350 Teilnehmer demonstrieren friedlich

Eine Mahnwache ist gestern auf dem Marienberger Markt abgehalten worden. Die Veranstaltung soll nur ein Anfang sein.

Marienberg.

Rund 350 Menschen haben sich gestern Abend auf dem Marienberger Markt zu einer Mahnwache versammelt. Viele von ihnen zündeten am Herzog-Heinrich-Denkmal Kerzen an - im Gedenken an den in der Nacht zu Sonntag vor rund einer Woche in Chemnitz getöteten 35-Jährigen. Die Tat hatte in Chemnitz Proteste sowohl von rechten als auch linken Gruppen ausgelöst. In Marienberg blieb gestern alles friedlich. Die Polizei war mit etwa 50 Einsatzkräften präsent.

Organisiert wurde die Mahnwache von Susanne Stülpner, einer selbstständigen Friseurin. Die Marienbergerin stellte sich in ihrer Rede gegen "Hetze in jedwede Richtung". Sie betonte: Der eigentliche Kern des Problems seien soziale Ungerechtigkeiten. Susanne Stülpner forderte etwa bessere Bildungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche, übte Kritik am Pflegesystem: "Endlos-Bürokratie und Personalmangel verdrängen immer mehr die wichtigsten Aspekte der Pflege, nämlich den sozialen, menschlichen Umgang in ausreichender Zeit für die Ältesten unserer Gesellschaft." Sie kritisierte zudem, dass die Bearbeitungszeit von Asylanträgen zu lang sei und die Konsequenz der Abschiebung straffällig gewordener Migranten zu wünschen übrig lasse. Es gab mehrfach Applaus.

Unter den rund 350 Teilnehmern: Gerd Schulze aus Marienberg. Er sprach sich für einen offenen Meinungsaustausch aus. Eine andere Teilnehmerin betonte, dass sie über das Geschehene in Chemnitz erschrocken und wütend sei: "Ich habe Angst, nach Chemnitz zu fahren, zwischen die Fronten zu geraten." Lena Neubert aus Großrückerswalde stand abseits: "Ich finde es mutig, dass Susanne Stülpner die Veranstaltung organisiert hat."

Auch die Marienberger Stadträte haben an der Mahnwache teilgenommen. Auf Anfrage von Grünen-Stadtrat Klaus-Ekkehard Köhler und anschließender Abstimmung unterbrachen die Volksvertreter gegen 19.15 Uhr ihre Stadtratssitzung, um die Geschehnisse auf dem Marktplatz bis 20 Uhr mitverfolgen zu können. "Respekt für Frau Stülpner, die den Mut hatte, eine solche Demo zu organisieren", sagte Oberbürgermeister André Heinrich (parteilos). Er lobte die Bürger für die friedliche Zusammenkunft. Einsatzleiter Rolf Dittrich, der Leiter des Polizeirevieres in Marienberg, bestätigte den friedlichen Ablauf der Veranstaltung: "Es gab keine Probleme." Dies sei keineswegs von vornherein klar gewesen. Daher habe die Polizei entsprechend Präsenz gezeigt.

Susanne Stülpner hofft indes, dass die Mahnwache nur ein Anfang war: "Mich würde es freuen, wenn solche Zusammenkünfte fortgesetzt werden. Es muss sich aber jemand finden, der sie organisiert. Für mich als alleinstehende Mutter ist das dauerhaft nicht zu bewältigen."

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