63-Jähriger soll Bauernhof in Weißbach mit Benzin in Brand gesetzt haben

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Der Mann, der im Sommer in Weißbach den Dreiseitenhof seiner Familie niedergebrannt haben soll, steht jetzt in Chemnitz vor Gericht. Das Resultat einer Familienfehde.

Weißbach/Chemnitz.

Eine Frage kreist wie der Geier über dem Dorf. Seit August beschäftigt sie die Einwohner von Weißbach, dem Ortsteil von Amtsberg: Wie konnte es soweit kommen?

An einem Nachmittag im Hochsommer brannte an der Hauptstraße ein Bauernhof nieder, ein rund 200 Jahre alter Dreiseitenhof. Feuerwehrleute sprachen von einem der schwersten Brände der vergangenen Jahre. Drei Tage lang hatten sie zu tun, um die Flammen zu löschen.

Auf dem Hof lebten ein Ehepaar, dessen erwachsener Sohn und der Bruder der Eigentümerin. Der Bruder, 63 Jahre alt, steht seit Montag wegen versuchten Totschlags, schwerer Brandstiftung und Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion vor dem Landgericht Chemnitz. Am Nachmittag des 12. August soll er zuerst den Hof angezündet haben, auf dem er mit der Familie seiner Schwester wohnte. Danach soll er seinen 39-jährigen Neffen mit einer Eisenstange zu Boden geschlagen haben. Der Staatsanwalt hat zum Prozessauftakt am Montagnachmittag die Anklageschrift verlesen.

Die Ermittler rekonstruierten den Tatablauf an jenem Nachmittag demnach so: Der 63-Jährige soll einen Kanister mit Waschbenzin genommen haben und damit durch die drei Gebäude gelaufen sein, die zum Hof gehören. Er soll Feuer auf dem Dachboden des Mittelhauses und in den beiden Scheunen gelegt haben, soll eine Flasche mit Schweißergas mit Acetylen abgestellt haben. Als das Gas explodierte, kam sein Neffe aus dem Wohnhaus gelaufen und sah das Feuer. Daraufhin schlug der Onkel ihn erst mit den Händen und später mit einer Eisenstange, so die Staatsanwaltschaft. Der 39-Jährige Neffe erlitt schwere Kopfverletzungen. Sein Schädel zersplitterte. So heftig, dass ihm die Ärzte in einer Notoperation ein Teil des Knochens entfernen mussten. Er hat eine Delle über der Stirn und eine zehn Zentimeter lange Narbe.

Der Dreiseitenhof ist seitdem unbewohnbar. Das Ehepaar und der Neffe leben nun in Mietwohnungen im Dorf, der mutmaßliche Brandstifter in einer Zelle der Justizvollzugsanstalt Dresden. Er sitzt in Untersuchungshaft. Dort erhalte er gelegentlich Besuch von Dorfbewohnern, erzählt eine Weißbacherin, die den Prozess verfolgen will: "Er sagt, ihm geht es im Gefängnis besser als draußen." Im Ort gebe es viele, die zu dem Angeklagten hielten. Er habe im Heimat- sowie im Sportverein geholfen und durfte im Gegenzug im Kegelheim duschen, weil er daheim kein warmes Wasser hatte.

Der Schwager, Vater des Mannes mit dem verletzen Schädel, zeichnet ein anderes Bild von dem 63-Jährigen. Der Angeklagte leide seit vielen Jahren an Epilepsie und habe sich durch die Anfälle verändert. Nach dem Tod der Eltern habe er als Erbe auf den Hof verzichtet, aber lebenslanges Wohnrecht bekommen, jedoch seine Wohnnebenkosten nicht bezahlt. "Die Müllgebühren haben wir mit übernommen", erzählt der Schwager am Rande des Prozesses.

Vor dem Gericht liegt der Trümmerhaufen einer Familie. Nächste Woche Donnerstag soll der 63-Jährige die Gelegenheit bekommen, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Der Prozess begann am Montag mit fast sieben Stunden Verspätung, weil es aufgrund des Schneegestöbers Probleme gab, den Angeklagten aus JVA Dresden nach Chemnitz zu bringen. Am frühen Morgen hatte der Direktor der JVA entschieden, an diesem Tag keine Angeklagten zu Gerichtsprozessen zu überführen. Aber die Richterin hatte darauf bestanden.

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