Alternative Maifeier zwischen Gänseblümchen und Löwenzahn

Die Maifeier des Alternativen Zentrums Dorftrottel hat Tradition und zieht noch immer Hunderte Gäste an. Doch manchmal hat der Klub auch mit dem Generationenwechsel zu kämpfen.

Grünhainichen.

"Ich bin gut im Verlieren", und "Man wird ja wohl noch sein Bier trinken dürfen", singen Hartmut und Freunde. Womit das Spaß-Punk-Ensemble aus Sachsen so in etwa ironisch den Rahmen umreißt, in dem sich das Alternative Zentrum (AZ) Dorftrottel mit Sitz in Waldkirchen seit mehr als zwei Jahrzehnten bewegt.

Wie das auch weiter gelingen kann, zeigt der schon 24. "Krach am Bach", das Festival am 1. Mai, zu dem am Mittwoch reichlich 200 Gäste auf die Wiese an der Rochhausmühle in Grünhainichen kamen. Einige von ihnen, nachdem sie vorher in Chemnitz an einer der Mai-Demonstrationen teilgenommen hatten. Viele sind mit dem AZ älter geworden, bringen ihre Kinder mit, begeistern sie für veganes Essen, probieren die Tombola aus, bei der jedes Los gewinnt - wenn auch manchmal nur ein unvollständiges Puzzle. Aber das ist ohnehin kein Fest für Gewinner, sondern eins für die, die immer noch dran glauben, dass eine gerechte Welt für alle möglich ist ohne Leistungsdruck und Profitzwang, mit Spaß am Leben und an der Musik. Dazu passen die ausgewählten Bands. Mit der jungen Brand-Erbisdorfer Combo Fettsacksuppe präsentiert sich der Punk-Nachwuchs: nachdenklich, kritisch, idealistisch und mit kräftigen Gitarrensound ziemlich mitreißend. Die Horst-Adler-Kapelle, laut eigener Aussage wahlweise "aus Transsylvanien", "Transnistrien" oder "Transformatien", was alles irgendwo bei Chemnitz liegt sind die jung gebliebene Herren Horst, Hans, Emil und Josef Adler. Die Herren, die alle ihre eigenen Väter sein könnten, spielen mit Vorliebe Evergreens von den Ramones über Bob Dylan, Abba bis Udo Jürgens. Das aber doppelt so laut und doppelt so schnell. Horst Adler alias Thomas Lang jedenfalls ist begeistert von der Atmosphäre: "Super. Wir haben schon oft in Waldkirchen gespielt, aber noch nie hier. Ein schöner Ort und gutes Publikum."


Zum Publikum gehören viele langjährige Freunde des AZ. Einige der inzwischen gestandenen Frauen und Männer, die einst das Alternative Jugendzentrum Kniebreche mit aufgebaut hatten, treffen sich seit Jahren regelmäßig zur Maifeier zwischen Gänseblümchen und Löwenzahn. Und über eine Band wie Hartmut und Freunde, das mit Jogginghose, High Heels, Minirock, Perücke und Schmuddeljeans bestangezogene Musikerkollektiv der östlichen Hemisphäre, hätten sich die Kniebrechler früher auch gefreut. Hartmut singt, und seine Bandkollegen tanzen zum Weltuntergang: "Die Welt ist am Ende, klatscht in die Hände, Ende Gelände". Sie kämpfen um allgemeine Menschenrechte wie Faulheit, Biertrinken, Quatschmachen und treten auch gern bei Veranstaltungen der Partei Die Partei auf. Viel lustiger kann man die Zukunft nicht feiern. Das findet auch der Bildhauer Volker Beyer, der zu den Stammgästen der Maifeier gehört: "Schön, dass es so was noch gibt." Auf die Zukunft alternativer Musikklubs wie des AJZ in Chemnitz hoffen auch die Dorftrottel. Angesichts des Rechtsrucks in der Gesellschaft gibt es Befürchtungen, dass der auch auf die Kultur Auswirkungen haben könnte. Zumal die Klubs um ihr Publikum kämpfen müssen. "Die jüngere Generation ist anders aufgewachsen", hat Hansi Zimmermann festgestellt. Da hätten Konzertbesuche nicht immer die Bedeutung wie früher. Und trotzdem verspricht Frank Helbig, Mitgründer der Dorftrottel: "Wir machen weiter. Was sollen wir denn sonst machen?" Das nächste Mal schon am Samstag: Dann spielen Cor und Resistent im AZ in Waldkirchen.

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