründe. "Neben den Tonnen abgelagertes Papier oder abgelegte Pappe war bis vor einigen Jahren noch die Ausnahme und wurde daher gelegentlich - ohne dass ein Anspruch darauf bestand - mitgenommen", erklärt sie. Allerdings haben diese Mengen stark zugenommen. "Inzwischen werden Nebenablagerungen regelmäßig bereitgestellt, von einem gelegentlichen Anfall kann bei Betrachtung der Gesamtmengen keine Rede mehr sein."


Auch auf der Homepage des Zweckverbands wird auf das Problem hingewiesen. Eine reibungslose Entsorgung sei nicht mehr möglich, heißt es dort. Die Entleerungstour, die anhand Anzahl und Größe der aufgestellten Papiertonnen geplant werde, könne nicht abschließend durchgeführt werden, wenn durch die Mehrmengen die Aufnahmekapazität des Sammelfahrzeuges bereits vor Ende der Sammeltour erreicht ist. "Dadurch verbleibende ungeleerte Papiertonnen können meist erst zu einem späteren Zeitpunkt gekippt werden."

Ramona Uhlig hat zur Problematik auch Zahlen parat. Die Wertstoffhöfe des ZAS in Thum, Neukirchen, Oelsnitz und Zwönitz hatten 2016 zusammen 78 Tonnen an Papier, Pappen und Kartonagen zu bewältigen, mittlerweile seien es bei mehr als 100 Tonnen. Im Wertstoffhof in Niederdorf sind aus 2609 Leerungen im Jahr 2015 mittlerweile 3169 im vergangenen Jahr geworden. Hintergrund seien wohl die zunehmenden Käufe im Internet, die mit großen Mengen an Verpackungsmaterial einhergehen.

Darum werde nun konsequent darauf gedrängt, größere Mengen vom Kunden selbst in den Wertstoffhof gebracht werden beziehungsweise bei regelmäßigen Mehrmengen eine größeren Papiertonne stellen zu lassen. Bereits seit Monaten würden entsprechende Aufkleber auf den Tonnen angebracht, um die Kunden zu informieren, erklärt Uhlig. Ausnahmen werden nicht gemacht. Denn der Müllwerker habe bei der Abholung nicht die Möglichkeit, zu unterscheiden, bei wem Mehrmengen erstmalig oder öfter vorkommen, sodass Einzelfälle nur schwerlich zu regeln sind, erklärt Uhlig weiter. Damit spricht sie Tobias Petzolds Pappkarton mit Zeitungen an. Wenn nicht regelmäßig und nur geringe Mehrmengen anfallen, sollten diese trocken im Haushalt aufbewahrt und für die nächsten Abfuhr in den Behälter verbracht werden, erklärt die Geschäftsstellenleiterin.

"Viele Bürger, die mit uns Kontakt aufnehmen, äußern Verständnis und haben bereits größere Tonnen bestellt", sagt sie. Zu denen, die die Argumente des ZAS nachvollziehen können, gehört auch Enrico Fankhänel. Der Thalheimer war zunächst verwundert, dass sein neben der Tonne abgelegtes Papier und Pappen liegen geblieben waren. Ihm fehlte einfach die Information, sagt er. Aber er habe inzwischen ein nettes Gespräch mit einem ZAS-Mitarbeiter gehabt, der ihm die Zusammenhänge erklärt habe. Den Aufkleber des ZAS an der Tonne habe er dann ebenfalls entdeckt.

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