Zwei neue Listen und ein Rückkehrer

Kommunalwahl: In Niederdorf treten zwei Initiativen an, die sich - zumindest unter den jeweiligen Namen - erstmals zur Wahl stellen. Während die eine als politischer Arm eines umstrittenen Vereins bezeichnet werden kann, sieht sich die andere als Alternative dazu. Unterdessen hat ein Mann viele überrascht.

Niederdorf.

Sie wollen Alternativen sein - zu den etablierten Parteien oder zu anderen Wählerlisten, die in Niederdorf zur Kommunalwahl antreten. Neben dem Grüne-Kandidaten Heiko Konrad stellen sich drei Listen zur Wahl. Wo aber verlaufen die Grenzen?

Niederdorfer Bürger: Elf Kandidaten stellt diese Liste auf - das ist sogar einer mehr als bei der CDU. Darunter ist die Führungsriege der Heimattreue Niederdorf. Mit Thomas Witte (Platz 3) und René Heinrich (Platz 9) schickt der Verein den Vorsitzenden und den Stellvertreter ins Rennen. Sowohl die Heimattreue Niederdorf als auch die "Niederdorfer Bürger" betonen, nichts miteinander zu tun zu haben, geben als Kontakt aber die gleiche Handynummer an. Spitzenkandidat ist Hubertus Schäfer, der als Mitglied der Heimattreue Anfang vergangenen Jahres gegen den vom Rathaus angestrebten Ausschluss des Vereins aus der kommunalen Sport- und Freizeithalle gestimmt hatte.

Torsten Kleditzsch

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Die "Niederdorfer Bürger" haben im aktuellen Gemeinderat bereits zwei Sitze: Hubertus Schäfer, der 2014 für die CDU in den Gemeinderat gewählt worden war, und Thomas Witte, der vor gut einem Jahr als Nachrücker über die Liste 3 einzog.

Die Heimattreue hatte sich aus den Protesten gegen die deutsche Asylpolitik und speziell die Unterbringung von geflüchteten Menschen im ehemaligen Landratsamt in Niederdorf formiert und später als Verein gegründet. Ende 2017 wurde bekannt, dass der sächsische Verfassungsschutz mehrere Personen im Verein beobachtet und mindestens den Vorsitzenden Thomas Witte als rechtsextremistisch einstuft. Im Herbst 2018 lieferte Witte nach dem tödlichen Vorfall auf dem Chemnitzer Stadtfest Beispiele dafür: Er trat als Redner und Ordner bei Kundgebungen der rechtsextremistischen Vereinigung Pro Chemnitz auf. Auch beim Protest gegen den Besuch von Kanzlerin Angela Merkel im November 2018 sprach Thomas Witte zur Menge.

Wenngleich Verein wie Wählerliste betonen, überparteilich zu sein, so fällt doch die Nähe zu einer Partei ins Auge: Erik Schaarschmidt etwa, auf Platz 6 der Liste "Niederdorfer Bürger", bewirbt sich daneben um einen Platz im Kreistag - und zwar für die NPD. Heiko Weigel, bis vorigen Monat noch zweiter Vorsitzender der Heimattreue und nach wie vor Vereinsmitglied, steht ebenfalls auf der NPD-Liste für den Kreistag.

Zukunft Niederdorf: Neuer Name, quasi aber die Fortführung der früheren Feuerwehr-Liste (Liste 3), ist die Liste "Zukunft Niederdorf". Unter den sieben Kandidaten sind zwei, die derzeit für die CDU im Rat sitzen. Das Gerücht, dass er diese Liste initiiert habe, weist Bürgermeister Stephan Weinrich (CDU) zurück. Er räumt aber ein: "Ich habe Leute angesprochen für die CDU zu kandidieren. Wer mir gesagt hat 'Für die CDU möchte ich nicht antreten', den habe ich die parteilose Liste als Alternative empfohlen."

Sieht sich diese Liste denn als Alternative zu "Niederdorfer Bürger"? "Mit Sicherheit", antwortet André Wildenhayn, einer der Kandidaten von "Zukunft Niederdorf". "Aber die sind ja auch parteilos." Der 40-Jährige sieht das Ganze pragmatisch: Zum Beispiel ist er Schatzmeister bei den Niederdorfer Fußballern, Vorsitzender des FSV indes ist Erik Schaarschmidt von der Liste "Niederdorfer Bürger". "Das trennen wir", betont Wildenhayn. "Wenn man ehrlich ist, haben wir für unseren Ort doch alle ähnliche Vorstellungen." Ähnlich bewertet er die Tatsache, dass sein Bruder Sven Wildenhayn für die "Niederdorfer Bürger" antritt: "Er hätte sich auch bei uns aufgestellt, aber die anderen haben ihn eben zuerst gefragt, und da hatte er schon zugesagt", so André Wildenhayn.

CDU-Liste: Als Spitzenkandidat tritt Roland Lippmann an. Das ist eine Überraschung. Der langjährige Niederdorfer Bürgermeister, der 2015 von Stephan Weinrich abgelöst wurde, aber weiter als CDU-Mitglied im Kreistag saß, betont, dass er schon länger mit dem Gedanken gespielt habe, sich im Gemeinderat einzubringen. "Ich habe 21 Jahre Kommunalpolitik gemacht. Das steckt noch drin. Ich möchte meine Erfahrungen weitergeben." Doch das ist nicht alles. Lippmann spielt auf die politische Situation im Ort und die Heimattreue Niederdorf an. "Ich sehe im Ort eine Entwicklung, die mir nicht gefällt." Kritisch bewertet er auch die nun aufgestellte Liste "Niederdorfer Bürger". "Damit werden die Leute veralbert. Wir sind doch alles Niederdorfer Bürger, aber ich möchte ganz sicher nicht in diese Ecke gestellt werden." All diese Entwicklungen hätten bei ihm eine Rolle gespielt, sich um einen Sitz im Gemeinderat zu bewerben.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    2
    Dorpat
    13.04.2019

    Niederdorf ist ja ganz schön aufregend!

    Frau Neumann: Gibt es eventuell auch Kandidaten, bei denen eine gewisse Nähe zu den Grünen oder Roten aufgefallen ist?
    Oder sind die anderen alle völlig vom Himmel gefallen?



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