57 Zschopauer wollen im Stadtrat Politik machen

Das Interesse für Kommunalpolitik in der Motorradstadt ist groß. Mit der Wählervereinigung "Wir - die Vereine" wird am 26. Mai erstmals eine neue Gruppierung antreten. Auch prominente Zschopauer gehen ins Rennen um die Gunst der Wähler.

Zschopau.

57 Einwohner möchten in Zschopau Kommunalpolitik machen. So viele Kandidaten bewerben sich in der Motorradstadt am 26. Mai um einen der 18 Plätze im Stadtrat. Damit treten zugleich zehn Kandidaten mehr an als bei den vergangenen Kommunalwahlen vor fünf Jahren. Welche Partei oder Wählervereinigung tritt mit welchen Bewerbern an, wer hört auf? "Freie Presse" gibt einen Überblick.

Die CDU: Mit sechs Räten stellen die Christdemokraten derzeit die stärkste Fraktion im Stadtrat. Das könnte sich nach der Wahl ändern. Zumindest die Anzahl der Bewerber ist seit dem Urnengang im Mai 2014 um mehr als die Hälfte geschrumpft. Hatte die Partei damals 13 Kandidaten aufzubieten, so sind es jetzt noch sechs. Dafür hat die CDU mit Christine Weber ein prominentes Gesicht in ihren Reihen. Die frühere sächsische Sozial- und Gleichstellungsministerin steht auf Platz 3 der Liste. Angeführt wird diese erneut von Fraktionschef Wilfried Heidl. Von der alten Mannschaft im Stadtrat bleibt außer ihm niemand übrig: Ulrich Thumser und Jürgen Fiedler treten nicht wieder und Jörg Reichel sowie Markus Männel nur noch für den Ortschaftsrat Krumhermersdorf an. Jens Bohring geht jetzt für Wir - die Vereine ins Rennen.


Die Linke: Bei der bislang zweitstärksten Fraktion unter Führung von Jürgen Hetzner hat sich im Vergleich zu 2014 die Bewerberzahl halbiert. Erneut treten Anja Schreiter und Landtagskandidatin Kathleen Noack an. Nicht mehr dabei sind Wolfgang Musch und Gerhard Dathe. Auch im Ortschaftsrat Krumhermersdorf wird die Partei damit nicht mehr vertreten sein. Von den aktuellen Bewerbern hatte nur Lothar Kühn bei der Wahl 2014 noch nicht auf der Liste gestanden.

Bund Freier Wähler (BFW): Zwei Stadtratskandidaten mehr als bei der zurückliegenden Kommunalwahl konnte der Bund Freier Wähler gewinnen. Das Bündnis geht wie beim letzten Mal mit Frieder Meyer und Veikko Bartsch auf den beiden Spitzenplätzen ins Rennen. An dritter Stelle ist statt Hermann von Strauch, der für die Grünen antritt, Heiko Gläser gesetzt. Der Krumhermersdorfer war 2015 einer von vier Bewerbern für das Amt des Oberbürgermeisters. Gläser geht zugleich für den Ortschaftsrat ins Rennen. Neu ins Boot geholt hat der BFW unter anderem den Zschopauer Geschäftsmann Jens Wagner und den Vereinsvorsitzenden der Zschopauer Modelleisenbahner, Mirko Caspar.

Bündnis 90/Die Grünen (Grüne): Auch die Bündnisgrünen haben hinsichtlich ihrer Listenlänge im Vergleich zu 2014 zugelegt. Angeführt von Garten- und Landschaftsarchitekt Niels Sigmund, gehen neun Bewerber an den Start. Darunter Hermann von Strauch, der bis 2014 für den BFW im Stadtrat saß.

Freie Demokratische Partei (FDP): Bei den freien Demokraten gibt es einen Generationswechsel. Auf Platz 1 der Liste steht der Student Clemens Heydrich. Otmar Müller, der in dieser Wahlperiode den FDP-Sitz im Stadtrat belegt, tritt nicht wieder an.

Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD): Nur einen Bewerber haben die Sozialdemokraten aufzubieten. 2014 waren es drei. Der 28-jährige Richard Ringeis möchte einen Sitz im Stadtrat bekommen. Erst im Januar hatte er den Vorsitz des SPD-Ortsvereins Zschopau-Gornau-Amtsberg übernommen. Frank Straube, der vor fünf Jahren ein Stadtratsmandat holte, tritt nicht wieder an.

