Älteste Witzschdorfer Kirche feiert 130. Geburtstag

Das Gotteshaus belegt Platz 3 unter den ältesten Gotteshäusern der Methodisten in Sachsen. Die Gemeinde ist stark musikalisch geprägt.

WITZSCHDORF.

Feierlich erklang am Sonntag in der evangelisch-methodistischen Kirche zu Witzschdorf die Kantate "Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort" von Dieterich Buxtehude. Mit rund 80 Gästen war das Gotteshaus an der Hauptstraße gefüllt, um ein besonderes Ereignis zu würdigen. Zum diesjährigen Erntedankfest feierte die Gemeinde mit einem musikalischen Festgottesdienst das 130-jährige Bestehen ihrer Kirche. In Witzschdorf ist die evangelisch-methodistische Kirche damit das älteste Gotteshaus und belegt sachsenweit Platz 3 unter den ältesten Methodistenkirchen. Eine lutherische Kirche wurde im Ort erst zwölf Jahre später und vermutlich als Reaktion auf den Kirchenbau der Methodisten eingeweiht.

Als im Ort 1886 ein kleines Kirchgebäude errichtet wurde, war das in dieser Zeit kein außergewöhnliches Ereignis. Die Industrialisierung war längst im Erzgebirge angekommen, und die damit wachsende Einwohnerzahl hatte den Bau immer neuer Kirchgebäude zur Folge. "Nur handelte es sich dabei zumeist um protestantische Gotteshäuser", weiß Markus Fuchs, Chorleiter und verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit im Gemeindebezirk. In Witzschdorf hingegen baute eine Methodistengemeinde die nach Schwarzenberg und Dittersdorf dritte Kirche in Sachsen.

"Die geltenden Versammlungsgesetze sahen Gottesdienste außerhalb der lutherischen Staatskirche nicht vor", so Markus Fuchs. Mit dem behördlichen Verbot ging die zeitweilige polizeiliche Schließung der Kirche einher. Auch von der Inhaftierung von Pfarrern berichtet die Chronik. Trotzdem konnte die Gemeinde rasch wachsen und erlebte ihre Blüte in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. "Damals besuchten oft 100 Kinder die Sonntagschule, es entstanden große Chöre und Instrumentalkreise, die Witzschdorf bekannt machten", sagt der Zschopauer.

In der jungen DDR wurden die Methodistengemeinden geduldet. Auch der Wegzug vieler Familien in den 1960er-Jahren änderte kaum etwas am Gemeindeleben. Viele Mitglieder pendelten zu den Gottesdiensten und musikalischen Gemeindeveranstaltungen weiterhin nach Witzschdorf, und es wurde augenzwinkernd der Begriff "Wallfahrtskirche" geboren.

"Auch heute spielt die musikalische Prägung der kleiner gewordenen Gemeinde noch immer eine große Rolle", erklärt Fuchs. Chor, Instrumentalkreis und Posaunenchor lieferten am Sonntag den Beweis und wurden von ehemaligen Witzschdorfern unterstützt, die ihr Beruf als Musiker in die Ferne geführt hat. Der Gemeindebezirk Zschopau/Witzschdorf zählt unter der Seelsorge von Pastor Christoph Martin derzeit rund 70 Gläubige.

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