79-Jähriger gesteht sexuellen Übergriff

Der Mann ersparte der Geschädigten während der Verhandlung am Marienberger Amtsgericht eine erneute Aussage. Zugleich offenbarte er eigenwillige Ansichten.

Marienberg.

Sie sei doch eine attraktive Frau. Es sei einfach passiert. Er habe nicht erwartet, dass er für diese Sache angezeigt werde. Ein 79-jähriger Erzgebirger hat sich vor dem Amtsgericht Marienberg verantworten müssen. Der Vorwurf: sexueller Übergriff in Tateinheit mit versuchter sexueller Nötigung.

Das Besondere an dem Fall: Der Mann zeigte sich umfassend geständig und sagte detailliert aus. So ermöglichte er einen genauen Blick auf das, was sich an jenem Oktobertag im vergangenen Jahr in der Wohnung der Geschädigten ereignete. Weil das Schloss einer Tür nicht mehr funktionierte, war der Rentner - er betreibt nebenbei einen Schlüsseldienst - zu Hilfe gerufen worden. Der 79-Jährige begann mit der Reparatur des Schließzylinders. Dann sei es plötzlich geschehen.


Der Mann begann, die Geschädigte in ihrer Wohnung zu küssen, und zog ihr den Pulli nach oben. "Sie hat etwas erzählt, das habe ich gar nicht wahrgenommen", sagte er aus. Ihm sei aber bewusst gewesen, dass die Geschädigte wollte, dass er aufhörte. "Aber welche Frau ist schon zu den Tätigkeiten bereit, die ich so vorhatte", so der Angeklagte vor Gericht. Sein Ziel sei es gewesen, sich zu erregen: "Irgendwie habe ich meine Hose geöffnet." Der Senior setzte die Frau auf einen Stuhl, griff sich die Hand und den Kopf der Geschädigten. Als sich bei ihm nicht der gewünschte Erfolg einstellte, ließ er von der 54-Jährigen ab.

Nachdem der Mann seine Werkstatt aufgesucht hatte, kehrte er zu der Frau zurück, um die Reparatur zu beenden. Warum sie ihn ins Haus ließ, blieb während der Verhandlung offen. Der Erzgebirger versuchte erneut, sich ihr zu nähern. Ohne Erfolg. Später rief er bei ihr an, auch weil er sich eigener Aussage zufolge schämte. Der Angeklagte gab seine damals am Telefon gewählten Worte wieder. "Das klappt schon noch ein andermal", sagte er in Bezug auf sein sexuelles Handeln. Ein weiterer seiner Gedankengänge: "Hoffentlich ist sie mit meiner Arbeit zufrieden. Das steht für mich an erster Stelle." Damit meinte er die Reparatur des Türschlosses.

Der Richter fragte bei der Verhandlung genauer nach. So wollte er wissen, ob der Angeklagte die Frau schon länger kenne. Der Mann bejahte das. Sie habe schon zuvor seine Avancen abgewehrt. Der Richter hakte in Hinblick auf seine sexuellen Handlungen nach: "Wollte sie das?" Der Angeklagte antwortete: "Ich kann das nicht beurteilen." Kurz darauf räumte er ein: "Sie hat versucht, mich wegzudrücken. Aber ich habe das nicht registriert." Er habe gehofft, dass die Geschädigte schließlich doch noch auf sein Handeln eingeht. Schließlich würden Frauen eine gewisse Zeit benötigen, bevor sie wissen, was da für ein Kerl vor ihnen stehe und ob sie dessen Handeln befürworten.

Der Angeklagte habe ein äußerst eigenwilliges Verständnis der sexuellen Selbstbestimmung von Frauen, betonte die Staatsanwaltschaft, die den Vorwurf des sexuellen Übergriffs in Tateinheit mit versuchter sexueller Nötigung klar bestätigt sah. Die Frage, ob ein minderschwerer Fall vorliege, beantwortete die Staatsanwältin aufgrund der Intensität des Geschehens sowie der Örtlichkeit mit "Nein." Die Nebenklage, sie vertrat die Geschädigte, schloss sich der Einschätzung an. Sein Mandant habe Ansichten, die heutzutage nicht mehr geteilt werden, versuchte der Verteidiger das Verhalten des Rentners zu relativieren. In diesem Zusammenhang könne durchaus von Irrtum gesprochen werden.

Eine elfmonatige Freiheitsstrafe, ausgesetzt zu einer zweijährigen Bewährungszeit, lautete das Urteil des Schöffengerichtes. Der Rentner muss der Frau 700 Euro zahlen und darf sich ihr nicht mehr nähern. Damit folgte das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft. Bei der Urteilsfindung wurde berücksichtigt, dass der Mann nicht vorbestraft ist, sich geständig zeigte und der Geschädigten eine erneute Aussage ersparte. Sie hatte das Geschehen teils vor Gericht mitverfolgt und die Entschuldigung des Rentners nicht angenommen. Der Richter warnte ihn vor einem Verstoß gegen das Kontaktverbot. Seine 79 Jahre würden ihn nicht vor dem Gefängnis bewahren, wenn er Bewährungsauflagen missachte. Das Urteil ist rechtskräftig.

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