Aus 90 Minuten werden drei Stunden

Wie sehr Künstler und Publikum einander vermisst haben, zeigte sich am Sonnabend bei einem Konzert in Pobershau. Kurz vor Mitternacht gingen die letzten Gäste.

Pobershau.

Sehnsüchte sind am Samstagabend bei einem Konzert des Duos Roter Mohn in der Pobershauer Böttcherfabrik gestillt worden. Einerseits hatten die Dresdner Künstler Haike Haarig und Olaf Opitz, die das Duo bilden, Sehnsucht nach einem klassischen Auftritt vor Publikum. Zuletzt war das am 14. Februar der Fall. "In der Marienberger Baldauf-Villa haben wir zuletzt live gespielt. Später geplante Auftritte fielen den Corona-Beschränkungen zum Opfer", sagte Olaf Opitz. Der hatte zusammen mit Haike Haarig zwischenzeitlich einige Male am Elbufer musiziert, um wenigstens etwas in Kontakt mit Publikum zu bleiben. Er bezeichnete den Auftritt in Pobershau deshalb als Lichtblick.

Sehnsucht nach Kultur, nach Live- Musik, hatte aber auch das Publikum in Pobershau. Extra aus Chemnitz war etwa Tommi Neumann angereist, dem, die kulturelle Beschränktheit, wie er es formulierte, auf die Nerven geht. "Von dem Duo hatte ich schon sehr viel gehört, konnte aber selbst leider noch keinen Auftritt verfolgen", so Tommi Neumann, der gemeinsam mit 56 weiteren Musikliebhabern einen Auftritt der Extraklasse, wie er nach dem Konzert sagte, erlebte. Roter Mohn spielten und sangen Tonfilmschlager, russische Romanzen und Evergreens bis zu den 1970er-Jahren. Darunter befand sich auch der von der chilenischen Sängerin Rosita Serrano 1938 erstmals gesungene Titel "Roter Mohn", der den Dresdner Künstlern als Vorlage für den Namen ihres Duos diente.

Wie sehr Künstler und Publikum einander vermisst haben, zeigte sich allein schon an der Dauer des Konzertes: Aus den ursprünglich geplanten 90 Minuten wurden knapp drei Stunden. "Die Gäste haben es genossen, haben mitgesungen, mitgeklatscht und die Musiker nach dem Feierabendlied mit Bravo-Rufen verabschiedet", freute sich Constanze Ulbricht, Vorsitzende des Kunstvereins Max Christoph und Gottfried Reichel, der zum Konzert eingeladen hatte. Ihren Worten zufolge akzeptierten die Besucher auch die Hygieneauflagen, wegen der sie zum Beispiel Getränke selbst mitbringen mussten. "Kultur gehört einfach zum Leben", stellte Constanze Ulbricht dann kurz vor Mitternacht fest, nachdem die letzten Gäste das Haus verlassen hatten.

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