Aufregung um überquellene Papier-Tonnen dauert an

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Zschopau.

Wohin mit den leeren Kartons? Das dürfte sich mancher fragen, der im Pandemie-bedingten Lockdown verstärkt im Onlinehandel bei Amazon und Co. bestellt. Richtig zerkleinern und in die blaue Tonne damit, rät der Zweckverband Abfallwirtschaft Südwestsachsen (Zas). Dann gibt es auch keinen Ärger mit den Entsorgern, die wegen der zuletzt um sich greifenden Praxis daneben abgelegte sperrige Pappabfälle nicht mehr mitnehmen. Doch es werden Zweifel laut, dass sich das Problem auf diese Weise so einfach lösen lässt. Uwe Gahut aus Gornau vermutet das Problem nicht allein im ausufernden Volumen, sondern vor allem in der Masse. Ihm sei zu Ohren gekommen, dass der Entsorgungsbetrieb manche Touren nicht mehr zu Ende bringen könne, ohne zwischendurch das Fahrzeug entleeren zu müssen - mit negativen Folgen für die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens.

Zas-Bereichsleiterin Birgit Baumann bestätigt zwar auf Nachfrage, dass die Entsorgungsfahrzeuge mitunter vor Tourenende entladen werden müssten, wenn etwa an einem Tag überdurchschnittlich viele Tonnen zur Abholung bereitgestellt würden. Die dafür in Anspruch genommene Zeit sei aber überschaubar, und nach dem Entladen werde die Tour stets fortgesetzt. "Das Hauptproblem ist das Zuladen in der Zeit", fügt sie an. Wenn also die Mitarbeiter wie früher alles händisch aufladen würden, was neben den Tonnen liegt, würden sie ihren Tourenplan nicht schaffen, so die Zas-Argumentation.

In seinem Fall hätte dieser kleine Handgriff indes kaum Zeit bedurft, meint Uwe Gahut. Zumal er seine Pappe schön zusammengefaltet obendrauf auf die Tonne gelegt habe.

Die vom Entsorger vorgeschlagenen Alternativen, die er am nächsten Tag auf einem Zettel fand, hält der Gornauer für nicht hilfreich. Würde er wie vorgeschlagen alles zerkleinern, wäre die Tonne im Nu gefüllt. Auch die Abgabe im Wertstoffhof sei nicht für jeden machbar: "Damit es sich lohnt, muss man zunächst einmal sammeln. Den Platz dafür hat nicht jeder." Für ältere Leute ohne Auto wäre dieser Vorschlag ohnehin keine Lösung. Der nächste Wertstoffhof, den auch Bewohner der umliegenden Gemeinden nutzen, befindet sich in Zschopau. Und über das Schlangestehen dort möchte der Gornauer gar nicht erst reden. Am "Freie Presse"-Lesertelefon meldete sich auch ein Scharfensteiner. Er berichtet, im Herbst zweimal am Wertstoffhof in Wolkenstein mit seinen Pappen wieder weggeschickt worden zu sein. Die Container seien schon gefüllt gewesen, habe es zur Begründung geheißen. Zas-Bereichsleiterin Baumann kann den Fall nicht aufklären. Sie hatte beim Betreiber des Wertstoffhofes nachgefragt und gesagt bekommen, dass bislang niemand abgewiesen worden sei. Das sei nur dann der Fall, wenn das Volumen der Kartonagen die zulässige Abgabemenge von einem Kubikmeter überschreite. Unbestritten lässt Birgit Baumann dagegen, dass es zu Stoßzeiten, insbesondere in der Grünschnitt-Saison, an Wertstoffhöfen zu längeren Wartezeiten kommt.

Zumindest in Zschopau könnte sich die Lage etwas entspannen. Am 1. März will Roberto Löbel, Inhaber eines Container- und Feuerholz-Serviceunternehmens, Am Helmgarten 5 einen Containerhof eröffnen. Neben Bauschutt- und Baumischabfällen will er gegen ein Entgelt auch Grünschnitt und Pappe annehmen. Nicht zuletzt wolle er mit dem Angebot den Wertstoffhof entlasten. "Ich kenne viele Leute, die wegen des zu erwartenden Verkehrschaos gar nicht mehr dorthin fahren. Andere stellen sich deswegen schon eine Stunde vor der Öffnung an", sagt Roberto Löbel.

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