Beim Wahlkampf fällt die Wahl zunehmend auf Einweg-Plastik

Das mehrfache Verwenden war gestern, heute landen viele Plakate nach dem Urnengang im Müll. Doch es geht auch anderes.

Marienberg.

Plastik statt Papier: In Sachen Wahlkampf setzen zahlreiche Parteien sowie Kandidaten auf Einweg-Plakate, wenn sie sich um die Plätze im Europaparlament, im Kreistag sowie in Stadt- und Gemeinderäten bewerben. Was viel Zeit spart, erzeugt jede Menge Müll. Doch mitunter erfahren die Plastikplakate nach der Wahl am 26. Mai ein zweites Leben. Und längst nicht jeder macht den Trend mit.

Einweg-Plastik: Laut Gerd Glöckner, Vorsitzender des Ortsverbandes Olbernhau, Seiffen, Pockau-Lengefeld, hat die Linke im Mittleren Erzgebirge 500 Doppelplakate gehängt. Sie bestehen aus Plastik und wurden fix und fertig vom Anbieter geliefert. Die Motive sind direkt auf den Kunststoff gedruckt. Das spart Zeit, denn die Wahlkämpfer müssen keine Plakate auf Träger wie Hartfaserplatten kleben. "Zudem sind die Plakate leicht und lassen sich gut transportieren", sagt Glöckner.


Der Nachteil: Für künftige Wahlen sind die Plastikplakate nicht ohne Weiteres verwendbar. Inhalte sowie Kandidaten ändern sich. Dennoch fiel auch bei anderen Parteien die Wahl auf die Einweg-Variante. Sie lässt sich etwa bei den Liberalen und der Alternative für Deutschland finden. Beide sind in der Region besonders stark mit Werbung vertreten. So ist die AfD im Mittleren Erzgebirge mit 1500 Plakaten präsent (inklusive Ersatzplakaten). Die Farbe verblasse nicht, das Plastik sei haltbar sowie recycelbar, sagt Landtagsabgeordneter Carsten Hütter auf die Frage hin, warum die AfD sachsenweit auf Kunststoff setzt.

Damit verursacht der aktuelle Wahlkampf eine große Menge Abfall, deren Umfang wegen der Vielzahl der Kandidaten und oft selbstständig agierender Ortsverbände kaum bezifferbar ist. Fest steht: Zwar lassen sich Plastikplakate laut Angaben des Herstellers verwerten. "Die Preise für Kunststoff sind jedoch im Keller", schränkt Andreas Grübler von den in der Region tätigen Grübler Entsorgungsdiensten ein. Im Zweifelsfall landen sie in der Müllverbrennung. Seinen Worten zufolge sind ausgediente Plakate als Restmüll zu entsorgen.

Gerd Glöckner hat für das Problem eine andere Lösung gefunden. Er nutzt alte Plastikplakate als Abdichtung für sein Hochbeet. Bei Kleingärtnern seien sie begehrt. Angesichts der Menge erfahren aber längst nicht alle Plakate solch ein zweites Leben, räumt er ein.

Hartfaser: Ja, seit einigen Jahren seien im Erzgebirge zunehmend Plastikplakate im Einsatz, bestätigt Tino Günther, Vorsitzender des FDP-Ortsverbandes Seiffen. "Ich sehe einen eigenartigen Plastikwahn", ergänzt Günther, der sich diesbezüglich für mehr Umweltschutz ausspricht. Für seine 150 Plakate im Ort hat er anders als seine FDP-Parteikollegen Hartfaserplatten genutzt. Sie bestehen aus verleimten Holzspänen und lassen sich mehrfach verwenden. Mit Helfern klebte Tino Günther die eigentlichen Papierplakate darauf. Der Aufwand sei zwar hoch. "Aber das Kleben schweißt uns als Gruppe zusammen. Und das ist mehr wert als Geld", sagt Günther. Von einem Verbot der Plastikplakate hält der Liberale nichts. Viel mehr sei Aufklärung wichtig.

Papp-Alternative: Eine andere Variante haben die Grünen entdeckt. Auf die Frage hin, ob er beim Plakatieren auf Plastik setzt, sagt Niels Sigmund: "Natürlich nicht." Stattdessen nutze er für seine Bewerbung um einen Platz im Stadtrat Zschopau Plakate aus Pappe. Diese seien fertig bedruckt und dank Wachsschicht witterungsbeständig. Und: Sie lassen sich vergleichsweise gut recyceln. "Nach der Wahl gebe ich sie ins Altpapier", sagt Sigmund.

Warum nicht alle Parteien und Wählervereinigungen Pappplakate nutzen, kann Niels Sigmund nicht sagen. Womöglich sei nicht ausreichend bekannt, dass es eine gute Alternative zum Plastik gebe. Bei der SPD ist dies längst angekommen. So nutzt Stadtratskandidat Hartmut Tanneberger aus Olbernhau Pappplakate. An 50 Standorten hat er sie angebracht.

Plakat-Skeptiker: Die CDU nutze zwar Plastikplakate, aber nur wenige in größeren Orten, sagt Falk Haude, Geschäftsführer des Kreisverbandes. Eine Plakatschlacht lehnt er unter anderem aus Umweltgründen ab. Für den Europawahlkampf seien stattdessen Großplakate insbesondere auf bereits vorhandenen Werbeflächen im Einsatz. Falk Haude findet es wichtig, auch Anzeigen zu schalten sowie in den sozialen Medien präsent zu sein.

Michael Rudolph, er will für die Bürgerinitiative Freie Bürger Olbernhau in den Olbernhauer Stadtrat einziehen, zweifelt ebenfalls am Nutzen der Plakate. Er hat keine aufgehängt und will die Menschen lieber auf direktem Wege von sich überzeugen.


Kommentar: Verbot muss her

Politiker sollten Vorbild sein. Das gilt auch beim Umweltbewusstsein. Dass tausende Wahlplakate aus Plastik nach dem Urnengang ein Fall für die Verbrennungsanlage sind, ist angesichts des entstehenden Kohlendioxids und des fortschreitenden Klimawandels ein Unding. Zumal Plastik noch ganz andere Probleme verursachen kann: Landet ein Plakat im Straßengraben, zerfällt es mit der Zeit in winzige Teile, die mit dem Regen in Gewässer gespült werden.

Was bringt es, wenn Wattestäbchen aus Kunststoff verboten werden und zugleich beim Wahlkampf Plastik massenhaft zum Einsatz kommen darf? Kunststoff sollte aus dem Alltag verbannt werden. Vor allem dort, wo er unnötig ist. Ein Verbot von Plastikplakaten muss her.

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