Ans Absteigen denkt sie nicht

HOCHSOMMER: Wie kommt der Erzgebirger mit Hitze zurecht, wenn er arbeiten muss und keinen Urlaub hat? Heute: Radsportlerin Maria Forkel.

Thum/Venusberg.

Der häufigste Weg, der aktuellen Hitze zu entkommen, führt ins Freibad. So mancher nimmt dafür sogar etwas Schweiß in Kauf und setzt sich kurzzeitig auf sein Fahrrad, um die mit Autos überfüllten Parkplätze zu meiden. Im Fall von Maria Forkel ist der Ritt allerdings von längerer Dauer. Ziel ist auch nicht das kühle Nass, sondern sportlicher Erfolg. Im Trikot des Radsportvereins (RSV) 54 Venusberg will es die 18-jährige Thumerin im wahrsten Sinne des Wortes weit bringen, weshalb sie sich auch von Temperaturen jenseits der 35-Grad-Marke nicht stoppen lässt.

Täglich steigt sie in den Sattel ihres Rennrades. "Wenn es eine gemütliche Runde ist, um die Beine zu lockern, dann ist sie um die 20 Kilometer lang", sagt die RSV-Sportlerin. In der Regel ist intensives Training angesagt, sodass meistens bis zu 100 Kilometer zu bewältigen sind. Egal, was das Thermometer auch anzeigt: Um für die Wettkämpfe am Wochenende gerüstet zu sein, spult Maria Forkel wochentags das von Trainer Klaus Fischer zusammengestellte Programm ab.

"Ganz oben auf dem Gipfel, auf dem kein Baum mehr steht und die Sonne richtig brennt, fühlen sich 37 Grad sogar noch etwas heißer an", beschreibt die Abiturientin ihre Erfahrungen. Ans Absteigen denkt sie aber auch dann nicht. Im Gegenteil: Als eine der älteren Sportlerinnen fühlt sie sich dafür verantwortlich, die jüngeren mitzureißen. Schließlich wird fast immer in einer Gruppe trainiert. "Wir motivieren uns gegenseitig. Der eine sagt zum anderen: Komm schon, du hast es gleich geschafft", so Maria Forkel. Mitunter werden Kollegen sogar den Berg hoch geschoben, wenn die Kraft nachlässt. Dabei ist es egal, dass das eigene Trikot klitschnass geschwitzt ist und die Trinkflaschen am Rad schon leer sind. Klaus Fischer hält Nachschub parat, denn der Trainer hat sich getränkemäßig auf die Hitze eingestellt und auch genügend Magnesiumtabletten dabei.

Es ist noch nicht lange her, da war Maria Forkel selbst auf Hilfe und Tipps der Vereinskollegen angewiesen. Schließlich begann sie erst vor zwei Jahren mit dem Radrennsport. "Vorher war ich im Judo aktiv, aber da haben wir nur einmal pro Woche trainiert. Ich wollte noch mehr aus mir herausholen", sagt sie. Dass sie durch den Tipp ihrer Mutter beim RSV Venusberg landete, war für beide Seiten ein Gewinn. Endlich konnte sich die Thumerin richtig austoben - und der Verein hatte plötzlich eine starke Juniorin in seinen Reihen. Als Spätstarterin überraschte Maria Forkel etwa als sächsische Vizemeisterin, bei der Deutschen Meisterschaft wurde sie Neunte.

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