Wir - die Vereine (WdV): Mit der Vereinsriege geht eine neue Wählervereinigung an den Start, die das Zeug hat, die CDU als stärkste Kraft im Stadtrat zu verdrängen. Zumindest hinsichtlich der personellen Ausstattung liegt die Gruppierung "Wir - die Vereine" mit 19 Bewerbern vorn, während die CDU nur sechs Kandidaten aufzubieten hat. Zudem ist die Spitze mit Klaus Baumann prominent besetzt. Er selbst sieht keinen Widerspruch darin, dass er als CDU-Mitglied damit seiner eigenen Partei Konkurrenz macht. Nach wie vor stehe er zur Bundespolitik der CDU. Kommunal- und Bundespolitik seien für ihn aber zwei verschiedene Dinge. Neben dem früheren Zschopauer Oberbürgermeister sitzt mit Jens Bohring ein weiterer Zschopauer mit Stadtratserfahrung im Boot. Auch der bisherige CDU-Stadtrat hat die Seiten gewechselt.


Was sich Bürger wünschen

"Freie Presse" hat sich in Zschopau umgehört, was sich Bürger vom neuen Stadtrat wünschen:

Hans-Jürgen Grohmann (69): Kulturell hat sich in der Stadt viel getan, und die Feste sind immer sehr gut besucht. Was allerdings fehlt, ist ein Veranstaltungssaal, damit auch mal drinnen was los sein kann. Da ist der Stadtrat gefragt, dessen Mitglieder nicht die eigenen Interessen vertreten sollten, sondern die der Bürger und die der Stadt. Ein Markt ohne Autos und mit noch mehr Sauberkeit wäre auch schön. (anr)


Antje Dippe (45): Leider ist Zschopau nicht gut ans Wanderwegenetz angebunden. An der Beschilderung und den vielen Baumstämmen auf den Wegen sollte sich etwas ändern. Speziell für kleine Kinder mangelt es zudem an altersgerechten Spielplätzen. Es gibt einige, aber die Ausstattung ist nicht optimal. Das trifft auch auf die Sicherheit der Schulwege zu. Dafür gibt es viel mehr kulturelle Angebote als früher. Die Geschäftsleute engagieren sich sehr. Diese schöne Atmosphäre gilt es zu erhalten. (anr)


Carsten Brückner (45): Mit dem Schloss haben wir ein tolles Wahrzeichen, das man noch besser nutzen könnte. Es fehlt die Gastronomie. Das hinzubekommen, wäre eine tolle Sache, zumal das Motorradmuseum ein Schmuckstück ist. Generell gehört diese Tradition zur DNA der Stadt inklusive der ganzen Motorradveranstaltungen. Auch das intakte Vereinsleben muss erhalten werden - genau wie die Läden in der Innenstadt. Voraussetzung ist ein konstruktives Miteinander im Stadtrat statt endloser Diskussionen. (anr)


Sieben Parteien und Wählervereinigungen treten an

Diese Zschopauer bewerben sich für einen der 18 Sitze im Stadtrat:

Christlich Demokratische Union (CDU): Wilfried Heidl, Martin Gerlach, Christine Weber, Rocco Heidl, Jörg Nowak, Peter Uhlig.

Die Linke: Jürgen Hetzner, Gabriele Köhler, Lothar Kühn, Kathleen Noack, Anja Schreiter.

Bund Freier Wähler (BFW): Frieder Meyer, Veikko Bartsch, Heiko Gläser, Robert Müller, Jens Wagner, Mirko Caspar, Solveig Lohse, Dirk Schönfeld,

Sascha Winkler, Jochen Reh, Patrick Latiszew, Mirko Pollag, Roberto Löbel.

Bündnis 90/Die Grünen (B 90/Grüne): Niels Sigmund, Hendrik Uhlmann, Dorit Moll, Hermann von Strauch, Anja Posvic, Kristina Eva Kümmerling, Helmut Matthias List, Rosmarie Steffi Huszar, Hertha Ursula Bauer.

Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD): Richard Ringeis.

Freie Demokratische Partei (FDP): Clemens Heydrich, Jörn Lüdecke, Nico Lautenschläger, Rüdiger Mehlhorn.

Wir - die Vereine (WdV): Klaus Baumann, Günter Roscher, Jan Kolomaznik, David Kessmann, Lucy Glöckner, Lars Baumann, Christina Bohring, Jörg Ponsong, Jens Bohring, Frank Siegel, Klaus Dreßel, André Schmitz, Holger Loose, Peggy Mayerhofer, Heike Fiedler, Uwe Stöckel, Adrian Walther, Kirsten Fiedler, Vera Hofmann.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...