CDU-Politiker hält sich mit voreiligen Versprechen zurück

In Olbernhau hat sich der Landtagsabgeordnete Jörg Markert Bürgerfragen gestellt. Er warb dafür, Strukturen zu erhalten und zeigt sich gesprächsbereit.

Olbernhau.

Wenn Jörg Markert aufzählt, wie er dahin kam, wo er heute ist, vergeht schon mal eine halbe Stunde. Eine Berufsstation nach der anderen erläutert er mit einer Akribie, die nicht von ungefähr kommt: Studium der Verwaltungswirtschaft, höherer Verwaltungsdienst, Sachbearbeiter in der Staatsverwaltung, Referent und Büroleiter in Ministerien - alles Jobs, bei denen es darauf ankommt, akkurat zu sein. Der 45-Jährige macht daher weniger den Eindruck jenes Berufspolitikers, der beim heimischen Publikum gern mal einen flapsigen Spruch fallen lässt. Doch ein Berufspolitiker ist Markert inzwischen. Als Nachrücker für den ausgeschiedenen Stanislav Tillich sitzt er seit November als CDU-Abgeordneter im Sächsischen Landtag. Dort will er nach der Wahl am 1. September bleiben - und wirbt nun um Unterstützung.

Bei den knapp 30 Gästen, die Markerts Ausführungen am Dienstag zum Stadtgespräch im Olbernhauer Theater Variabel lauschten, dürfte dabei vor allem eins hängen geblieben sein: Markert hat die Schaltstellen der Landespolitik bisher eingehend kennengelernt und ist bestens vernetzt. Das, so verspricht der Olbernhauer nun, wolle er künftig für die Region nutzen. Diese voranzubringen, sei überhaupt sein Anreiz für das Landtagsmandat gewesen. Doch wie genau stellt sich Markert dieses Voranbringen vor?

"Ich bin gerade bei den Bürgermeistern unterwegs", erklärt der Abgeordnete, dessen Wahlkreis 16 Kommunen von Zschopau über Marienberg bis Seiffen umfasst. Dort informiere er sich über Probleme und Vorhaben in den Gemeinden. In Dresden könne er sich dann konkret dafür einsetzen - etwa, wenn es um Förderanträge geht. Erneut betont Markert hier seine guten Kontakte. Aber - auch das ist seine Art - er macht keine voreiligen Versprechen: "Nicht alles ist möglich."

Was sind wichtige Themen der Heimat, die er bisher im Blick hat? "Mögliche Gewerbeflächen sind begrenzt, die Autobahn ist weit weg", so Markerts Einschätzung zur Infrastruktur. Es gelte daher, mit den Gegebenheiten umzugehen: "Es wird immer Menschen geben, die pendeln." Wichtiger sei es, mit Blick in die Zukunft die existierenden Strukturen zu stärken: "Gymnasium, Krankenhaus und Bahnanbindung müssen erhalten werden", sagt Markert etwa über Olbernhau.

Auch Marienberg und Zschopau sollen ihre "Ankerfunktion" bewahren, etwa durch den Erhalt des Bundeswehrstandortes Marienberg. Den demografischen Wandel sprach Markert ebenfalls an. So gelte es, die Nachfolge von Mittelständlern sicherzustellen. Er warb zudem dafür, die alteingesessenen Bäcker und Fleischer zu unterstützen, statt alles nur noch im Supermarkt zu kaufen. Beim Ärztemangel, einem Thema, das viele Kommunen umtreibt, müsse auch mal über den Tellerrand - sprich: Ländergrenzen - hinaus geschaut werden. "Einwanderung betrifft auch Sachsen", so der Politiker.

Abseits von seinen Bürgermeistergesprächen haben Bürger aus der Region bisher kaum Probleme an ihn herangetragen, erklärt Markert. Womöglich, weil sein Büro in Marienberg erst seit wenigen Wochen offensteht. Am 23. Januar soll dort eine Bürgersprechstunde stattfinden. Und Markert wolle versuchen, monatlich vor Ort zu sein - wenngleich er derzeit viel unterwegs sei: Drei Wochen im Monat sind für Dresden verplant, eine Woche für Wahlkreistermine. Und die Wochenenden? "Verbringe ich in der Heimat Olbernhau", sagt Markert. Es wird eben immer Menschen geben, die pendeln.


Kommentar: Jahr der Verantwortung

Eine "riesige Verantwortung" haben laut CDU-Mann Jörg Markert die Wähler in diesem Jahr. Das stimmt: Auf kommunaler, Landes- und Europa-Ebene sollen Bürger die Parlamente bestimmen. Dabei umfasst die Verantwortung nicht lediglich den Gang zur Wahlkabine und das Kreuz auf dem Zettel. Die Verantwortung beginnt in jenem Moment, in dem Parteien sich in den Wahlkampf und auf den Wähler stürzen. Was dann zählt, ist die kritische Auseinandersetzung in vielfacher Hinsicht: mit Kandidaten, Programmen und vor allem mit Versprechen. Jeder Bürger sollte die Möglichkeiten nutzen, mit Politikern ins Gespräch zu kommen. Und diese müssen umgekehrt in einem Dialog auf Augenhöhe mit den Menschen treten - um eine kritische und ehrliche Auseinandersetzung zu ermöglichen.

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